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Das Jahr der Katze Roman von Peters, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.09.2018
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag
eBook (ePUB)
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Das Jahr der Katze

Ein ungewöhnlicher Thriller in der Tradition eines Cormac McCarthy oder Quentin Tarantino und das faszinierende Panorama einer bizarren japanischen Unterwelt, die noch immer die Traditionen der Samurai-Zeit beschwört, auch wenn ihre goldene Zeit längst der Vergangenheit angehört. Früher verstand sie sich als eine ehrenwerte Gesellschaft. Heute ist japanische Yakuza zunehmend eine Organisation gewöhnlicher Krimineller, verwickelt in Drogenhandel und schmutzige Immobiliendeals. Staat und Polizei haben die jahrhundertelange Toleranz und Koexistenz aufgekündigt und der Yakuza den Kampf angesagt. Da kommt es äußerst ungelegen, dass Fumio Onishi bei einer Aktion im Auftrag der Yakuza in Berlin eigenmächtig übers Ziel hinausgeschossen ist. Auf der Flucht vor den deutschen Behörden hat Onishi sich zwar mit seiner deutschen Freundin Nikola nach Tokio absetzen können. Doch hier erwartet der Yakuza-Boss Takeda ein unmissverständliches Opfer von ihm... Hat Christoph Peters in seinen Romanen 'Mitsukos Restaurant' und 'Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln' die helle, ebenso faszinierende wie manchmal skurrile Seite der Kultur Japans beleuchtet, taucht er nach 'Der Arm des Kraken' auch in seinem zweiten Roman um Fumio Onishi ein in die Abgründe des Reichs der aufgehenden Sonne - in einen zutiefst widersprüchlichen Kosmos voll rätselhafter Traditionen zwischen höchster Eleganz und Kultiviertheit einerseits und blinder Grausamkeit und fragwürdigen Atavismen andererseits, in eine Unterwelt, die ebenso geprägt ist von dem alten Ethos der Samurai wie von irritierenden Werten, fremdartigen Ritualen und verstörender Gewalt. Christoph Peters wurde 1966 in Kalkar geboren. Er ist Autor zahlreicher Romane und Erzählungsbände und wurde für seine Bücher mehrfach ausgezeichnet, unlängst z. B. mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (2016) und dem Wolfgang-Koeppen-Preis (2018). Christoph Peters lebt heute in Berlin. Zuletzt erschienen von ihm bei Luchterhand der Erzählungsband 'Selfie mit Sheikh' (2017) sowie der Roman 'Das Jahr der Katze' (2018).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 03.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641163624
    Verlag: Luchterhand Literaturverlag
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Das Jahr der Katze

1.

"Wenn du willst, bist du um halb zwölf an der Tankstelle Spanische Allee."

Nachdem der Satz zusammen mit Onishis Nummer auf dem Display ihres Telefons erschienen war, hatte Nikola den Fernseher ausgeschaltet und war in die Küche gegangen, lediglich aus dem Bedürfnis, sich zu bewegen, nicht, um dort etwas Bestimmtes zu tun. Unmittelbar zuvor war in einer grellen Computeranimation die Magmablase unter dem Yellowstone-Nationalpark explodiert. Aschewolken und eine monatelange Sonnenfinsternis hatten die gegenwärtige Welt in den Untergang gestürzt. Im Nachrichtenticker war gemeldet worden, dass die Berliner Polizei Waffen und Sprengstoff bei einer rechtsextremen Splittergruppe gefunden hatte und einen Zusammenhang mit der aktuellen Mordserie an vietnamesischen Geschäftsleuten im Osten der Stadt vermutete.

In Nikola hatten sich gegenläufige Empfindungen überlagert: Aufregung, die an Glück grenzte; Schmerz über verschiedene Abschiede; Staunen. Beim Gedanken an Yukis Tod waren ihr Tränen in die Augen gestiegen, denen sie jedoch keine Beachtung geschenkt hatte.

Im ersten Moment war sie sicher gewesen, Onishi würde sie irgendwohin mitnehmen, im nächsten dachte sie, dass er sie ebenso gut erstechen, erschießen, aus dem fahrenden Wagen stoßen konnte, weil sie zu viel wusste oder weil er ihr Verhalten ihm gegenüber nicht respektvoll genug fand.

Sie zog das Messer mit der langen, schmalen Klinge aus dem Block, das Yuki, bevor er ermordet wurde, manchmal benutzt hatte, um ihr Bewegungsabläufe für die Selbstverteidigung zu zeigen, bildete sich aber nicht ein, dass sie damit gegen Onishi eine Chance hätte. Trotzdem spürte sie keine Angst.

Seit Onishi in der Frühe weggegangen war, hatte sie allein in ihrer Wohnung gehockt und darauf gewartet, dass es dunkel wurde. Die Welt, in der sie die vergangenen vierundzwanzig Monate zugebracht hatte, existierte nicht mehr, eine andere, in die sie hätte zurückkehren können, gab es nicht. Sie hatte keine beste Freundin, und ehe sie wieder zu ihrer Mutter nach Boppard zog, ließ sie sich lieber von einem Japaner abknallen, der zumindest darauf achten würde, dass es nicht wehtat.

Sie holte die lederne Reisetasche aus dem Schrank, die Yuki ihr geschenkt hatte, als sie zum ersten Mal zusammen nach Essaouira geflogen waren, warf das Messer hinein, überlegte, was sie sonst mitnehmen sollte: MacBook, Unterwäsche, Rei in der Tube , falls es länger dauerte, bis sie irgendwo Wäscheservice oder eine Waschmaschine hatten; T-Shirts, Shorts, Socken, Jeans, zwei Trainingshosen, einen Hoody; das schwarze Trikotkleid, wenn sie ausgingen; Tampons. Im Grunde spielte es keine Rolle, ob sie etwas vergaß. Mittlerweile konnte man fast überall rund um die Uhr alles kaufen, und auf ihrem Konto lag eine Menge Geld, von dessen Existenz niemand wusste. Streng genommen gehörte es ihr nicht, doch das ließ sich schwer nachweisen. Ohne ihre Unterstützung hätte Yuki in diesen zwei Jahren mehr oder weniger nichts zustande gebracht: In technischer und organisatorischer Hinsicht war er eine Null gewesen. Sie sah das Geld als eine Art Gehalt, das er für ihre Mitarbeit gezahlt hatte, auch wenn Teile davon erst noch hätten investiert werden sollen, in Haifischflossen oder was auch immer. Dann hätte sie ihren Anteil in einem oder zwei Monaten erhalten, jetzt war es eben dieses Geld. Es stand ihr zu. Sobald sie wieder eine halbwegs feste Bleibe hätten, musste sie versuchen, es auf ein neues Konto zu transferieren, und das alte auflösen, möglichst ohne dass Onishi es merkte, denn irgendwann würden sogar die Deppen von der Berliner Polizei auf ihren Namen stoßen, und ob sie dann noch Zugriff darauf hätte, war fraglich.

Sie packte ein Paar Ersatzturnschuhe ein, zog den Reißverschluss zu, warf die Tasche über die Schulter und trat aus der Wohnung in der Gewissheit, nie wieder zurückzukehren. Im Treppenhaus dachte sie, dass sie weder wusste, was Onishi vorhatte, ehe er

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