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Das Geheimnis der Grays Kriminalroman von Meredith, Anne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.09.2018
  • Verlag: Klett-Cotta
eBook (ePUB)
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Das Geheimnis der Grays

England 1931, ein verschneites Landhaus am Weihnachtsabend, eine zerstrittene Familie, ein Mord. Wer tötete Adrian Gray? Ein psychologischer Kriminalroman in der Tradition von Agatha Christie. Im Original 1933 erschienen und nun erstmals auf Deutsch. Jedes Jahr im Dezember lädt das ebenso greise wie geizige Familienoberhaupt Adrian Gray die gesamte Verwandtschaft samt Anhang in sein abgelegenes Landhaus King's Polar ein. Und alle kommen, weil sie auf sein Geld aus sind, obwohl fast jeder einen Grund hat, ihn zu hassen. An Heiligabend versammelt sich die Familie wie gewohnt, nur dass am nächsten Morgen Gray ermordet aufgefunden wird. Hat sich eines seiner sechs Kinder seinen Weihnachtswunsch selbst erfüllt? Dieser nostalgische und ungewöhnliche Kriminalroman erzählt die Geschichte einer dunklen Weihnachtsnacht. »Mitreißend und beeindruckend« Dorothy L. Sayers

Anne Meredith, ist das Pseudonym von Lucy Beatrice Malleson (1899 - 1973). Sie war eine hochangesehene britische Krimiautorin und Mitglied des berühmten und exklusiven Detection Club, dem unter anderem Agatha Christie und Dorothy L. Sayers angehörten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 22.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608115024
    Verlag: Klett-Cotta
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Das Geheimnis der Grays

3. RICHARD
I

Am Morgen des vierundzwanzigsten Dezembers 1931, der so tragisch enden sollte, fuhren Richard Gray und seine Frau Laura erster Klasse nach King's Poplars. Nach langem Schweigen ließ Richard die Times sinken, hob sein hochmütiges, melancholisches Gesicht und sagte in einem Ton so kalt und glatt wie ein Messingtürgriff: »Laura, vergiss um Gottes willen nicht, wie dein Vater über die Zölle denkt. Es ist von größter Wichtigkeit, dass er sich nicht aufregt, bevor ich Gelegenheit habe, die Lage mit ihm zu erörtern. Du weißt ja, wie er sich bei diesen politischen Meinungsverschiedenheiten ereifert.«

Richard sprach stets so, als hätte er einen Reporter in der Westentasche.

Laura, eine hochgewachsene, hübsche und sehr gut gekleidete Frau, sagte leichthin: »Du kannst dich auf meine Diskretion verlassen. Ich weiß selbst, wie wichtig es ist, dass er sich nicht aufregt. Schließlich liegt mir genauso viel an einem Titel wie dir daran, mir einen zu kaufen.«

Richard runzelte die Stirn und wandte sich wieder seiner Zeitung zu. Er fand die Äußerung seiner Frau geschmacklos. Laura war eine seiner weniger profitablen Investitionen. Als junger Mann, noch vor Abschluss seines Studiums, hatte er beschlossen, sein Leben zu einem Erfolg zu machen. Er hatte hart gearbeitet und sich einen großen Bekanntenkreis zugelegt, er war gereist und hatte sehr viel gelesen, hatte sich beigebracht, Golf zu mögen, und nasse Nachmittage lang einem Ball nachgeschaut, der unentwegt über glitschigen Rasen geschlagen wurde; in gewissen Kreisen hatte er sogar Geld bei Pferdewetten verloren. Mit dem Ergebnis, dass er sich innerhalb von zehn Jahren einen Ruf erworben hatte. Er hatte eine politische Karriere in Angriff genommen und wurde schon bald mit Ehrungen überhäuft. Stolzgeschwellt und voller Ehrgeiz erweiterte er seinen Bekanntenkreis, und mit dreißig lernte er Laura Arkwright kennen. Sie war drei Jahre jünger als er, hübsch, eine gute Partie, sie hatte eine einflussreiche Verwandtschaft, war gebildet, weltläufig und eine bekannte Amateurpianistin. Mit einem Wort: Sie war in jeder Hinsicht die passende Ehefrau für einen aufstrebenden Parlamentarier.

Richard, hochzufrieden mit seinem Weitblick, erwartete sich von diesem neuen Fühler, den er ausgestreckt hatte, eine Bereicherung seines Lebens. Doch er wurde in fast jeder Hinsicht bitter enttäuscht. Das Vermögen seiner Frau schmolz durch unkluge Spekulation weitgehend dahin. Schon recht bald nach der Heirat gab sie ihr Klavierspiel auf, aus dem erstaunlichen Grund, dass sie etwas gegen kommerzielle Kunst habe. Darüber sann Richard einige Zeit nach - er war schon genau wie sein Vater -, dann trieben ihn Kränkung und Neugier dazu, sie zu fragen, was sie damit meine. Sie meine, antwortete Laura obenhin, dass sie seinen Freunden nicht mehr vorspielen wolle und dass ihr schon immer die schönen Hunde leidgetan hätten, die bei Wettbewerben zur Schau gestellt würden - auch dies eine kryptische, absurde Äußerung, die Richard nicht verstand. Doch er hatte genug davon, um Erklärungen zu bitten, und griff zu anderen Mitteln, um sein Missfallen kundzutun.

Seine größte Enttäuschung aber war, dass keine Kinder kamen. Er hatte Söhne gewollt, später vielleicht eine Tochter oder zwei, denn Töchter, obwohl an sich nichts Besonderes, konnten ihrem Vater durch Heirat vorteilhafte Verbindungen verschaffen. Doch Richard und Laura hatten nie die Ängste und Hoffnungen junger Paare erlebt. Richard gab natürlich seiner Frau die Schuld; manchmal, in vertrauter männlicher Runde, wenn er sich hinreichend verletzt fühlte, bekannte er, dass sie frigide sei. Es überraschte ihn immer wieder, wie viele wichtige Leute Wert darauf legten, mit ihr in Kontakt zu bleiben, auch noch, nachdem sie ihr Vermögen verloren hatte; er vermutete jedoch, sie seien sich darüber im Klaren

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