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Das Nebelhaus Roman von Berg, Eric (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.03.2013
  • Verlag: Limes
eBook (ePUB)
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Das Nebelhaus

Was geschah in der "Blutnacht von Hiddensee"?
Seit Jahren haben sich die Studienfreunde Timo, Philipp, Yasmin und Leonie aus den Augen verloren. Als sie sich im Internet wiederbegegnen, verabreden sie sich für ein Wiedersehen auf Hiddensee. Doch das Treffen endet mit einem grauenvollen Verbrechen: In einer stürmischen Septembernacht werden drei Menschen erschossen, eine Frau wird schwer verletzt und fällt ins Koma.
Zwei Jahre nach dem Massaker beginnt die Journalistin Doro Kagel, den Fall neu aufzurollen. Nach und nach kommt sie den tatsächlichen Geschehnissen jener Nacht auf die Spur, und bald keimt in ihr ein schrecklicher Verdacht auf ...

Eric Berg zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Autoren. 2013 verwirklichte er einen langgehegten schriftstellerischen Traum und veröffentlichte seinen ersten Kriminalroman Das Nebelhaus, der 2017 mit Felicitas Woll in der Hauptrolle verfilmt wurde. Seither begeistert Eric Berg mit jedem seiner Romane Leser und Kritiker aufs Neue und erobert regelmäßig die Bestsellerlisten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 04.03.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641092283
    Verlag: Limes
    Größe: 1966kBytes
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Das Nebelhaus

2

Zwei Jahre zuvor, September 2010

Pistole, Schmerzmittel, Streichhölzer, Lexotanil. Zum wiederholten Mal an diesem Morgen kontrollierte Leonie, ob sie am vorigen Tag alles in die Handtasche gepackt hatte. Am liebsten wäre sie an ihrem Küchentisch sitzen geblieben, weshalb sie bis zur allerletzten Minute vor der Abfahrt nach Hiddensee an den Ritualen des Alltags festhielt.

Sie schnalzte ein paarmal mit der Zunge. Oft verbrachte sie eine ganze Stunde damit, die Nachbarskatzen zu rufen, und hatte sie Erfolg, standen einige Schalen voller Leckereien bereit. Leonie hatte ihnen Namen gegeben, da sie die richtigen Namen der Tiere nicht kannte. Sie unterschied zwischen Stammgästen und Gelegenheitsbesuchern, entsprechend verteilte sie ihre Fürsorge. Es kam vor, dass keine Katze erschien - es mochte dann am Wetter liegen oder an etwas, das Leonie nicht verstand.

So war es auch am Morgen der Abreise. Leonie schloss die Terrassentür mit einem Knall, sammelte die Schälchen ein und warf sie in die Spüle. Sie ließ einen Strahl Warmwasser darüberlaufen und kümmerte sich dann nicht mehr darum.

Plötzlich fiel ihr etwas ein, und sie ging zu ihrer Handtasche.

Pistole, Schmerzmittel, Streichhölzer, Lexotanil. Gut!

Der große Zeiger der Küchenuhr näherte sich der vollen Stunde. Noch zehn Minuten, sagte sie sich. Am Küchentisch trank sie einen letzten Schluck Kamillentee. Gedankenversunken griff sie zum Handy, drückte die Kurzwahltaste 1 und sprach Steffen eine Nachricht aufs Band.

"Schade, dass ich dich nicht erreiche, vielleicht schläfst du noch. Also, ich fahre jetzt los. Eigentlich habe ich gar keine Lust. Ich weiß nicht, warum ich die Einladung angenommen habe, aber nun ist es zu spät. Am Dienstag bin ich wieder da. Ich freue mich auf dich und werde die ganze Zeit über an dich denken. Du kannst mich jederzeit anrufen, ja? Bis dann."

Sie hatte auf Punkt und Komma genau die Wahrheit gesagt, bis auf einen Halbsatz: Sie wusste sehr wohl, warum sie die Einladung angenommen hatte.

Ihr Blick glitt über das Wachstuch mit dem Erdbeermuster und verharrte schließlich an dem einzigen Foto, das sie aus jener Zeit noch hatte, den Tagen mit Timo, Yasmin und Philipp. Genau genommen war es kein Foto mehr, sondern es waren nur noch Schnipsel eines Fotos, die sie in einem Schuhkarton gefunden und notdürftig zusammengesetzt hatte. Philipps Beine fehlten, aber die waren Leonie sowieso schnurz. Mit dem Finger berührte sie Timo. Sein lachendes Gesicht ließ Leonie ihre Nervosität für ein paar Sekunden vergessen.

Kurz darauf ertönte die Türklingel.

"Oh, Mama. Du bist es. Ich bin auf dem Sprung. Hättest du nicht anrufen können?"

"Das habe ich, Liebes." Ihre Stimme war warm, brüchig und sorgenvoll, die typische Mutterstimme einer sechsundsechzigjährigen, ergrauten Frau. "Aber du nimmst nicht ab und rufst auch nicht zurück. Was ist denn los?"

"Muss denn immer gleich etwas sein, wenn ich mal nicht zurückrufe? Ich bin siebenunddreißig Jahre alt und springe nicht mehr, wenn du 'Hüpf' rufst. Außerdem habe ich gerade wirklich viel zu tun. Ich fahre nämlich weg."

"Weg?"

"Ja, nach Hiddensee."

"Hiddensee?"

"Ich bleibe vier Tage."

"Vier?"

"Was bist du, ein Kakadu? Wiederhole nicht alles, was ich sage."

"Entschuldige, Liebes. Ich bin nur ..."

Der Blick von Leonies Mutter glitt über die Wohnungseinrichtung, so als suche sie nach weiteren Indizien für die plötzliche Anwandlung ihrer Tochter. Doch es hatte sich nichts verändert: Ikea-Möbel in gedeckten Farben, die Wände betupft mit einem Dutzend Stillleben, und auf allen Türen, allen Küchenschränken klebten gelbe Smileys, die ihr seltsamerweise immer ein bisschen Angst einjagten. Alles wie gehabt. Das Gleiche galt für Leonie. Sie trug ihre üblichen weiten Schlabberhosen und -blusen, unter denen sie ihre mollige Figur verbarg./

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