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Cholera Louis von Angern ermittelt. Ein Fontane-Krimi von Angern, Wolf von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.10.2016
  • Verlag: Bild und Heimat
eBook (ePUB)
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Cholera

Berlin, 1892: Als Baron Oscar von Jouquieres, ein reicher Fabrikant und aufstrebender Politiker, von einer Geschäftsreise zurückkehrt, erkrankt er an Cholera. Er hat sich in Hamburg angesteckt, in der Hansestadt grassiert eine Epidemie. Doch dank umfassender ärztlicher Pflege wird von Jouquiere wieder gesund. Einige Tage nach seiner Genesung erleidet er einen Unfall. An seiner Kutsche bricht ein Rad. Wie durch ein Wunder bleibt er unverletzt. Nach einem Theaterbesuch trifft ihn der nächste Schicksalsschlag: Der Baron wird ausgeraubt. Es kommt zu einem Handgemenge, bei dem der Fabrikant mit einem Messer tödlich verletzt wird. Kriminalpolizei-Inspektor Louis von Angern untersucht den Raubmord. Von Anfang an hat er Zweifel, dass die Cholera-Infektion und der Kutschenunfall Zufälle waren. Er vermutet ein politisches Komplott. Theodor Fontane, von Angerns väterlicher Freund, ordnet die Indizien und erkennt schließlich die wahren Zusammenhänge, die weniger erhaben sind, als gedacht ... Wolf von Angern, Urenkel des Kriminalinspektors Louis von Angern, hat in Cholera die ihm überlieferten handschriftlichen Notizen des Polizisten in ein romanhaftes Geschehen gekleidet - ein unwiderstehliches Lesevergnügen! Wolf von Angern, geboren vor annähernd 60 Jahren in Berlin, ist als Rechtsanwalt etwas außerhalb der Hauptstadt tätig. Sein Großvater Louis von Angern war vor 1914 langjähriger Kriminalist bei der Berliner Polizei, ermittelte in Dutzenden schweren Verbrechen - und pflegte, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, eine Freundschaft zum berühmten Schriftsteller Theodor Fontane. Todeszeit ist der Auftakt einer mehrteiligen Folge von Kriminalromanen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 07.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959587266
    Verlag: Bild und Heimat
    Serie: Louis von Angern Bd.2
    Größe: 1254 kBytes
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Cholera

1. In der Morgue

Die Not lehrt beten, sagt das Sprichwort, aber sie lehrt auch denken.

Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg

HAMBURG , AUGUST 1893

Im Jahr 1893 stöhnte das Deutsche Kaiserreich über einen ungewöhnlich heißen Sommer. Seit Anfang August hatten die Tagestemperaturen permanent bei über dreißig Grad Celsius gelegen. Selbst die Nächte brachten kaum noch Abkühlung. In der Freien und Hansestadt Hamburg ging der Wasserstand der Elbe spürbar zurück. Der aufgeheizte Fluss stank faulig und modrig. Tierkadaver, Fäkalien und aller anderer nur denkbarer Unrat trieben in Richtung Cuxhaven und von dort aus weiter in die Nordsee.

Die Geruchsbelästigung nahm beständig zu. Obwohl die Hamburger durch die nur schwer zu ertragenden Miasmen des Fischmarkts und die offenen Abwassergräben einiges gewohnt waren, trauten sich viele Einwohner nur noch mit vor die Nasen gebundenen Tüchern auf die Straßen. Der Pesthauch war zwar schon unangenehm genug, aber das eigentliche Übel lag ganz woanders. Als äußerst verhängnisvoll erwies sich nämlich, dass der Pegel im Hamburger Hafenbecken bei Flut regelmäßig um knapp zwei Meter anstieg.

Diese simple Tatsache führte zu einer tödlichen Kettenreaktion: Das völlig verdreckte und inzwischen hochtoxische Wasser wurde flussaufwärts bis zur wichtigsten Wasserstation der Stadt gedrückt. Dort waren immer noch keine Filteranlagen vorhanden. Bei ihrem seit langem geplanten Bau hatte es Verzögerungen gegeben. Fest eingeplante Gelder waren einem anderen Verwendungszweck zugeführt worden. Doch nun, im glühendheißen Sommer des Jahres 1893 , hatten diese menschlichen Unzulänglichkeiten gravierende Folgen. Es gab weder ersatzweise anzapfbare Tiefbrunnen noch irgendeinen Notfallplan. Deshalb musste das Trinkwasser direkt und ungeklärt aus der Elbe in die Leitungen gepumpt werden. Anderenfalls wären große Teile der Stadt von der Wasserversorgung abgeschnitten gewesen. Die warme, eklig schmeckende Brühe bildete eine perfekte Brutstätte für die verschiedensten Keime und Krankheitserreger. Das städtische Gesundheitsamt forderte zwar die Bevölkerung mit großformatigen Anschlägen an den Litfasssäulen auf, nur noch abgekochtes Wasser zu trinken und für die Speisenzubereitung zu verwenden. Aber längst nicht alle Leute hielten sich daran.

Es kam, wie es kommen musste: Am 14 . August 1893 wurde der städtische Rinnenreiniger Albert Sahling ins Spital eingeliefert, weil er unter starkem Erbrechen und Diarrhöe litt. Seine Ausleerungen waren dünnflüssig, beinah farblos und schleimig. Sie erinnerten an Reiswasser oder Mehlsuppen. Das ließ auf Geschwüre des Dickdarms, Tuberkulose, Typhus oder Cholera schließen. Der Kranke wirkte stark benommen. Er befand sich in einem stadium asphycticum mit minimalem Pulsschlag und subnormaler Köpertemperatur. Stunde um Stunde schüttelten ihn immer stärker werdende Krämpfe. Weil die Ärzte die genaue Ursache noch nicht kannten, konnten sie ihm kein geeignetes Gegenmittel verabreichen. Die einzige Möglichkeit bestand in dem Versuch, die lebensbedrohlichen Symptome zu lindern: Um die Durchfallneigung zu vermindern, wurden dem städtischen Arbeiter Klistiere verabreicht. Sie enthielten Tannin als kräftiges adstringierendes Mittel. Gegen den starken Flüssigkeitsverlust verordneten die Doktoren regelmäßige intravenöse Infusionen von physiologischen Kochsalzlösungen. Den eigentlichen Kampf mussten die körpereigenen Abwehrkräfte ausfechten.

Doch der erhoffte Erfolg blieb aus. In der Nacht zum 15 . August verschied Albert Sahling. Sein ausgemergeltes Gesicht hatte sich blaugrau verfärbt und war faltig geworden. Die Augen lagen tief in ihren schwarzumrandeten Höhlen.

Die Ärzte wussten zwar immer noch nicht genau, woran sie eigentlich waren, aber sie befürchteten das Schlimmste. Gleichwohl v

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