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Das Raunen der Toten von Becker, Oliver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.01.2015
  • Verlag: ars vivendi
eBook (ePUB)
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Das Raunen der Toten

Ein abgelegenes Dorf in den Dreißigerjahren, irgendwo in der Einöde nordwestlich von Hannover: Die einzige Hure der Ortschaft - eine geheimnisvolle Frau, die aus Kanada stammte und angeblich indianischer Herkunft war - wird erwürgt aufgefunden. Möglicherweise wurde sie vorher vergewaltigt. Die Kriminalpolizei aus Barghude nimmt die Ermittlungen auf. Doch niemand hat etwas gesehen oder gehört. Ein Mann aber kann sich nicht damit abfinden, dass der Fall im Sande zu verlaufen droht: Christian Falk, der Liebhaber der Ermordeten. Er stellt verschiedene Leute zur Rede - und bringt sich dadurch in höchste Gefahr, denn seine Nachforschungen werden im Dorf mit tiefem Missfallen verfolgt. Einzig Vera, die Tochter eines geachteten Großbauern, scheint auf seiner Seite zu sein. Weiß sie von dem dunklen Geheimnis aus Christians Vergangenheit? Schon bald muss erneut jemand sterben ...

Oliver Becker stammt aus Blumberg im Schwarzwald und lebt mit seiner Familie in Frankfurt am Main. Er schreibt Historische Romane und Kriminalromane. Zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen zählt die Trilogie um die 'Krähentochter'. Sein neuestes Buch ist das Historienabenteuer 'Die Schatten von New Orleans': eine packende Odyssee durch Opiumhöhlen, Gaunerspelunken und die Salons der ehrenwerten Gesellschaft. Von New York bis nach New Orleans und in die düsteren Sümpfe Louisianas.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 340
    Erscheinungsdatum: 22.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783869135656
    Verlag: ars vivendi
    Größe: 973kBytes
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Das Raunen der Toten

6

Vera Novian betrachtete den Blumenstrauß auf dem Tisch und konnte es noch immer kaum fassen. Nie zuvor hatte er ihr Blumen geschenkt - oder sonst irgendetwas.

Jetzt war er gerade dabei, Kaffee zu kochen. Sie hatte einen weiteren grauenhaften Tag im Verlag hinter sich, der Arm tat ihr weh von dieser verdammten Gangschaltung, sie war hundemüde - aber Marcus hatte sie, genau wie am Vorabend, mit einem Lachen empfangen. Und mit diesem Blumenstrauß.

Sie fragte sich, wie sie seine blendende Stimmung einschätzen sollte. Und vor allem: Wie lange würde die vorhalten? Er pfiff sogar, während er Tassen und Untertassen aus dem Buffet holte. Fast ein Wunder, dass er wusste, wo sie standen ... Nein, kein Zynismus jetzt, ermahnte sie sich, die Stimmung ist einfach zu schön. Hing das damit zusammen, dass er so gut vorankam? Ich hoffe es jedenfalls, dachte Vera und steckte sich eine weitere Zigarette an.

"Ich könnte mich immer noch darüber kaputtlachen, dass sich die Einfaltspinsel hier über deine Raucherei aufregen", sagte Marcus kopfschüttelnd, als er die Tassen füllte. "Selbst ein Eskimo am Ende des Eismeeres wäre weltoffener."

"Eigentlich haben sie sich mein Leben lang aufgeregt - über alles , was ich gemacht habe."

"Und trotzdem bist du immer wieder hierher zurückgekehrt. So dickköpfig kann nur eine Frau sein."

"Ausgerechnet du redest von Dickköpfigkeit."

"Friede", beschwichtigte er leichthin.

Sie setzten sich, tranken den Kaffee, rauchten. Im Haus war es ruhig, wie immer, doch diesmal hatte die Stille wirklich etwas Entspannendes. Vor dem Fenster ballte sich die abendliche Dunkelheit.

"Schon verrückt, oder?", bemerkte Marcus nach einer Weile.

"Was meinst du, Liebling?"

"Na, den Mord natürlich. Den Mord an der ..." Er zögerte.

"Sag es doch."

"An der Hure. Oder war sie etwa keine?"

"Woher soll ich das wissen?"

Sie wechselten einen kurzen Blick.

"Ich habe jedenfalls auch keine Ahnung, was sie war." Sein Lachen war spitzbübisch.

"Dafür, dass du eigentlich niemanden hier kennst und mit niemandem redest, weißt du ganz gut Bescheid."

Erneut dieses Lachen. "Das gehört doch zu meinem Beruf. Ein Ohr für seine Mitmenschen zu haben, sozusagen. Oder etwa nicht? Die geschwätzige alte Tante, bei der ich die Blumen gekauft habe, hat mich ins Vertrauen gezogen - und mir die komplette Liste der Verdächtigen zugeraunzt, stell dir vor."

"War ich auch darunter?"

"Ich bin mir nicht so sicher, ob ich dir derart geheime Informationen mitteilen darf."

"Normalerweise trauen sie mir hier allerhand zu. Warum also nicht den Mord an einer Frau, mit der ich nie ein Wort gesprochen habe?"

Marcus zog an seiner Zigarette und erwiderte nichts.

"Nun sag schon, wer ist denn auf ihrer Liste der Verdächtigen?"

"Ha! Ertappt!" Erheitert zwinkerte er ihr zu. "Du bist also doch neugierig."

Sie betrachtete ihn, sein gut geschnittenes Gesicht, das volle Haar, von dem immerzu eine Strähne in die Stirn hing, die dazu verführte, sie zurückzustreichen. Seine hübschen, unergründlichen blauen Augen, seine gepflegten Hände, die so zärtlich sein konnten. "Nun sag schon", wiederholte sie mit einem Lächeln.

Marcus winkte ab. "Ach, die hat natürlich keine Namen genannt. Sie hat nur gemeint, dass es hier genügend Grobiane gibt, die rohe Sitten haben. Kerle, die ziemlich brutal sind."

"Wie ist die Frau eigentlich gestorben?"

"Die Hure?"

"Wer sonst?"

"Erwürgt." Er drückte die Zigarette in einem Zinn aschenbecher aus. "Sagt die Blumentante."

Gleich darauf erhob Marcus sich. Er streckte die Arme, wirkte gleichmütig und entspannt. Vera verfolgte seine lässigen, geschmeidigen Bewegungen, als er die Tasse auf die Spüle stellte und ohne ein weiteres Wort den Raum verließ. Gedämpft ertönten seine Schritte auf den Stufen, die nach oben

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