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Das Kongo Komplott von Richter, Ernst-Georg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.08.2014
  • Verlag: Lau-Verlag & Handel KG
eBook (ePUB)
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Das Kongo Komplott

In den letzten Wochen des Jahres 1884 findet in der Hauptstadt des noch jungen Deutschen Reiches die Kongo-Konferenz statt: Delegierte aller europäischen Kolonialmächte verhandeln über die letzten noch nicht aufgeteilten Gebiete in Afrika. Als ein junger belgischer Diplomat angeschossen wird, beginnen geheime Ermittlungen: Der gerade erst in Berlin angekommene Kommissar Albert Kummerow und der Offizier Joachim von Tarlenheim werden auf den Fall angesetzt. Er führt die beiden in die höchsten Kreise der Berliner Gesellschaft - und in den Zoologischen Garten.

Ernst-Georg Richter wurde 1965 in Berlin geboren und ist seit seinem Studium der Amerikanistik, Anglistik, Geschichte und Journalistik als freier Journalist mit den Schwerpunkten Reise und Kultur sowie als Übersetzer tätig. Das Kongo-Komplott ist sein erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 264
    Erscheinungsdatum: 05.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783957681294
    Verlag: Lau-Verlag & Handel KG
    Größe: 2453kBytes
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Das Kongo Komplott

Kapitel I

Kummerow schnappte nach Luft. Eben erst war er aus dem Zug der Preußischen Ostbahn ausgestiegen, der ihn von Posen zum Schlesischen Bahnhof in Berlin gebracht hatte. Doch schon jetzt bekamen seine Lungen zu spüren, dass es sich in der deutschen Reichshauptstadt nicht so leicht durchatmen ließ wie jenseits der Oder. Kein Wunder, denn in den Gründerjahren war die größte Stadt Preußens zum wichtigen Industriestandort herangewachsen – oft genug wurden ihre Einwohner auch am Tage von einem schmutziggrauen Tuch aus Qualm eingehüllt, das sie von Luft und Licht trennte. Seit dem Krieg von 1870/71 mit dem allgemein bejubelten Sieg über den Erbfeind Frankreich und der Reichsgründung waren dreizehn Jahre vergangen. Auch Kummerow war dabeigewesen; nach seinem Abschied war er in den Polizeidienst in Posen eingetreten. Von da an hatte er sich bis zum Kommissar hochgedient, dann wurde ihm die Provinz zu eng. So hatte er um seine Versetzung nach Berlin ersucht, die ihm nach einiger Wartezeit auch genehmigt worden war.

Nun war er mit 36 Jahren zum ersten Mal dort, und seine erste Sorge in der neuen Wahlheimat galt der Beschaffung einer Droschke. Das war kein leichtes Unterfangen, denn ein paar hundert Passagiere, die gerade zusammen mit ihm angekommen waren, hatten genau das Gleiche im Sinn. Mit ihnen drängte er hinaus vor den Bahnhof und eilte direkt auf eine freie Droschke am Halteplatz zu. Er nannte dem Kutscher die Adresse "Hotel Deutsches Haus, Klosterstraße" – alte Regimentskameraden aus Posen hatten es ihm als erste Anlaufstelle empfohlen. Doch die Droschke setzte sich nicht in Bewegung.

"Die Marke, der Herr."

"Wie bitte?"

"Ihre Kontrollmarke. Ohne die darf ich Sie nicht fahr'n."

"Ich habe aber keine. Wo bekommt man die?"

"Da müssen Sie zum Kontrolleur am Bahnhofsausgang."

Kummerow stieg wieder aus und mühte sich gegen den Strom der Reisenden zurück zum Bahnhofsportal, wo er erst jetzt einen der uniformierten Kontrolleure erblickte.

"Eine Droschkenmarke, bitte."

"Erste Klasse, zweite oder Gepäckdroschke?"

Kummerow ließ sich einmal zweite geben, wandte sich um und seufzte: Gleich würde er am Ende der Warteschlange stehen. Es würde mindestens eine halbe Stunde dauern, bis er eine neue Droschke ergattern konnte.

Auf einmal hörte er aufgeregtes Rufen, Schreie und Hufgetrappel. Die Wartenden vor ihm riefen "Obacht!" und "Holla!", sie schreckten zurück und versuchten offenbar, ein paar durchgegangenen Pferden auszuweichen. Andere Passanten liefen so schnell es ging in Richtung Bahnhof, um nicht niedergeritten zu werden. Kummerow konnte nicht mehr erkennen, sondern nur übermütiges Johlen und Hussa-Rufe aus dem Stimmengewirr heraushören. Die Mitte des Platzes am Schlesischen Bahnhof hatte sich inzwischen geleert, so dass die Urheber des Aufruhrs zu sehen waren.

Ein kleiner Trupp Garde-Ulanen preschte heran. Die offensichtlich angetrunkenen Kavalleristen benahmen sich wie bei einer Attacke. Was die Ulanen weitab von ihrer Kaserne in der Invalidenstraße zu suchen hatten, wussten nur sie allein. Fest stand nur, dass sie ihrem Übermut ausgerechnet im Osten der Innenstadt Luft machen wollten.

Ganz leer war die Mitte des Bahnhofsvorplatzes nicht. Eine junge Kinderfrau umklammerte gelähmt vor Angst die Griffstange eines Kinderwagens und traute sich keinen Schritt weiter. So neu und gut verarbeitet dieser Kinderwagen auch aussah, bot er seinem kleinen Passagier keinen Schu

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