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Das Karpaten-Projekt von Schmitz, Werner (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.09.2011
  • Verlag: Grafit Verlag
eBook (ePUB)
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Das Karpaten-Projekt

In den Karpaten ist die Bärenjagd eröffnet. Die Tiere werden zu Futterstellen gelockt und von zahlungskräftigen Jägern aus dem Westen erlegt. Diana Steinkamp, Juniorchefin eines Schuhimperiums, das in Rumänien produziert, macht das Hamburger Magazin auf das Thema aufmerksam. Reporter Hannes Schreiber wird losgeschickt, den Tierschützer Teddy zu begleiten. Teddy manipuliert die Futterstellen, um die Bären fernzuhalten - immer auf der Hut vor den korrupten Förstern. Die Situation eskaliert, als Hannes und Teddy nachts überfallen werden und der Oberförster erschossen wird. Der Hauptverdächtige: Teddy. Doch der ist spurlos in den Karpatenwäldern verschwunden.

Werner Schmitz wurde 1948 geboren, war 15 Jahre lang Kommunalbeamter, danach Verlagsangestellter und Reporter bei einer gro
en deutschen Illustrierten. Er lebt in Bochum.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 234
    Erscheinungsdatum: 26.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783894258054
    Verlag: Grafit Verlag
    Größe: 454kBytes
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Das Karpaten-Projekt

2

Hannes Schreiber stand allein in einer Ecke des Foyers, nicht weit von der Drehtür, die draußen Gäste schluckte und drinnen wieder ausspuckte. Er stützte einen Ellenbogen auf den Stehtisch, saugte an seiner Zigarette und nickte der Frau vom Empfang zu. In rote Kostüme hatten sie die Mädels zur Feier des Tages gesteckt, passend zum Licht, das den Glaspalast der Magazin -Redaktion für einen Abend in eine Lounge verwandelte.

Die Empfangsdame verdrehte die Augen in Schreibers Richtung. Der wichtigste Kerl der Hauptstadt hatte sich vor ihrem Tresen aufgebaut und weigerte sich, seinen Namen zu nennen. Weil er der Präsident des Zentralverbandes der deutschen Alternativmedizin war. Weil er im Magazin, zu dessen Sommerfest 2005 er gerade eingetroffen war, kürzlich erst zu Wort gekommen war. In einer Titelgeschichte über Fußpilz, an der Hannes mitgearbeitet hatte. Daher kannte er den Typen.

Schließlich nestelte der Alternativmedizin-Präsident eine Visitenkarte hervor und schnippte sie auf die Theke. Die Frau vom Empfang nahm sie mit spitzen Fingern auf, studierte sie sorgfältig, ließ ihr Laptop den dazu passenden Namen auf der Gästeliste suchen und begrüßte, als er gefunden war, den Präsidenten aller heimischen Heiler mit einem "Schön, dass Sie da sind, Herr Müller".

Der Abend war noch jung. Die Sonne rutschte gerade hinter die Dächer im Westen, die wirklich wichtigen Gäste ließen sich Zeit. Nur die Legenden kamen früh. Legenden waren alt und wollten zeitig zu Bett. Schreiber beobachtete den Mann, der in den Siebzigerjahren einmal Außenminister gewesen war. Im kognakbraunen Maßanzug mit beigen Nadelstreifen schritt der elder statesman schnurstracks auf einen weichen Sessel zu, ließ sich darin nieder und hielt Hof. Ein paar angejahrte Künstler stolzierten herein, Schriftsteller, die keinen Einkaufszettel schrieben, ohne die Medien von diesem literarischen Vorhaben zu unterrichten. Filmemacher, die behaupteten, alle Angebote aus Hollywood abgelehnt zu haben. Sie ließen sich widerwillig zu aktuellen Projekten befragen, schwadronierten lieber von vergangenen Großtaten und tranken ihren Rotwein sehr schnell.

Hannes nahm einen Schluck von dem Bier, das eine sächsische Großbrauerei für das Fest gespendet hatte. Das Glas war zu groß, und weil er nicht schnell genug trank, schmeckte das Pils schal. Es war das erste Sommerfest des Magazins, seit er als Reporter ins Berliner Büro gewechselt war. Hannes fremdelte. Er hatte gehofft, seinen beruflichen Sinkflug in der Hauptstadt stoppen zu können. Das Gegenteil war eingetreten. Alle spielten sie hier irgendwelche Rollen, und selbst wenn ein Politiker ihn für ein Porträt näher heranließ, achteten seine Aktentaschenträger darauf, dass ihr Herr und Meister gut 'rüberkam'. Nach einem halben Jahr Berlin schwante Schreiber, dass er in diesem Schauspiel eine Fehlbesetzung war.

Langsam füllte sich das Foyer des Medienhauses an der Spree mit dieser Mischpoke aus Politik und Journalismus, Showbiz und Lobbyismus. Ein Heuschreckenschwarm, der den Himmel über Berlin verdüsterte und, wo er einfiel, abgefressene Büfetts zurückließ. Eine Karawane, deren Kamele jeden Abend in einer anderen Oase getränkt wurden. Sie soffen, als hätten sie eine lange Durststrecke hinter und eine noch längere vor sich.

Eine merkwürdige Stimmung überlagerte das Fest, eine Art lärmender Stillstand zwischen den Zeiten. An Schreibers Nachbartisch tuschelten zwei Mittvierziger. "Was für ein Beamter bist du? Können die dich an die Luft setzen?" Kopfnicken. Die Regierungspartei hatte alle Landtagswahlen verloren. Ihr Kanzler wollte Neuwahlen, um dem Spuk ein Ende zu machen, so oder so.

Ein paar seiner Minister waren dennoch zum Sommerfest des Magazins gekommen. Stefan Bartelmus, Schreibers Chefredakteur, begrüßte sie artig am Eingang. Bartelmus war Anfang fünfzig, wirkte aber mit seinem vollen Blondhaar und den blitzblauen Augen deutlich jünger

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