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Blutiger Januar Kriminalroman von Parks, Alan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.09.2018
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Blutiger Januar

Januar 1973: Mitten in Glasgow erschießt am helllichten Tag ein Jugendlicher auf offener Straße eine junge Frau, bevor er sich selbst eine Kugel in den Kopf jagt. Detective Harry McCoy, dem der Mord am Tag zuvor im Gefängnis von einem psychotischen Gefangenen angekündigt wurde, steht vor einem Rätsel. Zumal der Gefangene selbst um die Ecke gebracht wird. McCoy nutzt seine alten Verbindungen zu Glasgows Unterwelt, um in den Ermittlungen voranzukommen, legt sich dabei aber schnell mit den Dunlops an, der mächtigsten Familie der Stadt. Und auch sein Boss pfeift ihn zurück. Aber McCoy lässt sich nicht beirren. Alan Parks studierte an der Universität von Glasgow Philosophie. Nach dem Studium arbeitete er als Creative Director bei London Records und später bei Warner Music, wo er für Acts wie All Saints, New Order, The Streets oder Gnarls Barclay zuständig war. Heute lebt er in Glasgow und London. "Blutiger Januar" ist sein Debütroman und Auftakt einer Serie mit Detective McCoy.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 03.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641234027
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Bloody January
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Blutiger Januar

Eins

McCoy steuerte auf die Treppe zu, seine Schritte klapperten über den stählernen Steg, sein Atem bildete Dunstwolken vor seiner Nase. Barlinnie war unverändert wie eh und je. Eiskalt im Winter, brütend heiß im Sommer. Das alte viktorianische Gebäude würde es nicht mehr lange machen. Für die Anzahl an Häftlingen, die man hier untergebracht hatte, war es nicht gebaut worden. Sie saßen zu dritt, manchmal zu viert, eingepfercht in Zellen, die ursprünglich für zwei gedacht waren. Kein Wunder, dass es im gesamten Gefängnis widerlich stank. Der Geruch nach überlaufenden Gülle-Eimern und abgestandenem Schweiß war so heftig, dass er sich einem in den Rachen setzte, sobald sich die Tore öffneten; wenn man wieder ging, blieb er in den Klamotten hängen.

Seit seiner Anfangszeit bei der Streife kam McCoy schon hierher. Das einzig Gute an Barlinnie war, dass es einem Wege ersparte. Das ganze Spektrum Glasgower Übeltäter landete hier. Angefangen von Vergewaltigern und Mördern, Sexualverbrechern und Kinderschändern bis hin zu verdatterten alten Männern, die sich kurz nach der Beerdigung ihrer Frauen mit zwei Dosen Lachs unter dem Pullover im Co-op hatten erwischen lassen. In Barlinnie war man nicht wählerisch, hier wurden alle genommen.

Er beugte sich über das Geländer und schaute durch das Netz und den Tabakdunst in den Freizeitbereich hinunter. Die üblichen Typen liefen dort in Jeans und weißen Sportschuhen herum.

Ein paar, deren Namen er vergessen hatte, spielten Tischtennis. Rangniedrige Bandenmitglieder aus Milton scharten sich um den Billardtisch, alle mit langen Haaren, Schnurrbärten und Tätowierungen noch aus dem Jugendknast. Einer von ihnen zeigte mit dem Queue auf Jack Thomson, als der vor den Fernseher geschoben wurde, und kicherte. Vor einem Jahr hätte er sich nicht mal getraut, einen wie Thomson auch nur anzuschauen. Jetzt hatte das arme Schwein ein so großes Loch im Kopf, dass man's von hier oben sah. So ist das, wenn man einen Vorschlaghammer auf die Knie und den Schädel bekommt. Laufen kannst du vergessen, und vor lauter Brei im Hirn weißt du nicht mehr, wo du bist.

Er knöpfte seinen Trenchcoat zu und blies sich in die Hände. Arschkalt war's. Ein kleiner Dicker in der Runde der Kartenspieler stand auf, schaute nach oben, nickte. Steph Andrews. Bildete sich immer noch ein, niemand wüsste, dass er ein Spitzel war. McCoy kramte in seiner Tasche, zog eins von seinen mitgebrachten Päckchen Regal heraus und ließ es über das Geländer fallen. Steph fing es, steckte es ein und war weg, bevor die anderen es mitbekamen. Erste Regel bei einem Besuch in Barlinnie: Kippen mitbringen. McCoy beugte sich noch ein Stück weiter vor, konnte aber den, dessentwegen er gekommen war, nicht entdecken.

"Raubtierfütterung, hm?"

Er drehte sich um und sah Tommy Mullen neben sich am Geländer. Mullen nahm die Kappe ab, kratzte sich am Kopf. Bei McCoys ersten Besuchen in Barlinnie waren seine Haare noch schwarz gewesen. Jetzt waren sie größtenteils grau.

"Wie lange hast du noch, Tommy?", fragte McCoy.

"Drei verfluchte Wochen. Ich zähl schon die Tage."

"Bist du nicht traurig, dass du gehst?"

"Machst du Witze? Ich kann's kaum erwarten. Der Bruder von meiner Frau hat einen kleinen Wohnwagen unten in Girvan gekauft. Frische Luft. Damit ich den Gestank hier aus der Nase bekomme."

"Was will er denn?", fragte McCoy. "Ich weiß nur, dass auf der Wache angerufen wurde, ich soll herkommen."

Mullen zuckte mit den Schultern. "Meinst du, das sagt er mir?" Er nahm eine Selbstgedrehte aus seiner Tabakdose und zündete sie sich an. McCoy schaute erneut über das Geländer, suchte in der Menge.

"Da unten wirst du ihn nicht finden", sagte Mullen. "Er wurde verlegt. Ist jetzt in der Special Unit."

McCoy pfiff leise. Die sagenumwobene Special Unit.

Niemand wusste viel darüber oder wie's damit funktionierte, sie war erst letztes Jahr eingerichtet worden.

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