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Das Gesetz des Wassers Ein Tanner-Kriminalroman von Schaub, Urs (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.06.2013
  • Verlag: Limmat Verlag
eBook (ePUB)
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Das Gesetz des Wassers

Aberwitzige Verbrechen in atemberaubender Landschaft - erneut lässt Urs Schaub den charismatischen Tanner auf Spurensuche gehen: Simon Tanner, der vor Jahren den Polizeidienst quittiert hat, stolpert unerwartet in einen komplizierten Mordfall. Ein Japaner stirbt in einem zwielichtigen Etablissement, seine Leiche verschwindet auf rätselhafte Weise. Eine zweite Leiche, eine junge Japanerin, wird nackt in einem Brunnen gefunden. Zeuge dieses Verbrechens ist ein Mann, der in einem dornigen Gebüsch lebt und den Untergang der Stadt prophezeit. Und ehe Tanner sich versieht, ist er in ein Netz von Geschäften und Verbrechen internationalen Ausmaßes verstrickt. Urs Schaub, geboren 1951, arbeitete lange als Schauspiel-Regisseur und war Schauspiel-Direktor in Darmstadt und Bern. Als Dozent arbeitete er an Theaterhochschulen in Zürich, Berlin und Salzburg. 2003 bis 2008 leitete er das Theater- und Musikhaus Kaserne in Basel, 2006 bis 2010 war er Kritiker im "Literaturclub" des Schweizer Fernsehens. "Das Gesetz des Wassers" ist der zweite von vier Kriminalromanen mit dem charismatischen Ermittler Simon Tanner. Urs Schaub lebt in Basel.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 490
    Erscheinungsdatum: 27.06.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783857919459
    Verlag: Limmat Verlag
    Größe: 676 kBytes
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Das Gesetz des Wassers

EINS

Tanner hält keuchend inne und lehnt sich an den kühlen Sandstein. Trotz der relativ niedrigen Temperatur im Turm ist er schweißgebadet. Was für eine unsinnige Idee, ausgerechnet an diesem heißen Tag die vielen Treppen hinaufzusteigen. Wie vollkommen verlassen wirkt die sonst so geschäftige Stadt. Jeder, der es sich leisten kann, sitzt zu Hause bei geschlossenen Fensterläden und trinkt Eistee oder Bier.

Der historische Platz vor der roten Sandsteinkirche liegt in grellem Sonnenschein. Das Licht lässt ihn, dank der strengen Schattenrisse, noch geometrischer erscheinen. Die gepflegten Häuser aus vergangenen Jahrhunderten wirken als Architekturensemble wie eine scharf ausgeleuchtete Theaterkulisse. Der quadratische Platz neben der Kathedrale mit seinen vierunddreißig mächtigen Kastanien träumt selig von Italien. In regelmäßigen Abständen stehen die alten Bäume, die wohl einen tiefschwarzen Schatten, aber keine Kühle mehr spenden können. Die Hitzeschwaden stehen zwischen den Bäumen geradeso wie in den schmalen Gassen zwischen den Häusern. Das einzig Erfrischende ist das Wasser, das unentwegt in den großen Brunnen plätschert.

Tanner hat seine Arme bis über die Ellbogen ins Wasser gehalten und die beiden steinernen Köpfe betrachtet, die als Wasserspeier dienen und irgendwie an Asterix und Obelix erinnern, bevor er stur seinen Plan ausgeführt hat, den Turm trotz der quälenden Hitze zu besteigen.

Er war vom Bahnhof zu Fuß auf alten Wildwechseln in Richtung Münster gegangen. Seit vielen Jahren ist er das erste Mal wieder in seiner Geburtsstadt. Eine Flut von Erinnerungen begleitete jeden seiner Schritte.

Bei dem alten Kasten in der Nähe des Bahnhofs zum Beispiel, in dem er während des Studiums aushilfsweise unterrichtet hatte.

Was für ein ohrenbetäubender Lärm in seiner Klasse. Die Schüler waren zu Beginn kaum zu bändigen. Die Gelegenheit war günstig. Er hatte nächtelang nicht mehr schlafen können, bis er im Umgang mit der Bande eine halbwegs brauchbare Strategie fand. Er ließ sie sich in Rollenspielen austoben, bis die anderen Lehrer Einspruch erhoben. Nach fünf Wochen hatte er sich geschworen, sein Studiengeld in Zukunft anders zu verdienen.

Er arbeitete in der Folge nachts bei der Bahnpost oder machte für kleine Transportbetriebe die Buchhaltung.

Er musste unwillkürlich lächeln.

Oje, ich und meine Buchhaltervergangenheit!

Er verstand nämlich selber nicht viel davon, aber die ölverschmierten Kleinunternehmer, die alles aus ihren dicken Portmonees bezahlten, die sie aus der Gesäßtasche zogen, egal ob es sich um private oder geschäftliche Ausgaben handelte, verstanden noch weniger von Zahlen als er. Er staunt noch heute über sich, wenn er an die Berge von Rechnungen denkt, die er in dieser Zeit sortierte. Meist saß er in schlecht gelüfteten Wohnungen an Esstischen, die sich unter der Last unbezahlter Rechnungen krümmten. Aber er war süchtig nach den Geschichten der Fahrer, die ihm von ihren Erlebnissen erzählten, von Russland, dem Nahen Osten oder dem hohen Norden. Damals hatte er ein geradezu schmerzhaftes Fernweh.

Um das städtische Theater hat er vorhin bewusst einen weiten Bogen gemacht. Trotzdem konnte er nicht verhindern, dass seine Gedanken während des ganzen Weges um seine Theatersehnsucht kreisten, die ihn einen Großteil seiner Jugend- und Studienzeit fesselte. Dem Ort, in dem sich damals seine Leidenschaft kristallisierte, wollte er heute nicht leibhaftig begegnen. Vielleicht morgen.

Da er den Gang am Theater vorbei vermied, kam er auch nicht am zweitwichtigsten Tatort seiner Jugendzeit vorbei.

In den Augen der Eltern war dieser Ort der Drogenumschlagplatz der Stadt. Womit sie sicher Recht hatten. Er ging heimlich hin. Zeitweise jeden Abend. Drogen interessierten ihn nicht. Aber er war dabei, als Cat Stevens mit seiner Gitarre auftrat, bevor seine Weltkarriere begann. Und er war fasziniert von der schummrigen Atmosphär

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