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Blutmöwen Ein Küsten-Krimi von Neumann, H. Dieter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.03.2018
  • Verlag: Grafit Verlag
eBook (ePUB)
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Blutmöwen

Hochsommer an der Flensburger Förde: Bauer Brodersen liegt neben seinem Jagdgewehr tot im Weizenfeld. Wählte er den Freitod? Die desaströse finanzielle Lage des Hofes legt die Vermutung nahe. Zudem scheint außer der Witwe niemand um den Patriarchen zu trauern - nicht einmal seine Kinder. In der alteingesessenen Bauernfamilie stößt Kommissarin Helene Christ auf einen Abgrund aus Hass und Vorurteilen, doch die fanatisch religiöse Witwe schweigt beharrlich. Mit fortschreitenden Ermittlungen tun sich immer mehr Fragen auf - und der Kreis der Verdächtigen wird nicht kleiner, sondern größer. H. Dieter Neumann, Jahrgang 1949, war Offizier in der Luftwaffe der Bundeswehr und in verschiedenen internationalen Dienststellen der NATO. Anschließend arbeitete der diplomierte Finanzökonom als Vertriebsleiter und Geschäftsführer in der Versicherungswirtschaft, bevor er sich ganz aufs Schreiben verlegte. Der passionierte Segler ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und lebt in der Nähe von Flensburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 220
    Erscheinungsdatum: 16.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783894257354
    Verlag: Grafit Verlag
    Serie: Helene Christ 5
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Blutmöwen

Prolog

Der junge Rotfuchs verharrt regungslos am Rande der Buschgruppe, verborgen unter dem Blattwerk des dichten Gestrüpps. Nur seine Nase zuckt, während er den verführerischen Duft einsaugt.

Eigentlich ist er satt. Sein Tisch ist in diesen Tagen reich gedeckt. Die sengende Sonne hat den Boden ausgetrocknet, und die Feldmäuse irren auf ihrer verzweifelten Suche nach unverdorrtem Gras, nach ein paar Kräutern oder Körnern hungrig auf dem verkarsteten Land herum. Leichte Beute sind sie für ihn, haben in ihrem Kampf ums Überleben alle Vorsicht fahren lassen.

Doch was er jetzt plötzlich wittert, schwach noch, lässt den Fuchs leise beben. Ein ganz anderer Geruch als der alltägliche der Mäuse. Unwiderstehlich. Der warme Wind weht von See her ins Land, streicht dabei über die Weiden, führt das strenge Aroma des Viehs und Tausende andere Düfte mit sich. Einer davon, weit entfernt, verheißt ein Festmahl.

Das Beben verstärkt sich und Speichel tropft dem Fuchs aus dem Fang, als er sich auf den Weg macht. Geduckt schnürt er geräuschlos durch das ausgedörrte Gras. Je weiter er läuft, desto stärker wird der Duft, der ihn lockt.

Immer wieder blickt er argwöhnisch über das Land, das vor ihm liegt, sichert nach allen Seiten. Seine Nase weist ihm den Weg, untrüglich. Geschickt nutzt er Mulden und Bodenwellen, schlüpft blitzschnell unter Stacheldrahtzäunen durch und hält sich unsichtbar in ausgetrockneten Gräben, bis er die weidenden Rinder umlaufen hat und auf ein Rapsfeld stößt. Im Frühling ein hell strahlendes, in langen Wellen flutendes Gelb, rascheln nun bis hinunter zum Strand dicht stehende graubraune Stängel im Wind.

Hier beherrscht der köstliche Geruch schon völlig die Luft. Kein anderes Aroma vermag der Fuchs jetzt noch wahrzunehmen. Getrieben von seiner Gier, rast er wie ein Blitz durch die Halme, bis er mit zwei mächtigen Sprüngen einen Feldweg überquert und unter dem dichten, wogenden Dach des angrenzenden Weizenfeldes wieder Schutz findet.

Seine feinen Ohren zucken. Schon von Weitem hat er sie gehört: laute Schreie, die er allzu gut kennt. Dicht hinter dem Korn erhebt sich ein niedriges Wäldchen aus knorrigen, im Seewind verwachsenen Kiefern. Der Fuchs riecht es genau: Dort irgendwo liegt das Ziel seiner Begierde. Er duckt sich auf den Boden und kriecht weiter bis an den Feldrand. Endlich hat er einen freien Blick auf den Schauplatz des Getümmels. Seine Flanken zucken, er hechelt flach und seine bernsteinfarbenen Augen verfolgen gebannt das wilde Spektakel.

Möwen.

In großer Zahl haben die Räuber sich auf der Quelle des betörenden Duftes niedergelassen, hüpfen hektisch hin und her, krakeelen, fliegen immer wieder auf, die gelben Schnäbel blutverschmiert. Der Himmel scheint voll von schwirrenden Schwingen, nichts ist zu hören außer eiferndem Gezeter.

Furcht einflößend. Der Fuchs muss es dennoch versuchen - der Reiz ist übermächtig. Den Leib flach an den Boden geduckt, schleicht er langsam näher.

Sie sehen ihn sofort.

Eine hitzig flatternde Horde schreiender Vögel stürzt sich zornig auf ihn. Stechend dringt der unbeschreibliche Lärm in seine feinen Ohren, und tief fahren messerscharfe Schnäbel immer wieder in seinen Leib.

Es dauert nur wenige Sekunden, dann rast der junge Rotfuchs jaulend und aus vielen Rissen blutend davon, in panischen Sprüngen zurück unter den Schutz der Weizenhalme, fort von dem wundervollen Duft.

Keuchend und am ganzen Leib zitternd, wirft er sich im Schatten des Baldachins aus reifen Ähren zu Boden und leckt seine Wunden.

Die Möwen setzen gierig ihr Festmahl fort.

1

Obwohl es erst kurz nach sieben Uhr war, strahlte die Sonne bereits munter in den weißen Cinquecento hinein. Helene Christ hatte das Faltdach geöffnet, bevor sie losgefahren war, und ihre neue modische Sonnenbrille aufgesetzt. Im warmen Wind flatterte ihre dichte weißblonde

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