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Das Floriansprinzip Krimi von Gablé, Rebecca (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.11.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Das Floriansprinzip

Wenn Giftmüll zur gefährlichen Waffe wird ...

'Heiliger Florian, verschone mein Haus, zünde lieber das Dach meines Nachbarn an.' Nach diesem Prinzip entsorgt die Wohlstandsgesellschaft ihren Müll in der Dritten Welt. Als Mark Malecki einen Versicherungsbetrug aufklären will, stößt er auf einen Müllschieberring, der mit illegaler Abfallbeseitigung Millionen verdient und skrupellos jeden 'entsorgt', der die Geschäfte gefährdet. Dann geschieht ein Mord, und Malecki erkennt zu spät, dass Giftmüll auch eine tödliche Waffe sein kann ...

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Rebecca Gablé studierte Literaturwissenschaft, Sprachgeschichte und Mediävistik in Düsseldorf, wo sie anschließend als Dozentin für mittelalterliche englische Literatur tätig war. Bevor sie mit ihren historischen Romanen die Bestsellerlisten stürmte, schrieb sie vier Kriminalromane, die nun erstmals als eBook veröffentlicht wurden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 01.11.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732535484
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1768 kBytes
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Das Floriansprinzip

1

S ie will, dass ich mir die Haare abschneiden lasse."

"Ah ja?"

"Hm."

Gleißendes Sommerlicht fiel durchs Fenster und die offene Tür herein, Staubkörnchen wiegten sich träge darin. Es roch nach Öl. Über unseren Köpfen drehte sich der Ventilator, aber sogar er wirkte schlapp, und man spürte eigentlich keinen Hauch.

"Sie sagt, wenn ich mir die Haare abschneiden lasse, kauft sie mir ein Moped."

"Tja. Was für Geschäfte du mit deiner Mutter machst, ist allein deine Sache, Daniel."

Das sah ihr doch wirklich ähnlich. Im Grunde genommen war sie immer schon ein erpresserisches Miststück gewesen. Es stand derzeit nicht gerade zum Besten zwischen meiner Exfrau und mir, und während der vielen, einsamen Stunden in meiner Werkstatt vertrieb ich mir manchmal die Zeit damit, mich daran zu erinnern, was sie mir alles Grässliches angetan und wie unerschrocken ich alldem die Stirn geboten hatte. Ich kam jedes Mal zu der Erkenntnis, dass ich mich glücklich preisen konnte, dass sie ihren Hintern schließlich in das Bett ihres Tennistrainers gelegt hatte, und dann lächelte ich wie einer, der mit knapper Not einen Schiffbruch überlebt hat.

Ich machte mir ein Bier auf. "Was gefällt ihr nicht an deinen Haaren?"

"Sie sagt, ich seh aus wie ein trauriges Überbleibsel aus längst vergangenen Tagen. Und sie sagt, ich seh aus wie du vor zwanzig Jahren."

"Vor zwanzig Jahren kannte sie mich überhaupt noch nicht. Sag ihr, wenn sie gelegentlich mal wieder die Augen aufmacht, wird sie feststellen, dass die Welt sich ein gutes Stück weitergedreht hat, seit sie zuletzt hingesehen hat."

Ich fragte mich verdrießlich, ob's ihr lieber wäre, er würde sich den Schädel rasieren und in Springerstiefeln rumlaufen. Ich betrachtete ihn verstohlen. Morsche, mit System zerfetzte Jeans, ein ärmelloses T-Shirt undefinierbarer Farbe, Ohrring, Lederarmbänder, nichts Besonderes. Für meinen Geschmack sah er völlig in Ordnung aus. Vielleicht hatte sie recht, vielleicht schmeichelte es mir, dass er mit seiner Erscheinung das gleiche rebellische Statement abgab wie ich in seinem Alter. Aber was immer seine Gründe sein mochten, ich hatte ihn ganz sicher nicht dazu verleitet, denn ich wusste inzwischen, dass das letztlich nur ein schwaches, bedeutungsloses Aufbäumen war. Trotzdem hätte ich nicht übel Lust gehabt, es ihm gleichzutun und mir die Haare noch mal wachsen zu lassen. Aber einem Typen von beinah achtunddreißig kauft das ja keiner mehr ab. Und ich wollte lieber nicht wissen, was Goldstein dazu zu sagen hätte. Zwischen Goldstein und mir stand es auch nicht zum Besten, und ich hatte nichts zu verschenken.

"Könntest du mal eben mit anfassen?"

Er stieg über das Werkzeug, das am Boden verstreut lag, und hielt die weiße Ledersitzbank fest, so dass ich sie festschrauben konnte. Das war eins der tausend Dinge, für die man wenigstens drei Hände brauchte.

"Ich weiß nicht, was ich machen soll. Haare wachsen wieder. Und ich brauche ein Moped. Aber irgendwie ..."

"Ich sag dir was, Daniel. Wenn ich zwölftausend für dieses Motorrad hier kriege - und das werd ich -, dann kauf ich dir ein Moped. Spätestens von dem nächsten. Ohne Bedingungen. Ich misch mich ja sonst nicht ein, ich bin ja nicht lebensmüde, aber das geht einfach zu weit ..."

Er reichte mir eine Schraube an. "Letzte Woche hast du gesagt, wenn du die Harley gut verkauft kriegst, fliegen wir in Urlaub."

"Tun wir."

"Aber in der Küche liegt ein Brief von der Bank. Und der sieht haargenau so aus wie die Briefe, die dich höflich dran erinnern, dass du die Hypothek nicht bezahlt hast."

Die Sitzbank saß fest. Ich trat einen Schritt zurück und betrachtete mein Werk. Was vor drei Wochen noch als stumpfes, räderloses Skelett in der Garage eines gichtgeplagten Altrockers gestanden hatte, sah beinah schon wieder aus wie eine Harley Davidson Heritage, Baujahr 91, ein chromblitzender Aug

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