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Das Leben, das wir begraben Thriller von Eskens, Allen (eBook)

  • Verlag: Festa Verlag
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Das Leben, das wir begraben

"Wenn das Schicksal mir damals wirklich ins Ohr geflüstert hätte - wenn ich gewusst hätte, dass dieser Besuch so viele Dinge ändern würde - hätte ich dann einen sichereren Weg gewählt? Wäre ich links abgebogen, wo ich rechts abgebogen bin?" Der Student Joe Talbert muss fürs College mit einem völlig Fremden ein Interview führen. Dafür sucht er in einem Pflegeheim nach der passenden Person und trifft auf den krebskranken, im Sterben liegenden Carl Iverson. Doch Iverson ist kein harmloser alter Mann. Er ist ein verurteilter Mörder. Vor 30 Jahren soll er ein Mädchen missbraucht, umgebracht und in seinem Schuppen verbrannt haben. Nach einigen Gesprächen erkennt Joe, dass etwas an dem grausamen Mordfall nicht stimmt. Es gibt zu viele Widersprüche. Joe überkommt eine regelrechte Besessenheit, die Wahrheit herauszufinden ... Doch das könnte seinen eigenen Tod bedeuten! Julie Kramer: "Ein hypnotischer Erstlingsroman." Suspense Magazine: "DAS LEBEN, DAS WIR BEGRABEN spielt vor der Szenerie eines brutalen Winters in Minnesota, ist aber viel mehr als nur ein spannender Kriminalroman. Diese Geschichte hielt mich gefangen und berührte mein Herz. Die Charaktere sind so lebendig wie die Leute, die nebenan wohnen. Der Roman ist packend und beeindruckend geschrieben." The Big Thrill: "Ein gut durchdachter, spannender Roman mit Figuren, die einen sofort packen."

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 100
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783865526427
    Verlag: Festa Verlag
    Größe: 1148 kBytes
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Das Leben, das wir begraben

1

Ich erinnere mich noch, dass ich von einem Gefühl der Furcht geplagt wurde, als ich an jenem Tag zu meinem Wagen ging. Niedergedrückt von Wellen düsterer Vorahnungen, die in meinem Kopf herumwirbelten und sich am Abendhimmel brachen. Es gibt Menschen, die dieses vage Gefühl als Warnung bezeichnen würden, als besäßen sie eine Art drittes Auge, das die Zukunft bereits sehen kann, bevor sie um die Kurve gerauscht kommt. Ich habe nie etwas auf solches Gerede gegeben. Aber ich gebe zu, dass es Momente gab, in denen ich an jenen Tag zurückdachte und mich fragte: Wenn das Schicksal mir damals wirklich ins Ohr geflüstert hätte - wenn ich gewusst hätte, dass dieser Besuch so viele Dinge ändern würde -, hätte ich dann einen sichereren Weg gewählt? Wäre ich links abgebogen, wo ich rechts abgebogen bin? Oder hätte ich dennoch den Weg gewählt, der mich zu Carl Iverson geführt hat?

Die Minnesota Twins, meine Mannschaft, sollten an jenem kühlen Septemberabend gegen die Cleveland Indians antreten; es ging um den Sieg in der Central Division, der Abteilung der American Baseball League, deren Teams im Mittleren Westen beheimatet sind. Die Flutlichter des Target Field würden den westlichen Horizont von Minneapolis taghell erleuchten, ihre Strahlen wie Vorboten des Ruhms in die Nacht hinaufsenden, doch ich konnte nicht dabei sein, um mir das anzusehen. Noch eine Sache, die ich mir als College-Student nicht leisten konnte. Ich würde den Abend an der Tür von Molly's Pub verbringen, Führerscheine auf das Alter ihrer Besitzer kontrollieren und Streitigkeiten von Betrunkenen unterbinden, dazwischen immer wieder verstohlene Blicke auf den Fernseher über der Bar werfen, um dem Spiel wenigstens halbwegs zu folgen. Nicht gerade mein Traumjob, aber man konnte die Miete damit zahlen.

Merkwürdig, die Berufsberaterin an meiner High School hat das Wort College nie erwähnt, obwohl ich mehr als einmal bei ihr war. Vielleicht konnte sie die Hoffnungslosigkeit riechen, die an meinen Secondhand-Klamotten haftete. Vielleicht hatte sie auch gehört, dass ich am Tag nach meinem 18. Geburtstag angefangen hatte, in einer Spelunke namens Piedmont Club zu arbeiten. Oder - und darauf würde ich wetten - vielleicht wusste sie einfach, wer meine Mutter war, und dachte sich, dass man den Klang eines Echos nicht verändern kann. Woran es auch lag, ich konnte es ihr nicht verübeln, dass sie mich nicht als Kandidaten für ein Hochschulstudium sah. Ehrlich gesagt habe ich mich im schäbigen Zwielicht einer Bar wohler gefühlt als in den marmornen Fluren höherer Bildung, in denen ich stolperte, als ob ich meine Schuhe am falschen Fuß trug.

An jenem Tag sprang ich in mein Auto, einen 20 Jahre alten, rostigen Honda Accord, legte den Gang ein und fuhr vom Campus aus nach Süden, fädelte mich in den Feierabendverkehr der I-35 ein und hörte Alicia Keys aus kaputten japanischen Billiglautsprechern. Als ich auf dem Crosstown Highway war, griff ich hinüber zum Beifahrersitz und wühlte in meinem Rucksack herum, bis ich endlich den Zettel mit der Adresse des Altenheims fand. "Nenn es nicht Altenheim", nuschelte ich vor mich hin. "Es ist eine seniorengerechte Wohnanlage oder irgend so was."

Ich kurvte durch das verwirrende Straßennetz von Richfield, Minnesota, bis ich das Schild an der Einfahrt zu meinem Ziel erspähte: Hillview Manor. Diese Namensgebung konnte nur ein schlechter Witz sein. Es gab keine Sicht auf Hügel weit und breit, und das Gebäude hatte nicht das geringste bisschen von jener Pracht, die man mit Bezeichnungen wie "Herrenhaus" verbindet. Vorne grenzte das Grundstück an eine viel befahrene, vierspurige Straße, hinten schaute man auf die traurige Rückseite eines alten, heruntergekommenen Mietblocks. Der unpassende Name war aber noch das Freundlichste an Hillview Manor, dessen graue Ziegelmauern von Algen grünlich verfärbt waren. Die das Haus umgebenden, schäbigen Büsche wuchsen, wie sie wollten, und der Schimmel,

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