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Blutwurz Mord in der Karpfenteichsiedlung - Ein Krimi aus der Münchner Vorstadt von Becker, Herbert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2015
  • Verlag: SüdOst Verlag
eBook (ePUB)
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Blutwurz

Franz Detterbeck kann nichts wegwerfen! Alles hebt er auf. Ständig verliert er sich in Nebensächlichkeiten oder träumt sich zurück in die Fünfzigerjahre. Er schwärmt von Italien, sitzt aber ständig auf seiner Terrasse und trinkt Weißbier. Er hat 25 Kilo Übergewicht - und ein großes Herz. Detterbeck lebt in der Karpfenteichsiedlung, am Stadtrand von München. Ausgerechnet in diesem kleinbürgerlichen Wohngebiet soll ein Haus für ehemalige Drogenabhängige eröffnet werden. Das wollen die Anwohner unter allen Umständen verhindern. Sie sehen ihre friedliche Existenz bereits von Dealern, Junkies und Kriminellen bedroht, mehr noch, sie fürchten, ihre Grundstücke könnten an Wert verlieren. Allein Detterbeck hat ein Einsehen. Vor der versammelten Siedlerschaft spricht er sich für die Einrichtung des Rehabilitationszentrums aus. Schon das nimmt man ihm übel - aber dass er sogar mit den Betreibern des Hauses redet, ist in den Augen seiner Mitbürger blanker Verrat. Plötzlich steht er außerhalb der Gemeinschaft. Nicht einmal mehr in Irmis Imbiss, dem wichtigsten Nachrichtenumschlagplatz der Siedlung, kann er sich blicken lassen. Vollends ins Abseits gerät Detterbeck, als ein Mord geschieht. Zwar war der Tote ein so halbseidener Zeitgenosse, dass ihn die Siedler erst seit seinem tragischen Ende als einen der ihren betrachten, aber umgebracht wurde er von einem aus dem Drogenhaus! Das steht für die Bewohner der Karpfenteichsiedlung ebenso fest, wie die Tatsache, dass sich Detterbeck mit drogensüchtigen Mördern gemein gemacht hat! Ihn trifft eine Mitschuld; er gehört nicht mehr in ihre Siedlung! Aber Detterbeck will nicht weg. Er hat sein ganzes Leben hier verbracht. Er kennt die Siedlung wie kein Zweiter. Vor allem kennt er die Siedler. Und so merkt er nach und nach, dass auch in dem Mordfall vieles anders liegt, als es auf den ersten Blick erscheint ...

Herbert Becker, geboren 1950, ist in München aufgewachsen. Nach einigen Jahren bei der Stadtverwaltung versuchte er sich als Hochseefischer in Irland. Schließlich holte er auf dem Zweiten Bildungsweg das Abitur nach und studierte Nordamerikanische Kulturgeschichte, Ethnologie und Philosophie. In den 80er und 90er Jahren war er als Reiseleiter in zahlreichen Ländern unterwegs. Geschrieben hat er von seinen Jugendtagen an, die ersten Veröffentlichungen erfolgten um 1980. Heute lebt er als Schriftsteller und fester freier Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks mit seiner Frau sowie zahlreichen vierbeinigen oder gefiederten Familienangehörigen im Bayerischen Wald.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 269
    Erscheinungsdatum: 01.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783866467170
    Verlag: SüdOst Verlag
    Größe: 4078kBytes
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Blutwurz

Dienstag

2

Im Garten singt eine Amsel so laut, dass Detterbeck aufwacht. Ein paar Minuten bleibt er noch liegen, aber es nützt nichts - er muss zum Pinkeln. Also schaltet er die Nachttischlampe ein, schlägt die Zudecke zurück und wälzt sich aus dem Bett. Das Gestell ächzt unter seinen zwei Zentnern-zwanzig.

