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Bronstein Sein vergessener Fall von Pittler, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.04.2019
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
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Bronstein

Während Oberst Bronstein den Mord an einem Arbeiter aufklären will, wird er auf Weisung von oben als vermeintliches 'Publikum' zum Politprozess gegen führende Oppositionelle abkommandiert. Gegenüber dem Ausland will das herrschende Regime einen Zustand der Normalität vortäuschen. Das mutige Verhalten der Oppositionellen veranlasst Bronstein, mit anderen Augen auf seinen Fall zu blicken. Er setzt alles daran, die Mordsache, anders als von der Diktatur gewünscht, wahrheitsgemäß zu lösen. Die Spur führt direkt zu den im Untergrund tätigen Nazis. Andreas Pittler wurde 1964 in Wien geboren und absolvierte dort auch seine Ausbildung. Später wandte er sich dem Journalismus zu. Seit 1985 veröffentlicht er Sachbücher, meist historischen Inhalts, sowie Biographien. Pittler ist als Historiker auch ein gern gesehener Gast in Radio und TV. Von Bundespräsident Heinz Fischer wurde er mit dem Berufstitel Professor und mit dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.

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Bronstein

Donnerstag, 12. März 1936

Beinahe ungeduldig wartete Bronstein am nächsten Morgen auf Cernys Erscheinen. Er ließ diesem kaum Zeit, sich seines Mantels zu entledigen, als er ihn auch schon mit den Gedanken konfrontierte, die ihm am Abend zuvor durch den Kopf gegangen waren. "Da passt also irgendwie gar nichts zusammen, wie du siehst", schloss er seine Ausführungen mit einem resignierten Seufzer ab, "wir müssen irgendwie ganz von vorne anfangen, fürchte ich."

Cerny setzte sich endlich. "Vielleicht sollten wir noch einmal mit dieser einen Nachbarin reden, die uns den Hinweis mit dem Wewerka Josef gab. Die scheint ja recht oft zu Hause zu sein, vielleicht hat die etwas bemerkt."

Bronstein pflichtete seinem Assistenten zu. "Vor allem scheint es im Lichte der mutmaßlichen Tatzeit doch nötig, sich einen Überblick über alle Hausbewohner zu verschaffen. Wer weiß, vielleicht war das ja gar keine politische, sondern vielmehr eine höchst private Angelegenheit, und der Täter wohnt praktisch Tür an Tür mit dem Binder."

"Richtig. Und wir sollten auch in Erfahrung bringen, wer aller über einen Haustorschlüssel verfügt", ergänzte Cerny. "Nur um sicherzugehen, dass sich nicht doch jemand von außerhalb um diese Zeit Zutritt zum Gebäude verschafft hat."

Bronstein sah ihn irritiert an. "Wozu soll das gut sein?"

Cerny zuckte mit den Schultern. "Na ja, vielleicht gibt es ja jemanden, der einen Schlüssel hat, aber nicht dort wohnt. Der Hausherr vielleicht, oder ein ehemaliger Mieter, der möglicherweise noch eine alte Rechnung mit dem Binder offen hatte." Cerny erhob sich wieder. "Oder irgendjemandem wurde sein Schlüssel jüngst entwendet, wer weiß. Jedenfalls müssen wir klären, wie viele Schlüssel es überhaupt gibt."

Bronstein stöhnte. "Das sind sicher unzählige, da brauchen wir ewig und drei Tage." Sein Mitarbeiter legte Widerspruch ein.

"Das glaube ich gar nicht. In diesen Gegenden haben eigentlich die wenigsten Mieter einen eigenen Haustorschlüssel. Das kalkulieren die Hausherren immer gleich in den Lohn der Hausmeister ein, dass sie sich diesen durch das Sperrsechserl aufbessern können. Ich würde also meinen, viel mehr als fünf bis zehn wird's nicht geben."

"Na ja, finden wir es raus", sagte Bronstein und stand nun ebenfalls auf. Während er der Fahrbereitschaft per Telefon signalisierte, dass sie einen Wagen brauchten, schnippte er mit dem Finger nach Cerny, sodass dieser sich zu ihm umdrehte. "Weißt, was mich wundert", äußerte der Oberst, nachdem er den Hörer wieder auf die Gabel gelegt hatte, "dass uns der Skubl noch gar nicht auf die Zehen gestiegen ist. Normalerweise kann es ihm ja gar nicht schnell genug gehen."

Cerny schmunzelte. "Simma froh. Der wird uns noch früh genug auf die Nerven gehen." Auch Bronstein musste nun grinsen.

"Recht hast."

Die Informantin vom Vortag hieß, wie sich die beiden Beamten nun überzeugen konnten, Glasner. Und wie erwartet war sie auch zu Hause. "Wissen S', ich bin eigentlich immer z'Haus", erklärte sie sich, "wo sollt' ich auch hin, ned wahr. Bitte, ja, einmal in der Woche geh' ich auf den Friedhof zu meinem Verewigten. Kinder hab' ich keine, also gibt's ned viel zum Tun für mich. Und brauchen tu ich ja auch nicht groß was, also geh' ich in der Früh zur Milchfrau und dann in die Trafik für meine Rätselheftln, und das war's dann auch schon. Wollen S' einen Kaffee?" Die beiden bejahten. "Eichel oder Malz?" Sie entschieden sich für zweiteres.

"Zurzeit ist es ja ziemlich ruhig in dem Haus da", erläuterte sie auf die entsprechende Anfrage Bronsteins, "aber das war nicht immer so, müssen S' wissen. Vor fünf, sechs Jahr', da haben wir da noch 26 Parteien g'habt. Und dazu noch die Hausmeisterin unten im Parterre. Da haben mehr als 100 Leut' da g'lebt. Aber seit es so mit uns bergab geht, hat sich das Haus mehr und mehr geleert."

"Wegen politischer Verwicklungen?", wollte Cerny wissen.

"Ned nur

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