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Blut auf deiner Haut von Reiersgård, Marit (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.03.2015
  • Verlag: LYX
eBook (ePUB)
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Blut auf deiner Haut

Ein kleiner Ort in Norwegen: An einem düsteren Fleck mitten im Wald wird die Leiche eines vierzehnjährigen Mädchens entdeckt. Bitte Røed und Verner Jacobsen nehmen die Ermittlungen auf, und je tiefer sie in den Fall eintauchen, umso mehr zeigt sich, wie viele Intrigen, Geheimnisse und Verwirrspiele inmitten der ländlichen Idylle lauern. Da bricht in einem Haus nahe des Tatorts ein Feuer aus - und in den Ruinen findet sich eine weitere Leiche ...

Marit Reiersgård wurde 1965 geboren und ist in Lier aufgewachsen. Blut auf deiner Haut ist der zweite Kriminalroman aus ihrer Feder.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 05.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783802596964
    Verlag: LYX
    Originaltitel: Jenta uten Hjerte / The girl without a heart
    Größe: 1443 kBytes
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Blut auf deiner Haut

9

Weshalb konnte er sich an nichts mehr erinnern? Agnar Eriksen stand in der altvertrauten Küche mit dem Linoleumboden aus den Sechzigerjahren. Die Furcht saß ihm wie ein scharfer Schmerz im Rücken, unmittelbar unter den Schulterblättern. Der Anblick seiner Mutter mit den kreidebleichen Haaren, die in Blut schwammen, brachte seinen Magen abermals in Aufruhr. Er war leer, aber er würgte dennoch. Agnar bemerkte den sauren Geschmack gelber Galle und braunen Schnapses.

Auf der Küchenablage und den weißen Türen des Küchenschranks befand sich Blut. Hatten sie miteinander gekämpft? Verdammte Kacke, ich kann mich nicht erinnern, dachte Agnar. Ein taubes Gefühl in den Knien, die dabei waren, ihren Dienst zu versagen, ließ ihn einen Schritt zurücktaumeln. Vor der Küchentür sackte er zusammen und lehnte sich mit dem Rücken an die Wand.

Er versuchte, nüchtern zu werden, doch seine Gedanken kreisten umher wie in einem allzu schnellen Karussell, und tief in seinem Innern nahm er ein fremdes Gefühl wahr. Ein Schluchzen entglitt ihm. Was, verdammt, war das? Trauer? Verlust? Deshalb war er ja nun nicht gerade gekommen. Er war vorbeigekommen, damit sie, seine Mutter, noch eine letzte Chance bekam, alles zu erklären. Damit sie ihm etwas geben würde, damit er sein Leben fortführen konnte, für das er leben konnte. Er wusste nichts mehr, aber sie musste ihn wieder in Rage gebracht, ihn zur Weißglut getrieben haben.

Im Gefängnis behaupteten einige, sie säßen für Dinge ein, die sie nicht begangen hatten. Agnar hatte einfach mit den Wölfen geheult, sich gedacht, dass sie das Geschehene verdrängt hatten, so wie er seine Kindheitserinnerungen. Jetzt war er sich da nicht mehr so sicher. Und was immer auch hier in der Küche geschehen war, er würde dabei schlecht abschneiden. Er war ihr Sohn, hatte Gründe, ihr den Tod zu wünschen, er war wegen einer Gewalttat verurteilt worden, hatte sie vorher schon geschlagen. Ein bisschen länger als vierundzwanzig Stunden war er ein freier Mann gewesen. Seine Gedanken zogen ihn hinab in den dunklen Abgrund. Er musste unbedingt weg von hier, weit weg von allem, das ihn mit diesem Ort in Verbindung brachte. Aber das Blut? Was sollte er mit all dem Blut anstellen? Nicht bloß das von seiner Mutter, sondern auch sein eigenes war höchstwahrscheinlich überall verteilt. Und dann noch die Kotze. Und Rotze.

Auf dem Küchentisch stand eine Kerze. Mit dem Feuerzeug in seiner Tasche könnte er sie anzünden. Und dann könnte sie umkippen, die Decke und die Lierposten entzünden, die auf der Seite aufgeschlagen war, wo die Geburtstagsglückwünsche mit den Todesanzeigen um die Wette eiferten. Bald schon würde es dort schwarz auf weiß stehen, dachte Agnar. Unvermittelt sah er die kleine Spalte vor sich; ein einfaches Kreuz, darunter Erna Eriksen in hervorgehobener Schrift und weiter: "... wurde heute im Alter von achtundsiebzig Jahren jäh aus dem Leben gerissen". Nur sein Name würde dort stehen und dem gesamten verfluchten Lier zeigen, dass er genau das immer gewesen war - alleine. Er stellte sich vor, wie sich das Feuer bis zum Häkelzeug ausbreitete, das sie auf die Sitzbank unter dem Fenster gelegt hatte, und sich zu den zart verzierten Kissen weiterfraß. Das Blut würde verdampfen und verschwinden. Nur Asche und Ruß würden übrig bleiben.

Agnar ging in den Hausflur, nahm Jacke und Handschuhe, die er in der Nacht zuvor dort hingeschleudert hatte. Auf der Kommode lag eine Strickmütze. Gestern war es eiskalt gewesen ohne Mütze, die Kapuze der Daunenjacke war ihm immer wieder vom Kopf geweht. Er hielt sie an sein Gesicht. Sie roch ein wenig nach Parfum. Hatte Mutter auf ihre alten Tage noch damit begonnen, sich in Wohlgeruch zu hüllen? Er zog sie bis über die Ohren und musste daran denken, wie seine Mutter immerzu gemeckert hatte, er solle sich richtig anziehen.

"Jetzt zufrieden, Mutter?", wisperte er und schluckte das erstickende Gefühl herunt

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