Franz Detterbeck hat sein Leben lang einiges an Gewicht mit sich herumgetragen. Aber eine Schlankheitskur zu machen oder auf Diät zu gehen, wäre ihm nie eingefallen. Seit er in Rente ist, hat er gut und gern noch einmal zehn, vielleicht sogar fünfzehn Kilo zugelegt, doch das meiste machen bei ihm nach wie vor die Muskeln aus. Er ist fast eins-achtzig groß und seine Oberschenkel haben, genau wie die Arme, einen beeindruckenden Umfang. Jetzt allerdings, in der zweiten Hälfte der Sechziger, fängt er an, die Last, die er mit sich herumschleppt, zu spüren.

Fast fünfundvierzig Jahre lang hat er in der Gärtnerei Ingerl am Ostfriedhof gearbeitet, und es ist keine Übertreibung, wenn man sagt, dass er die Seele des Betriebs war. Die Arbeit war sein Hobby, und nirgendwo hat er mehr Bekanntschaften geschlossen als auf dem Friedhof. Er hat Gräber angelegt, sie im Frühjahr, im Sommer und zu Allerheiligen frisch bepflanzt, und dass ihm der Elektrokarren, mit dem er durch die Grabreihen gefahren ist, manchmal fehlt, das gesteht er nicht einmal sich selber ein.

Heute geht er nur noch auf den Ostfriedhof, um Karlas Grab herzurichten. Sie ist vor drei Jahren an einer Gehirnblutung gestorben, ganz plötzlich. Er weiß, dass er sie oft falsch behandelt hat. Ganz sicher hat sie nie etwas in die Mülltonne geworfen, um ihn zu ärgern; es war ungerecht von ihm, ihr das zu unterstellen.

Wenn er auf dem Friedhof ist, schaut er auch in der Gärtnerei vorbei. Und wenn er den ehemaligen Kollegen erzählt, wie gut es ihm geht, dann ist das keineswegs gelogen. Langeweile kennt er nicht. Er hat sein Haus, seinen Garten, ein paar Kaninchen, seinen Kater Drafi. Und er kann stundenlang mit einem Weißbier in der Hand auf seiner Terrasse sitzen, ohne auch nur einmal den Drang zum Aufstehen zu verspüren - es sei denn, er muss pinkeln. Seine Blase ist schwächer geworden. Nachts zwei, drei Mal aufzustehen, ist bei ihm die Regel.

Nachdem die Klospülung zu rauschen aufgehört und er das Fenster geschlossen hat, herrscht im Schlafzimmer Stille. Nur der Wecker tickt. Es ist fünf. Mit einem wohligen Seufzer verschwindet Franz Detterbeck unter seiner Zudecke.
3

Gerade als in Detterbecks Schlafzimmer das Licht ausgeht, betritt Frau Schleiermacher die Grünanlage zwischen den Häusern auf der Südseite des Goldfischwegs und der Wasserburger Landstraße.

Immer wenn sie Frühdienst hat, dreht sie um diese Zeit mit Burzel ihre Runde: an Franz Detterbecks braunem Jägerzaun und dem grün gestrichenen Lattenzaun der Hartls vorbei, dann rechts in die Karpfenteichstraße und nach dem Hartlschen Grundstück wieder rechts in die Grünanlage hinein.

Dort ist, genau hinter Detterbecks Garten, vor vielen Jahren ein Kinderspielplatz eingerichtet worden; er besteht aus einem kleinen Sandkasten und einer Rutschbahn. Auf der einen Seite des Sandkastens stehen nebeneinander drei Sitzbänke. Sie sind für die jungen Mütter gedacht, tatsächlich aber treffen sich dort vor allem Jugendliche zum Biertrinken und Balzen.

Burzel liebt den Sandkasten. Jedes Mal, wenn er darauf zuläuft, wird er ein wenig schneller. Er steigt hinein, schnüffelt am Rand entlang, scharrt, dreht sich ein paar Mal um sich selbst - und lässt sich dann nieder. Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass so früh jemand hier vorbeikommt, schaut Frau Schleiermacher fortwährend nach links und rechts und tritt von einem Bein auf das andere. Zu ihrem Glück ist die Sicht von der Wasserburger Landstraße her durch eine dichte Hecke versperrt.

Danach setzen die zwei ihren Weg fort. Durch die Anlage gehen sie bis zur Grellstraße und v

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