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Das Flüstern Thriller von Brandhorst, Andreas (eBook)

  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Das Flüstern

Der achtjährige Nikolas überlebt wie durch ein Wunder einen schweren Verkehrsunfall, bei dem seine Eltern ums Leben kommen. Er müsse einen Schutzengel gehabt haben, sagen die Retter. Und als er eine geheimnisvolle, wispernde Stimme hört, glaubt Nikolas selbst bald daran, dass da jemand, oder etwas, ist, um ihn zu beschützen. Er gerät an ein mysteriöses Institut in der Schweiz, in dem Kinder mit besonderen Begabungen erforscht werden. Da lernt er die junge Sonja kennen und gemeinsam schmieden sie Fluchtpläne. Doch als die Forscher den unsichtbaren Begleiter Nikolas mit aller Macht ins Licht zwingen wollen, kommt es zur Katastrophe. Und Nikolas muss sich einer furchtbaren Wahrheit stellen ... Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, schrieb mit seinen futuristischen Thrillern und Science-Fiction-Romanen wie 'Das Schiff' und 'Omni' zahlreiche Bestseller. Spektakuläre Zukunftsvisionen sind sein Markenzeichen. Der SPIEGEL-Bestseller 'Das Erwachen' widmet sich dem Thema Künstliche Intelligenz. Sein aktueller Wissenschaftsthriller 'Ewiges Leben' zeigt Chancen und Gefahren der Gentechnik auf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 700
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492994194
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 7268 kBytes
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Das Flüstern

Abschied

2 Als Nikolas schlief, träumte er wieder von der Tür. Mal war sie groß und rund, bei anderen Gelegenheiten klein und quadratisch, wie eine Katzenklappe in leerer Luft. Oft verbarg sich die Tür im Schatten, und er musste aufmerksam Ausschau halten, um sie zu bemerken. Einmal hatte er sie auch im hellen Sonnenschein gesehen, bei einem Blinzeln am richtigen Ort und zur richtigen Zeit. Wenn er sich der Tür zu nähern versuchte, wurden die Beine schwer, oder sie steckten plötzlich in unsichtbarem Morast, in dem sie kaum mehr vorankamen.

Er hätte gern herausgefunden, was sich hinter ihr verbarg, doch bisher war es ihm noch nie gelungen, sie zu erreichen. Er schaffte es auch diesmal nicht - eine Hand weckte ihn.

Sie legte sich ihm auf die Schulter, die Hand eines Großen, und Nikolas fühlte das Zögern in ihr, als fürchtete der Große, er könnte sich anstecken. So waren die Großen manchmal. Sie hielten ihn für krank, und etwas in ihnen, ein tief verwurzelter Instinkt, glaubte an die Möglichkeit einer Infektion.

"Nikolas?"

Er öffnete die Augen.

Die Hand wich von seiner Schulter.

"Er sieht mich an", stellte der neben dem Bett stehende Mann fest. "Sie haben doch gesagt ..."

"Es liegt eine Beeinträchtigung beim Empfangen und Senden nicht sprachlicher Signale vor", erwiderte jemand, die Stimme einer Frau. "Aber es ist kein klassisches Asperger-Syndrom. Wir wissen noch nicht genau, wie wir ihn klassifizieren sollen."

"Empfangen und Senden", wiederholte der Mann. "Das klingt nach einem Apparat. Du bist kein Apparat, oder?"

Nikolas starrte stumm. Er wusste nicht, was er von diesem Mann halten sollte. Sein Gesicht war weich und freundlich, aber die grauen Augen passten nicht dazu; ihr Blick war so scharf wie die Klingen von Messern.

"Geht er zur Schule?", fragte der Mann.

"Er ist älter, als er aussieht", sagte die Frau. "Im Januar ist er acht geworden. Er besucht eine Sonderschule." Sie trug einen weißen Kittel. Eine Krankenschwester oder Ärztin, dachte Nikolas. Offenbar hatte man ihn in ein Krankenhaus gebracht. Wieso befand er sich in einem Krankenhaus, wenn er unverletzt war, wie der Große in der Nacht gesagt hatte? Arme und Beine taten nicht mehr weh, und auch der Bauch fühlte sich normal an. Nur hinter seiner Stirn klopfte ein kleiner Hammer auf einen geistigen Amboss. Das Bild gefiel ihm. Er stellte sich einen kleinen Mann vor, gerade groß genug, um in seinen Kopf zu passen. Er stellte sich vor, wie der kleine Mann mit seinem kleinen Hammer ausholte und ihn auf einen Amboss schlug, der aus Gedanken bestand.

Nikolas lächelte.

"Er lächelt", sagte der Mann. "Warum lächelt er?"

"Vielleicht gefallen Sie ihm."

Nikolas hörte in der Stimme etwas, das den Worten widersprach. Die Krankenschwester oder Ärztin scherzte. Er hatte gelernt, so etwas zu erkennen.

Der Mann brummte. "Kann er mich verstehen? Ich meine ..."

Die Frau seufzte. "Ich weiß, was Sie meinen. Ja, er kann Sie verstehen."

"Die Angehörigen sind verständigt?"

"Ich habe vor zehn Minuten mit ihnen telefoniert. Sie sind unterwegs."

"Der Bruder des Opfers und seine Frau", sagte der Mann.

"Nicks Onkel und Tante, ja."

"Nick", sagte der Mann. "Das ist sein Spitzname?"

"So nennen ihn seine Freunde."

Ein Name fiel Nikolas ein. Anna Gentile. Doktor Anna. Natürlich. Namen bereiteten ihm manchmal Probleme, aber diesen Namen hätte er sofort mit der Stimme in Verbindung bringen müssen. Anna, deren italienischer Nachname "Freundlich" bedeutete. Sie kannten sich seit den ersten Arztbesuchen vor langer, langer Zeit.

"Wann sind Onkel und Tante hier?", fragte der Mann mit den Messern in den Augen.

"In einer halben Stunde."

"Das sollte genügen", sagte der Mann. "Lassen Sie mich mit dem Jungen allein."

"Ich kenne ihn", erwiderte die freundli

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