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Das Rätsel der dritten Meile Kriminalroman. Ein Fall für Inspector Morse 6 von Dexter, Colin (eBook)

  • Verlag: Unionsverlag
eBook (ePUB)
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Das Rätsel der dritten Meile

Dr. Browne-Smith, Mitglied der Prüfungskommission des Lonsdale Colleges, ist bei seinen Kollegen nicht unbedingt beliebt. So ist denn auch niemand allzu unglücklich, dass er das Feierabendbier wegen Kopfschmerzen ablehnt. Als er jedoch nicht mehr zur Arbeit erscheint und eine ominöse Abwesenheitsnotiz von ihm auftaucht, wird der Rektor misstrauisch. Sein alter Freund Inspector Morse verspricht, Augen und Ohren offenzuhalten. Kurz darauf hat dieser jedoch ganz andere Sorgen: Aus dem Oxford-Kanal wird eine Wasserleiche geborgen - und mit ihr die Überreste eines Briefs, die Morse scheinbar direkt ins Herz des elitären Lonsdale Colleges führen. Colin Dexter (1930-2017) studierte Klassische Altertumswissenschaft und war erst als Oberstufenlehrer und anschließend als Prüfer an der Oxford-Universität tätig. 1973 schrieb er Der letzte Bus nach Woodstock. Es folgten dreizehn weitere Fälle für Inspector Morse, die als Fernsehserie verfilmt wurden. Seine Werke wurden mehrfach ausgezeichnet, u. a. mehrmals mit dem CWA Gold Dagger. Für sein Lebenswerk wurde Dexter mit dem CWA Diamond Dagger und dem Order of the British Empire für Verdienste um die Literatur ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783293310292
    Verlag: Unionsverlag
    Serie: UT 824
    Originaltitel: The Riddle of the Third Mile
    Größe: 2777 kBytes
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Das Rätsel der dritten Meile

1

Montag, 7. Juli

Ein Veteran der Offensive
von El Alamein findet Anlass,
sich an den furchtbarsten Tag
seines Lebens zu erinnern.

S ie waren einmal drei gewesen - die drei Brüder Gilbert: Alfred und Albert, die Zwillinge, und ihr jüngerer Bruder John, der dann in Nordafrika gefallen war. Das war nun über vierzig Jahre her. An diesem Abend jedoch, während er in einem Nord-Londoner Pub allein vor seinem Bier saß, war in Albert die Erinnerung an seinen Bruder John wieder lebendig. John war weniger robust und auch verletzlicher gewesen als er und Alfred. Aber sie beide, die einander glichen wie ein Ei dem anderen, waren ja auch immer zusammen aufgetreten, Alf und Bert. Sie waren unangreifbar gewesen. Als die Älteren hatten sie stets versucht, John zu beschützen; doch an jenem verhängnisvollen Tag im November 1942 hatten sie nichts für ihn tun können.

In den frühen Morgenstunden dieses Tages war das Unternehmen "Supercharge" gestartet worden, das sich gegen die Wüstenstraße von Sidi Abd el Rahman westlich von El Alamein richtete. Albert hatte in späteren Jahren aufgehört, sich darüber zu wundern, dass diese Operation als Triumph strategischer Planung in die Annalen des Afrikakriegs eingegangen war, da er während seines kurzen, aber heldenhaften Einsatzes vor allem Chaos und Verwirrung um sich herum wahrgenommen hatte. "Das Wichtigste ist, dass die Panzer durchkommen", hatte die Order gelautet, die am Abend zuvor vom Stab der Panzerbrigade an die Offiziere und Unteroffiziere der Royal Wiltshires, des Regiments, in dem Albert und Alfred dienten, weitergegeben worden war. Sie hatten sich beide im Oktober 1939 freiwillig gemeldet, sich bereits kurz darauf als Panzerfahrer in der Ebene von Salisbury wieder gefunden, waren alsbald zu Unteroffizieren befördert und Ende 1941 nach Kairo verschifft worden. Mitte 1942, als auf beiden Seiten Verstärkung für die bevorstehende Entscheidung zusammengezogen worden war, war auch John zu ihnen gestoßen. Sie hatten es gefeiert, dass sie nun wieder alle drei zusammen waren.

Am Morgen des 2. November drangen Alf und Bert in ihren Panzern entlang der Nordseite des Kidney Ridge vor und gerieten unter heftigen Beschuss von deutschen Flaks und Panzern, die sich bei Tel el Aqqaqir verschanzt hatten. Zwar erwiderten sie das Feuer, aber es war von vornherein ein ungleicher Kampf, da die vorrückenden Panzer der Wiltshires den deutschen Panzerabwehrwaffen ein leichtes Ziel boten, und während sie sich langsam und schwerfällig nach vorn schoben, wurde einer nach dem anderen außer Gefecht gesetzt.

Die Erinnerung war für Albert Gilbert selbst jetzt nach all den Jahren noch immer schmerzhaft, dennoch ließ er die Bilder in sich aufsteigen, ohne sich gegen sie zu wehren. Er hielt es aus. Und es war wichtig, dass er sich erinnerte.

Einer der Panzer an der Spitze, ungefähr fünfzig Meter vor ihm, war in Brand geraten; der Körper des Kommandanten hing leblos aus der Luke, der linke Arm baumelte seitlich am Turm, der Helm auf seinem Kopf war über und über mit Blut bespritzt. Ein zweiter Panzer links von ihm kam schlingernd zum Stehen, als eine deutsche Granate ihm die linke Kette zerfetzte; vier Männer sprangen heraus und rannten, so schnell sie konnten, zurück in die relative Sicherheit der Sandwüste hinter ihnen.

Der Lärm um ihn herum war ohrenbetäubend. Schrapnells stiegen pfeifend auf und brachten im Niederstürzen Tod und Verderben. Männer schrien und flehten und liefen - und starben. Manchen war der Tod gnädig; er kam schnell und unvermittelt. Bei anderen zog sich das Sterben qualvoll hin, während sie tödlich verwundet im Wüstensand lagen. Und wieder andere verbrannten hilflos in ihren Panzern, weil die stählerne Ausstiegsluke sich vor Hitze verzogen hatte oder weil sie durch eine Verletzung nicht mehr die Kraft oder das

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