text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das Luzifer Evangelium Ein Fall für Bjørn Beltø - Thriller von Egeland, Tom (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.07.2011
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
3,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das Luzifer Evangelium

Ein neuer Fall für den norwegischen Archäologen Bjørn Beltø
Kiew, 2009. In den Katakomben eines Klosters wird eine alte Schrift entdeckt und von dem norwegischen Archäologen Bjørn Beltø außer Landes gebracht. Doch bei seiner Rückkehr nach Oslo erwartet Beltø Schreckliches: Als er den befreundeten Historiker Christian Keiser in dessen Haus aufsucht, findet er ihn tot vor - ermordet. Und es soll nicht bei einem Toten bleiben. Alle Morde scheinen etwas mit dem Schriftstück in Beltøs Besitz zu tun haben. Denn man sagt ihm nach, es sei das über 4000 Jahre alte 'Luzifer Evangelium' und sein Inhalt ungeheuerlich ...

Tom Egeland, geboren 1959, gilt als einer der meistgelesenen Thriller-Autoren Norwegens. Sein Bestseller "Frevel" wurde in 18 Sprachen übersetzt. Von 1992 bis 2006 arbeitete Tom Egeland als Nachrichtenchef bei dem norwegischen Fernsehsender TV2 in Oslo, seit 2006 widmet er sich ganz dem Schreiben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 18.07.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641054649
    Verlag: Goldmann
    Serie: Bjørn Beltø Bd.3
    Originaltitel: Lucifers Evangelium
    Größe: 898kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das Luzifer Evangelium

I : Die Mumie

KIEW
9. MAI 2009

1

Die Mumie grinste mich an wie ein Gespenst.

Die Jahrhunderte hatten die Gesichtshaut nach hinten gezogen und das Gebiss freigelegt, das mir wie eine Reihe von Reißzähnen entgegenstrahlte. Zahnfleisch und Nase waren eingetrocknet. Die straffen Lippen und die eingefallenen Augen - sie waren schmal und katzenartig und sahen wenig menschlich aus - verliehen dem mumifizierten Mann einen fauchenden, tierischen Ausdruck.

"Wer war er?", flüsterte ich.

"Ein Mönch? Ein Pilger?"

"Er sieht aus wie ein Vampir."

Der Konservator Taras Koroljov bekreuzigte sich. "Manchmal trocknen die Leichen so ein. Die Balsamierung der Natur macht aus ihnen beängstigende Monster."

Unten aus dem Haupttunnel, der mit Signalbändern und Holzabsperrungen abgeriegelt war, hörten wir die Stimmen der Touristen. Um zu der versteckten Grabkammer zu gelangen, hatte mich der Konservator über Hunderte von Metern durch lange, steinerne Tunnel geführt. Koroljov war ein kleinwüchsiger, untersetzter Mann mit kugelrunden Augen und einem Gesichtsausdruck, der einen glauben ließ, er stünde soeben vor einer verblüffenden Entdeckung. Als Museumskonservator des Kiewer Höhlenklosters in der Ukraine war er den Umgang mit Toten gewohnt. In den tiefen Katakomben des Klosters schliefen Mönche und Heilige in ihren weiß gekalkten Zellen und Grabkammern den ewigen Schlaf. Die kalten, trockenen Luftströme, die durch das Netz aus Tunneln und Grotten zogen, hatten die Leichen über die Jahrhunderte mumifiziert.

Niemand im Kloster oder im Museum wusste mit diesem Mönch etwas anzufangen, er war unbekannt. Vier Studenten hatten die Grabkammer bei routinemäßigen Instandhaltungsarbeiten hinter einer Steinwand entdeckt, die am Ende eines Blindgangs hinter einem Altar errichtet worden war.

Ein mumifizierter Leichnam. Ein Mönch.

In den Händen, die so mager waren, dass sie an die Klauen eines Reptils erinnerten, hielt die Mumie ein zusammengerolltes Manuskript.

2

Eine Bagatelle ist niemals unbedeutend. Der federleichte Flügelschlag eines Schmetterlings kann einen Orkan auslösen, eine aus dem Gleichgewicht geratene Schneeflocke eine Lawine. So erklären die Mathematiker die kuriose Tatsache, dass schon winzige Abweichungen der Ausgangsbedingungen dynamischer Systeme enorme Effekte haben können. Um es einmal in den Worten der Mathematiker auszudrücken.

Als Konservator Koroljov vor einer Woche mit dem Telefon in der Hand in seinem Büro stand, war er im Begriff, eine Kettenreaktion in Gang zu setzen, deren Reichweite er nicht überblicken konnte. Eine halbe Stunde zuvor hatte er der Mumie die Handschrift aus den knochigen Fingern gezogen. Der Hörer des Telefons war bereits schweißnass. Wen sollte er anrufen? Seinen Vorgesetzten - diesen versoffenen Bürokraten? Die Polizei? War der Tote wirklich einem Verbrechen zum Opfer gefallen und dann eingemauert worden, damit die Tat verborgen blieb, lag dieses Verbrechen Hunderte von Jahren zurück. Die archäologischen Behörden? Wer würde diese Sache mit der ihr angemessenen Sorgfalt behandeln? Wen musste er informieren? Wem konnte er vertrauen?

Schließlich rief er mich an. Eigentlich eine Bagatelle, eine weiße, unbedeutende Schneeflocke, eine winzige Abweichung von den Ausgangsbedingungen. Ein kleiner, jämmerlicher Archäologe in einem engen Büro der Osloer Universität.

Ich erinnere mich noch, dass ich höflich zuhörte, als Taras Koroljov sich vorstellte und von dem Fund berichtete. Seine Stimme hatte angenehm geklungen, Bariton. "Können Sie nach Kiew kommen, Mr. Beltø?"

"Ich bin Archäologe, nicht Paläograf."

"Ihre Erfahrung mit alten Manuskripten spricht für Sie."

"Sie sollten einen Experten kontaktieren. Ich habe einen Freund in Island, ich kann Ihnen seine Nummer geben, er ist eine echte Koryphäe ..."

"Herr Beltø, es stimmt aber doch, dass Sie ein handschrift

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen