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Das Erbe der Loge Roman von Buthe, Hef (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.03.2009
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Das Erbe der Loge

Der Zufall fördert einen seltsamen Fund zutage: eine Munitionskiste aus der Nachkriegszeit, eingemauert in luftiger Höhe am Kölner Dom. Darin ein Beutel mit Rohdiamanten, ein Satz Tarotkarten, ein in Leder gebundenes Buch in hebräischer Schrift mit einem Messingdreieck auf dem Einband und ein Bündel Soldbücher aus dem Zweiten Weltkrieg. Als dann noch ein Mord an einem Lokalpolitiker geschieht, bei dem mysteriöserweise eine dieser Spielkarten auftaucht, wittert Peter Stösser, altgedienter und mit allen Wassern gewaschener Zeitungsreporter, die Story seines Lebens. Doch als er bei der Rückkehr in seine Wohnung eine Tüte vor der Tür findet, in der ein Hahn mit abgeschnittenem Kopf vor sich hinblutet, wird ihm langsam unheimlich zumute ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 369
    Erscheinungsdatum: 17.03.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838700403
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1680 kBytes
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Das Erbe der Loge

2

Da ich fest darauf gesetzt hatte, dass mein Artikel irgendeinen Hinweis oder zumindest eine Reaktion aus der Leserschaft provozieren würde, die mir einen Weg weisen konnten, hatte ich am Montag Mühe, meine Enttäuschung zu unterdrücken.

Als sei der Artikel nicht erschienen, fehlte jede Art von Rückmeldung.

Wenn sonst spektakuläre Funde gemeldet wurden, fühlten sich Fachleute wie Hobby-Forscher bemüßigt, in ellenlangen Leserbriefen ihr Wissen kundzutun. Auf diesen Kasten rührte sich nichts. Als habe sich plötzlich die gesamte Leserschaft entschlossen, diesen Fund nicht zur Kenntnis zu nehmen.

"Wir sind hier auf etwas gestoßen, was Köln nicht wissen will ...", folgerte der Chefredakteur, der sich auch nicht erinnern konnte, jemals einen solchen Mangel an Resonanz erlebt zu haben. "Selbst unsere Mitbewerber halten den Atem an", fügte er kopfschüttelnd hinzu.

Das gab mir noch mehr zu denken. Normal war, dass sich die Zeitungsverlage sofort untereinander kurzschlossen, wenn einer von uns etwas veröffentlichte, was der andere nicht hatte. So wurden auch schon mal Fotos gegen einen kleinen Kostenbeitrag ausgetauscht. Aber hier geschah absolut nichts.

Wussten die da draußen mehr als ich und duckten sich vor der Vergangenheit?

Der alte Munitionskasten sorgte für eine überzogene Länge der Montagskonferenz und begann langsam mehr kreative Köpfe zu binden, als mir das alles wert schien. Eine Vermutung meiner Kollegen jagte die andere. Aber es waren eben keine Fakten und blieben Vermutungen, die nicht für eine Veröffentlichung geeignet waren.

Die Sekretärin reichte einen Zettel herein, den der Chefredakteur kurz überflog und mir weiterschob.

"Das ist doch dein Klient? Mach dich auf die Socken, bevor die Polizei die Finger darauf hat."

Der Name auf dem Zettel reicht aus, um aus meinem Übergewicht einen Hundert-Meter-Sprinter werden zu lassen.

Wenn die Uhrzeit auf der Meldung stimmte, dann hatte ich mit meiner Stadtkenntnis einen Vorsprung von zehn Minuten, bevor Polizei und Staatsanwaltschaft den Unfallort absperrten. Auch der möglicherweise nötige Rettungswagen konnte nicht vorher da sein.

Aber es war wie immer, wenn man es besonders eilig und kein Blaulicht auf dem Dach hat.

Mutter versucht, einen Hund mitten auf der Straße zu bändigen, der einen umgestürzten Kinderwagen hinter sich her zieht; Opa würgt seinen Wagen an jeder Kreuzung ab, der Müllwagen ist heute doppelt so breit; die Schule ist gerade aus und spuckt Hunderte von Kinder über die Straße.

Aus den zehn Minuten Vorsprung waren zwanzig Minuten Verspätung geworden. Alles, was an Blaulicht in dieser Zeit einsatzbereit gewesen war, schien sich vor dem Grundstück zu versammeln.

Langsam ließ ich meinen zehn Jahre alten, immer dreckigen Golf auf den Gehsteig rollen und überlegte, wie ich auf das Gelände kommen konnte.

Die Wohngegend zählte zu denen, in der es sich die Leute leisten konnten, das Gelände eingeschossig zu bebauen, um dann immer noch einen Gärtner beschäftigen zu müssen, der die restlichen fünftausend Quadratmeter pflegt.

Ein Zivilwagen hielt neben mir, und das Fenster fuhr herunter.

"Ich hoffe, Sie haben ein gutes Alibi", brummte der ältere Herr auf dem Beifahrersitz und zog die weißen Augenbrauen hinter der starken Brille hoch.

Mein Glück schien mich nicht ganz verlassen zu haben. Hauptkommissar Kögel gehörte der aussterbenden Rasse von Beamten an, die die Presse nicht als Aasgeier betrachtete, sondern wusste, dass eine faire Zusammenarbeit zu beiderseitigem Vorteil sein konnte.

"Los steigen Sie ein&la

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