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Das Gesicht des Bösen Ein neuer Fall für Tempe Brennan von Reichs, Kathy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.04.2020
  • Verlag: Blessing
eBook (ePUB)
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Das Gesicht des Bösen

In der drückenden Hitze von Charlotte, North Carolina, erholt sich die forensische Anthropologin Tempe Brennan von einem neurochirurgischen Eingriff - ein Aneurysma musste operiert werden - und kämpft mit Migräneanfällen und Albträumen. Da erhält sie eine Reihe von rätselhaften Nachrichten, Fotos von einer Leiche ohne Gesicht und Hände. Wer ist dieser Tote, und warum schickt man ausgerechnet ihr diese Bilder? Um Antworten auf diese und andere Fragen zu finden, muss Tempe den vorgeschriebenen Dienstweg verlassen - ihre neue Vorgesetzte hegt einen tiefen Groll gegen sie und will sie um jeden Preis von dem Fall fernhalten. Tempe kommt der erstaunlichen Wahrheit allmählich näher - auch dank modernster forensischer Methoden. Doch je mehr sie aufdeckt, desto düsterer und bedrohlicher erscheint das Bild... Wer ist der Tote ohne Gesicht auf den Fotos, die ein Unbekannter an Tempe Brennan schickt? Die Forensikerin muss alles geben, um diesen Fall zu lösen. Kathy Reichs, geboren in Chicago, lebt in Charlotte und Montreal. Sie ist Professorin für Soziologie und Anthropologie, eine von nur einhundert vom American Board of Forensics Anthropology zertifizierte forensischen AnthropologInnen und war jahrelang unter anderem für gerichtsmedizinische Institute in Quebec und North Carolina tätig. Ihre Romane erreichen regelmäßig Spitzenplätze auf internationalen und deutschen Bestsellerlisten und wurden in dreißig Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 27.04.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641195564
    Verlag: Blessing
    Originaltitel: A Conspiracy of Bones
    Größe: 2101 kBytes
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Das Gesicht des Bösen

1

Freitag, 22. Juni

Jeder reagiert anders auf Druck. Manche Menschen sind geschmeidig, lassen sich verformen. Andere sind spröde, können nicht nachgeben. Physiker sprechen von Stressbelastungskurven. Eines ist sicher: Wenn die Last zu groß ist oder zu schnell aufgeladen wird, kann jeder zerbrechen.

Ich weiß, wovon ich rede. Ich erreichte meine Belastungsgrenze im Sommer nach dem Mord an meinem Chef. Ich - das Magmagestein der Emotionen. Und ich rede nicht nur von den Albträumen.

Um ehrlich zu sein, Larabees Tod war nicht der unmittelbare oder einzige Auslöser. Da war auch noch Andrew Ryan, mein langjähriger Geliebter und Polizistenkollege bei Mordermittlungen in Quebec. Ich hatte seinem Drängen nachgegeben und war einverstanden gewesen, sowohl am Montrealer wie am Charlotter Ende unserer geografisch komplexen Beziehung mit ihm zusammenzuziehen. Da war Katys Entsendung nach Afghanistan. Mamas Krebserkrankung. Petes Nachricht über Boyd. Meine Diagnose, dann die Operation. Die Migräneanfälle. Ein ganzer Haufen Stressfaktoren scheuerte an meiner Belastungskurve.

Rückblickend muss ich zugeben, dass ich aus der Umlaufbahn geriet. Vielleicht war ich auf eigene Faust drauflosmarschiert, weil ich unsteuerbare Kräfte eben doch steuern wollte. Dem Älterwerden den Finger zeigen wollte, oder dem rebellierenden Blutgefäß, das in meinem Hirn zu wüten drohte. Vielleicht war es ein Schrei nach Ryans Aufmerksamkeit. Ein unbewusster Versuch, ihn zu verjagen? Oder vielleicht war es einfach nur die verdammte Hitze in Carolina.

Wer weiß? Ich hielt tapfer stand, bis der Mann ohne Gesicht mir den Rest gab. Seine Überreste und die anschließende Ermittlung rissen ein schwarzes Loch in meine gemütliche, kleine Welt.

Meine Mutter bemerkte die Veränderungen, lange bevor die rätselhafte Leiche auftauchte. Die Zerstreutheit, die Erregbarkeit, die Unbeherrschtheit. Sie schob das alles auf das Aneurysma. Vom Augenblick seiner Entdeckung war Mama überzeugt, dass das winzige Gerinnsel platzen und mein eigenes Blut mich umbringen würde. Ich machte mich über ihre Kritik an meinem Verhalten lustig, obwohl ich wusste, dass sie recht hatte. Ich ignorierte E-Mails und Anrufe. Ich lehnte Einladungen ab und zog mir stattdessen einen alten Hollywood-Schinken nach dem anderen rein. Verdammt, Der Stadtneurotiker, meinen Lieblingsfilm, hatte ich mir allen Ernstes vier Mal angeschaut.

Von den nächtlichen Heimsuchungen erzählte ich Mama nichts. Verquere Montagen voller dunkler Gestalten und unbestimmter Gefahren. Oder frustrierende Arbeiten, die ich nicht abschließen konnte. Ängste? Hormone? Die Kopfwehtabletten, die ich nehmen musste? Die Wurzel meiner Gereiztheit war unwichtig. Ich schlief nur wenig, war dauernd unruhig und erschöpft.

Man musste nicht Freud sein, um zu erkennen, dass ich in schlechter Verfassung war.

Da lag ich also, hellwach um Mitternacht, und versuchte, mich nach einem Traum über einen Sturm, ein paar Schlangen und Larabee zu beruhigen. Der alte Sigmund hätte dazu sicher etwas zu sagen gehabt.

Ich versuchte es mit tiefer Atmung. Dann mit einer Entspannungsübung, die bei den Zehen anfing.

Keine Chance.

Die Nerven zum Zerreißen gespannt, stand ich auf und ging zum Fenster. Zwei Etagen unter mir lag der Grund um mein Stadthaus herum dunkel und still da, nur ab und zu bewegte sich schlaff ein Blatt in einem gelegentlichen, halbherzigen Windstoß. Ich wollte mich schon wieder abwenden, als ich aus dem Augenwinkel heraus das Flackern einer Bewegung neben der Kiefer im vorderen Garten meines Nachbarn bemerkte.

Ich starrte hin und meinte, eine Silhouette zu erkennen. Stämmig. Männlich?

Auf dem Grund von Sharon Hall um Mitternacht?

Mit schneller schlagendem Herzen kniff ich kurz die Augen zusammen.

Die Silhouette war mit den Schatten verschmolzen.

War da überhaupt jemand gewesen?

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