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Das Gift der Engel von Buslau, Oliver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2013
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Das Gift der Engel

Der Godesberger Musikkritiker Nikolaus Alban bekommt geheimnisvollen Besuch, der eine nicht minder geheimnisvolle Partitur hinterlässt. Wer hat die rätselhafte Arie komponiert? Warum kann niemand sie singen? Was hat der Mord an einem Bonner Arzt, der brutal mit einer Beethovenbüste erschlagen wurde, damit zu tun? Alban lässt das seltsame Musikstück nicht los. Er forscht nach und kommt einer Kette von Verbrechen auf die Spur - und schließlich einem mit allen Mitteln gehüteten Geheimnis.

Oliver Buslau wurde 1962 in Gießen geboren. Er wuchs in Koblenz auf und studierte in Köln und Wien Musikwissenschaften und Germanistik. Heute lebt er als freier Autor, Redakteur und Journalist in Bergisch Gladbach

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 01.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863583392
    Verlag: Emons Verlag
    Serie: Rheintal Krimi Bd.3
    Größe: 3181kBytes
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Das Gift der Engel

1

Von irgendwoher fiel Licht durch das Fenster, und Alban bemerkte, wie dunkel es bereits geworden war.

Der Bewegungsmelder am Tor ist angegangen, dachte er. Jemand hatte also das Grundstück betreten. Sicher ein Austräger, der Werbung in den Briefkasten werfen wollte - nur um dann festzustellen, dass dort ein großes Schild "Keine Reklame" angebracht war. Hoffentlich hielt er sich daran.

Alban knipste die große Schreibtischlampe mit dem birnenförmigen Porzellanfuß an, die seine Schreibunterlage, ein Blatt Papier und einen scharf gespitzten Bleistift sofort in gelbliches Licht tauchte. Der Rest des Raumes versank in diffuser Dämmerung. An der gegenüberliegenden Wand waren schwach die digitalen Ziffern eines Zählwerks zu erkennen, das stetig aufwärtslief - fast im Takt der Mozart-Sinfonie, die das Arbeitszimmer erfüllte. Das Kammerorchester auf der CD arbeitete sich gerade den letzten Takten des Finales entgegen. Ein paar Sekunden noch, und das Stück war zu Ende.

Alban nahm den Bleistift und schrieb.

Der erste Akkord ist unsauber, ebenso wie der letzte. Dazwischen herrscht nichts als Langeweile. Viel zu viel Vibrato in den Streichern. Das Andante zu langsam.

Nachdenklich griff er zu der CD -Hülle und betrachtete das Bild auf dem Cover. Etwas lenkte ihn ab, und er blickte auf. Weiter hinten im Raum, im Sessel in der Ecke neben dem Konzertflügel, regte sich ein kleiner dunkler Haufen Fell. Er hob sich, dann wurden Pfoten sichtbar, und das Ganze wurde ein ausgewachsener schwarzer Kater, der gähnend sein rosa Mäulchen aufsperrte.

Zerberus hat das einzig Richtige getan, dachte Alban. Er hat die Musik verschlafen.

Er stand auf, holte die CD aus dem Player, drückte sie in das Plastikgehäuse und legte sie auf den Stapel, durch den er sich bereits gearbeitet hatte. Gleich daneben wuchs ein weiterer quadratischer Turm aus dem Perserteppich. Er war deutlich höher. Das war die Musik, die es noch zu hören galt.

Alban beschloss, einen Moment die Ruhe zu genießen. Wenn er zwei schlecht gespielte Mozart-Sinfonien hinter sich hatte und dann sofort eine unter Umständen mittelmäßige CD auflegte, konnte es sein, dass ihm der tief empfundene Wunsch nach schöner Musik einen Streich spielte. Es konnte geschehen, dass ihm die neue Aufnahme viel besser vorkam, als sie es war. So wie kaltes Wasser warm wirkt, wenn man sich vorher eisig abgeduscht hat.

Unter Zerberus' trägem Blick ging Alban ans Fenster und blickte auf die herbstlichen alten Bäume in seinem Garten. Das Unterholz am Rande des Rasens verdeckte die Grenze zum Godesbach und zu den anderen Grundstücken, die nur einen Steinwurf entfernt lagen.

Alban bemerkte Simone, die im letzten Licht des Tages unten auf dem Rasen stand, gestützt auf ihren Rechen, mit dem sie einen großen Haufen Laub zusammengescharrt hatte. Ihr Blick ging in Richtung des Eingangs, und sie sprach mit jemandem, der vor der Haustür stand. Alban konnte nichts verstehen, und er sah auch nicht, wer es war. Vielleicht der Werbeausträger. Simone schüttelte ein paarmal den Kopf und schien über etwas zu diskutieren. Offenbar wollte der Mann nicht einsehen, dass man hier keine Reklame wünschte.

Alban wandte sich wieder den beiden CD -Stapeln zu. Zerberus kauerte im Sessel und beobachtete ihn aufmerksam.

Womit soll es weitergehen?

Ein buntes Stillleben mit Blumen schmückte das Cover. Der Grafiker hatte zwischen die Blüten geschickt den Namen "Georg Philipp Telemann" eingearbeitet.

Als Alban sich bückte, um die Compact Disc einzulegen, hörte er Simone unten im Flur. Ihre Stimme klang laut und aufgeregt. Dazwischen war eine weitere Person zu hören, offenbar ein Mann.

Er schüttelte den Kopf. Was war dort unten nur los?

Mehrmals wöchentlich, immer zwischen sechzehn und neunzehn Uhr, beschäftigte sich Alban mit dem, was

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