text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Cold Water Thriller von McKinty, Adrian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2019
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Cold Water

Umzugswagen, Umzugshelfer, Eltern, die im Weg rumstehen, glückliche Freundin, glückliche Tochter, entsetzte Katze kurz vor dem Kollaps - der katholische Bulle Sean Duffy verlässt seine evangelischen Nachbarn in Carrickfergus, lässt das Pulverfass Nordirland hinter sich. Die 80er sind vorbei, nun heißt es, auf die 90er hoffen, sich mit den Nachbarn in Schottland arrangieren - und schnell noch einen Mord aufklären.
Bevor Detective Sean Duffy sich aus dem aktiven Dienst verabschiedet und die letzten Jahre bis zur Frührente als Reservist und Verbindungsmann eines Spitzels runterreißen kann, muss er noch seinen allerletzten Fall lösen: Ein junges Mädchen ist verschwunden, leider keine Seltenheit im Nordirland am Rande der Neunziger. Ihr Auto wird in einem Fluss gefunden, doch von dem Mädchen gibt es keine Spur - wahrscheinlich wurde ihre Leiche von der Strömung weggetrieben. Eine Liste mit drei Männernamen taucht auf, alle drei standen in zweifelhaftem Kontakt zu der Vermissten. Und sie sind bei Weitem nicht die einzigen Verdächtigen ... Adrian McKinty, geboren 1968 in Belfast, zählt zu den wichtigsten nordirischen Krimiautoren. Nach einem Philosophiestudium an der Oxford University verschlug es ihn nach New York und Denver, wo er verschiedenste Jobs annahm, vom Barkeeper bis zum Rugbycoach. Nach einigen Jahren in Melbourne, Australien, lebt der preisgekrönte Autor und Journalist mit seiner Familie heute wieder in New York.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 390
    Erscheinungsdatum: 17.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518761694
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: The Detective Up Late
    Größe: 2661 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Cold Water

Vorspiel in Es-Dur:
Sean Duffy im Jahr null

Die Nacht schlängelt sich über den Horizont im Osten.

Eine verborgene Sonne versinkt in einem fremden Meer.

Der Nebel riecht nach Rost und Fäulnis wie ein altes Fahrrad.

Das Boot, dessen 25-cm 3 -Motor kaum die Schraube dreht, gleitet über das unsichtbare Wasser. Belfast bedeutet auf Irisch Schwarzer Mund , und wir befinden uns in der Kehle der Stadt, wo der River Lagan vom Lough erstickt wird.

Putt, putt, putt macht der kleine Außenborder. Der Constable im Bug fährt mit einer Xenonlampe hin und her, während ich das Boot durch das graue Zwielicht steuere. Der Abend bricht herein, dabei ist es noch nicht mal drei Uhr nachmittags.

Wir sind auf der Suche nach einer Leiche. Das Mädchen wurde zuletzt gesehen, wie es an der Queen's Bridge herumlungerte, und ist nirgendwo zu finden.

Wir gleiten durch das dunkle Wasser, dessen Oberfläche unter einem dünnen Ölfilm und einer Algenschicht verborgen liegt. Der gelbe Schein der Lampe, der durch die Dunkelheit oszilliert, enthüllt nichts.

Constable Cathcart ist ein ernster, nervöser junger Mann, der nicht in der Stimmung ist für ein Gespräch, aber das passt mir gut.

Von hier aus wirkt Belfast verlassen - Land und Wasser vermischen sich an der Mündung - wie nach der Sintflut. Eine Stadt in Doggerland oder Herakleion oder Atlantis.

Eine Schar zeternder Silbermöwen fliegt vor uns davon und landet auf dem schmierigen Deck der HMS Caroline , eines kleinen Kreuzers aus dem Ersten Weltkrieg, der schon so lang am Dock festgemacht ist, dass er nun das zweitälteste Schiff in der gesamten Royal Navy ist. (Das älteste ist natürlich die HMS Victory in Portsmouth.)

Die Stille breitet sich aus. Der Geruch von moderndem Holz weht von der verfallenden Titanic- Werft herüber.

Belfast lauert in der Nacht, hat sich in schwarze Dunkelheit gehüllt, wirkt so schweigsam und mürrisch und schroff wie seine Bewohner. Selbst der Gazelle-Helikopter, der unentwegt über der Falls Road schwebt, wirkt gedämpft, müde und weit, weit weg.

Ruhig ist das Wasser. Ruhig ist der Himmel. Ruhig ist die Stadt.

Doch unter der Oberfläche der sichtbaren Welt liegt eine andere aus Familienkämpfen und Blutfehden und Tod. Eine ältere Ordnung uralter Gesetze und Verpflichtungen, Sitten, die zurückreichen bis zu den Schritten der ersten Menschen durch die Steppen des Great Rift Valley in Afrika.

Ich steuere das Boot die Piers und Anlegestege entlang, überall dort vorbei, wo ich vermute, dass eine Leiche angespült werden könnte. Pommestüten, Zeitungen, Coladosen, Bierdosen, aber nichts Sachdienliches.

"Mir ist kalt", sagt Constable Cathcart schließlich. "Können wir zurückfahren?"

Obwohl wir denselben Rang bekleiden, fragt er mich, weil ich der ältere von uns beiden bin. Außerdem ist das alles hier - das Boot, die Taschenlampe, die Suche - eine rein formelle Angelegenheit. Seit drei Stunden zieht sich das Meer zurück, eine Leiche wäre jetzt schon meilenweit draußen auf See.

Dennoch würde eine so frühe Rückkehr pietätlos und unprofessionell wirken.

"Wenn Ihnen kalt ist, setzen Sie die Kapuze auf", sage ich zu ihm.

Das tut er, was sein Sichtfeld auf etwa dreißig Prozent beschränkt.

Ich lenke das namenlose Boot der Royal Ulster Constabulary in die tiefe Fahrrinne.

Ein Strandläufer erhebt sich mit einer im Schnabel zappelnden Krabbe aus dem Trüben. Er fliegt direkt durch den Lichtstrahl der Lampe, und Cathcart erschreckt sich.

Die tiefe Fahrrinne ist viel zu unruhig für das kleine Boot, und Wasser dringt über die Dollborde. Wir sitzen hier draußen in Uniform, ohne Rettungsweste, dafür in Panzerung, und sollten wir über Bord

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen