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Das Bestiarium von Mähren Historischer Kriminalroman von Vondruska, Vlastimil (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.01.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
6,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 31.01.2019 per Download lieferbar

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Das Bestiarium von Mähren

Im Wald nahe des mährischen Dorfes Schoschuwka wird eine Tote mit aufgerissener Kehle gefunden, und sie ist nicht die erste. Die Dorfbewohner sind überzeugt, dass einer unter ihnen sich des Nachts in einen Werwolf verwandelt und arglose Frauen tötet. Bald wird der Müller Heralt verdächtigt und von den aufgebrachten Dorfbewohnern umgebracht. Doch das Morden nimmt kein Ende - bis der königliche Prokurator Ulrich von Kulm und sein Knappe Otto sich auf die Jagd nach der Bestie begeben. Vlastimil Vondru?ka, geboren 1955, hat in Prag Geschichte und Ethnologie studiert. Danach arbeitete er im Nationalmuseum und betrieb gemeinsam mit seiner Frau eine Werkstatt zur Nachbildung von historischem Glas. Heute widmet er sich ganz dem Schreiben und hat neben zahlreichen wissenschaftlichen Werken über dreißig Historische Romane veröffentlicht. Mit einer Gesamtauflage von einer halben Million Exemplaren gehört er zu den erfolgreichsten Autoren Tschechiens. Besonders beliebt ist die Serie um Ritter Ulrich von Kulm und seinen Knappen Otto.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 366
    Erscheinungsdatum: 31.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732561445
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Olomoucký bestiár
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Das Bestiarium von Mähren

I. KAPITEL

Es war ein warmer, heller Abend im Frühsommer. Schon seit Tagen schien die Sonne, und am Himmel war kein einziges Wölkchen zu sehen. Die Dörfler, die auf den gerodeten Waldlichtungen rings um Burg Hohlenstein lebten, waren zufrieden, denn alles deutete darauf hin, dass Gott ihnen dieses Jahr eine besonders gute Ernte schenken würde. Und sie fanden, dass sie die nach den vielen Jahren der Entbehrungen auch verdient hatten. Den Wald abzuholzen und in urbares Land zu verwandeln war harte Arbeit gewesen. Als sie vor fünfzehn Jahren mit ihrem Burgherrn Zirro in die Hügel des Drahaner Berglands gezogen waren, hatten sie nicht geahnt, welche Notzeiten auf sie zukommen würden. Doch das lag nun hinter ihnen. Jetzt hatten sie ihre kleinen Häuser, und auf den Feldern färbte sich das Getreide golden.

Zirro von Hohlenstein war kein schlechter Herr, und gewiss war er besser als Idik von Schwabenitz, der nicht weit entfernt auf Burg Blanseck residierte und im Namen des Bischofs von Olmütz mehrere Dörfer im Flusstal der Zwitta verwaltete, ein Gebiet, das vom alten Herrschaftssitz Blanz bis fast nach Boskowitz reichte. Während Burggraf Idik die Kirche vertrat, forderte Zirro von seinen Untertanen keine allzu große Frömmigkeit. Auch machte er ihnen hin und wieder Zugeständnisse, etwa indem er sie in den tiefen Wäldern lehensfrei Holz schlagen ließ. Die Hänge des Berglands waren so dicht bewaldet, dass er es ohnehin nicht bemerkt hätte, wenn sie heimlich gerodet hätten.

Schon seit dem Mittag zogen die Männer von Schoschuwka mit zwei Paar Ochsen Baumstämme aus dem Wald, säuberten sie von Ästen und hackten sie zu groben Scheiten, um einen hohen Holzstoß aufzuschichten. In Mähren war es Brauch, zur Sommersonnenwende große Feuer zu entfachen. Der frühere Pfarrer von Schoschuwka hatte den Dörflern zwar mit ewiger Verdammnis gedroht - alles, was an heidnische Zeiten erinnerte, war ihm ein Dorn im Auge -, doch der neue Pfarrer Hilarius begnügte sich mit der Ermahnung, dass am Tag der Sonnenwende Johannes der Täufer geboren sei, weshalb es das Andenken des Heiligen nicht nur mit frommem Gebet, sondern auch mit einer feierlichen Messe zu ehren gelte. Und Zirro von Hohlenstein, der nicht auf Ärger mit der bischöflichen Nachbarschaft erpicht war, behauptete, seine Untertanen würden die Feuer zu Ehren Johannes' des Täufers abbrennen. Er wusste zwar gut, dass das nicht stimmte, aber Bruno von Schauenburg, der sich breitmachende Bischof von Olmütz, bereitete ihm schon genug Scherereien, da wollte er sich nicht wegen einer Belanglosigkeit wie ein paar Feuern noch weiteren Verdruss zuziehen. Hätte er seinen Untertanen die Sonnenwendfeuer verboten, hätten sie ihm doch nicht gehorcht.

"Wir müssen den größten Haufen errichten", keuchte der Dorfschulze Dippold, der mit einem riesigen Holzscheit in den Armen oben auf dem Stoß balancierte. In Schoschuwka entzündete man das Feuer auf der Anhöhe hinter dem Dorf, damit es von fern zu sehen war.

"Unserer ist immer der größte", erwiderte Hubatsch mit Stolz in der Stimme. Der dicke Bauer besaß einen ansehnlichen Hof am Dorfrand und wurde von den anderen beneidet, weil er vier Söhne hatte und daher ganz anders wirtschaften konnte als sie.

Vom Waldrand her tauchten die Jungochsen mit zwei weiteren Baumstämmen auf. Der von der Arbeit verschwitzte Kresta schnallte die Stämme ab und tätschelte den Tieren freundlich den Kopf. Die Ochsen wandten ihm ihre tiefschwarzen Augen zu, als wollten sie ihn fragen, ob sie umkehren und noch mehr Holz holen sollten. Das brachte Kresta zum Lachen. Er rief dem Dorfschulzen zu, dass es nun wohl genug sei.

Bevor Dippold etwas darauf antworten konnte, ertönte hinter ihnen lautes Geschrei, und im nächsten Moment tauchte Hubatschs Sohn Mikesch aus dem Unterholz auf. Wie alle Männer im Dorf trug er lediglich ein Leinengewand mit einem groben Strick um die Taille. "Der Werwolf!", schrie er, während er auf

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