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Blutroter Sommer von Keller, Julia (eBook)

  • Erschienen: 18.04.2016
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Blutroter Sommer

In Acker's Gap, einem kleinen Ort in den Appalachen West Virginias, ist der Sommer eingekehrt, doch Staatsanwältin Bell Elkins kommt nicht zur Ruhe. Denn ihre Schwester Shirley ist zurück aus dem Gefängnis. Shirley, die als Teenager den gewalttätigen Vater der beiden tötete, um die jüngere Bell zu schützen - und zu der Bell dennoch aus gutem Grund keinen Kontakt hatte. Doch nicht nur das zerrüttete Verhältnis zu ihrer Schwester macht Bell zu schaffen, sondern auch ein unerklärliches Verbrechen: Freddie Arnett, ein liebenswürdiger alter Mann, wurde brutal vor seinem Haus erschlagen. Vom Täter fehlt jede Spur - bis ein weiterer Mord geschieht, in den ausgerechnet Shirley verwickelt ist ...

Die mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete Journalistin Julia Keller wuchs in den Bergen West Virginias auf, kennt also die Menschen und die Landschaft, die die Kulisse für ihre gefeierten Kriminalromane bieten. Heute lebt die Autorin in Chicago und Ohio und arbeitet an dem nächsten Fall um die engagierte Bezirksstaatsanwältin Bell Elkins.

Produktinformationen

    Größe: 681kBytes
    Reihe (Teil): Bell Elkins Bd.3
    Herausgeber: Goldmann
    Untertitel: Kriminalroman
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 416
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783641171391
    Erschienen: 18.04.2016
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Blutroter Sommer

1

Die Hütte mit dem Flachdach befand sich an einer Landstraße, die in tiefer sommerlicher Dunkelheit dalag, einer Dunkelheit, wie sie nach einem besonders grellen Sommertag auftritt und die deshalb intensiver wirkt und bewusster wahrgenommen wird als gewöhnliche Nachtdunkelheit. Die Lichter der kleinen Kneipe ließen sie, durch den eigenartigen Kontrast zu der schwarz beschatteten Straße, wie etwas Lebendiges aussehen, das schwankt und ächzt, bereit, sich jeden Moment zu erheben und davonzutorkeln, um nur eine flache Vertiefung und den dumpfen Gestank von Urin zu hinterlassen.

Bell Elkins wusste, dass das Einbildung war. Das Einzige, was sich wirklich bewegte, waren die flackernden Lichter, die durch die vier bullaugenartigen Fenster drangen, und das hässliche Wummern der Bässe der Liveband, Erschütterungen, die auf das Herz eintrommelten wie Faustschläge. Dennoch zögerte sie und blieb einige Minuten länger am Rand des mit Dreck übersäten Parkplatzes in ihrem Fahrzeug sitzen. Die Autos waren kreuz und quer geparkt, zurückgelassen von ihren Fahrern, denen alles scheißegal war.

Es war 3.42 Uhr in einer schwülwarmen Samstagnacht - nein, am Sonntagmorgen - Mitte Juni, und Bell war wütend. Der Ärger durchzog sie wie ein Draht, der sich langsam durch ihre Adern fädelte, Millimeter für Millimeter. Er flammte nicht auf wie sonst: Dieses Mal wuchs er stufenweise, gleichmäßig und unheilvoll. Als sie sich jeden einzelnen irritierenden Fakt in Erinnerung rief, stieg der Ärger eine Stufe höher, dann noch eine.

Fakt war: Ihre Schwester Shirley war seit drei Tagen nicht nach Hause gekommen. Shirley war eine erwachsene Frau, und es gab keine festen Absprachen - aber immerhin, drei Tage. Und kein Anruf, keine Nachricht.

Fakt war: Das Handy auf Bells Nachttisch hatte sich um kurz vor drei mit seinem perversen Häckselmaschinen-Klingelton gemeldet. Am anderen Ende der Leitung war Amanda Sturm gewesen, Deputy von Collier County. "Hab 'nen Anruf bekommen - Krawall drüben bei Tommy's", sagte sie, nachdem sie ihren Namen genannt hatte. Was Tommy's war, musste nicht weiter erklärt werden. Es war eine Bar - diese Bar hier an der Burnt Ridge Road, berüchtigt für Prügeleien, Drogen und Ärger. "Hab kurz reingeschaut, um die Lage zu peilen, und dachte dann, ich sollte Sie anrufen. Sorry wegen der Uhrzeit."

Sturm hatte sie nicht geweckt. Bell schlief kaum in letzter Zeit und verbrachte viele Nächte in dem abgenutzten alten Polstersessel in ihrem Wohnzimmer und las oder versuchte es zumindest. In dieser Nacht hatte sie es tatsächlich nach oben in ihr Bett geschafft, aber noch keinen Schlaf gefunden. Trotzdem hatte der Anruf sie aufgeschreckt. "Was ist los?", fragte Bell. Ihr Handy war leicht, aber sie benutzte beide Hände, um es zu umfassen, die eine, um es fest an ihr Ohr zu pressen, die andere, um es vor ihr Kinn zu halten.

Es entstand eine Pause, dann sagte Deputy Sturm: "Nun, Ma'am, eine von denen da drin sagt, dass ihre Schwester die Staatsanwältin von Raythune County sei, und ich solle sie besser laufen lassen. Hab ihre Brieftasche gecheckt und tatsächlich - Sie sind da als Kontaktperson vermerkt. Shirley Dolan ist ihr Name."

Fakt war: Mit der Klientel einer Lokalität wie Tommy's in Verbindung gebracht zu werden konnte Shirleys Bewährungsstatus ernsthaft in Gefahr bringen.

Fakt war: Shirley war sich dessen wohl bewusst. Und sie wusste auch, dass sich Bell gerade mit einem schrecklichen Fall herumschlug, dem brutalen und anscheinend grundlosen Mord an einem pensionierten Bergarbeiter, der sich vorletzte Nacht ereignet hatte, auf der Auffahrt seines Hauses auf der Westseite von Acker's Gap. Die Stadt stand noch unter Schock angesichts dieses Verbrechens, wodurch sich eine lähmende Kälte in die warme, schlaffe Trägheit dieses Sommers inmitten der Berge eingeschlichen hatte.

Fakt war: Shirley kümmerte das alles einen Scheiß. Es war ihr egal, welche zusätzlic

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