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Das Risiko der Perfektion von Kienast, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.07.2015
  • Verlag: Das Neue Berlin
eBook (ePUB)
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Das Risiko der Perfektion

Der Arbeiter Horst Reblaus und der Ingenieur Manfred Raddatz sind zum Angeln verabredet. Doch Reblaus wartet vergeblich auf seinen Freund. Die Polizei sieht in einer versäumten Verabredung aber keinen Grund für eine Suchaktion und so beschließt Reblaus schließlich selbst nach dem Rechten zu sehen. ln der Wohnung des Freundes findet er den Ingenieur- brutal ermordet. War es wirklich ein Raubmord oder gab es vielleicht noch andere Motive für die schreckliche Tat? Wolfgang Kienast (1939 - 2006) arbeitete als Fremdsprachenredakteur und Dolmetscher, bevor er in Leipzig am Johannes R. Becher Institut für Literatur studierte. Danach wirkte er am Meininger Theater und schrieb Theaterkritiken für die 'Thüringische Landeszeitung'. In Suhl gründete und leitete er ein Amateur-Puppentheater und war als Reiseleiter sowie als Schriftsteller tätig. Sein Kriminalroman 'Das Ende einer Weihnachtsfeier' wurde auf Betreiben des Generalstaatsanwaltes der DDR ab 1982 verboten und erst 1987 in stark zensierter Form veröffentlicht. Auch die Verfilmung durch die DEFA wurde gestoppt. 'Der Anspruch eines Kriminalromans, ideelle Substanz und Unterhaltsamkeit zu vereinen, hat Wolfgang Kienast, der sich zu DDR-Zeiten mit anspruchsvoll erzählten sozialkritischen Krimis einen Namen gemacht hat, wiederholt zur Gratwanderung zwischen Kriminal- und Gegenwartsroman und damit zu einer über den Fall hinausgehenden Ausweitung des Geschehens auf allgemeingesellschaftliche Bereiche herausgefordert.' (Reiner Hold)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 222
    Erscheinungsdatum: 15.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783360500953
    Verlag: Das Neue Berlin
    Größe: 2279 kBytes
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Das Risiko der Perfektion

Das, was sich etwas hochtrabend Sportkasino nannte, maß höchstens fünfundzwanzig Quadratmeter und war mit einer kleinen Theke, einem Stehtisch, fünf Tischen und etlichen Stühlen so vollgepfropft wie ein Möbelspeicher. Trotzdem fanden dort noch ein paar Dutzend Leute Platz. In Spitzenzeiten. Jetzt war von solch lebensgefährlichem Gedränge allerdings keine Rede. Vier spielten mit klappernden Würfeln Lügenmax und machten viel Geschrei, weil einer Sechserpasch angesagt und der Nächste übernommen hatte, schon ein an Dummheit grenzendes Risiko. Aber der trudelte sogar noch einen Max, worauf sich das Gebrüll zu einer Phonstärke steigerte, die den Mauern von Jericho gefährlich werden konnte. Indes schienen die Wände des Sportkasinos robuster, sie wiesen nur ein paar Risse im Putz auf.

Reblaus kam gerade herein und dachte, die Trommelfelle müssten ihm platzen. Er verachtete Würfelspiele, fand sie noch kindischer als Siebzehn und vier, geschweige denn, dass sie mit geistesbildenden Kartenspielen wie Skat und Klammern konkurrieren konnten. Sein Blick fiel auf das Angelzeug in der Ecke, und im Gedenken an die Bleie, Plötzen und womöglich sogar Aale, die im Fangschleuser Werlsee förmlich danach schrien, von ihm gelandet zu werden, verdüsterten sich seine Gedanken noch mehr. Das kam alles zusammen: die verpatzte Angelei, Mannes Verschwinden, der Ärger mit dem Ordnungshüter vom Revier 83 und das Krakeelen um Einunddreißig, Oma, Sechserpasch und Max, diese primitiven Tatwaffen, um Zeit totzuschlagen.

"Ihr solltet euch bei die Polizei bewerben, die brauchen sone Experten", brummte er missvergnügt und bestellte einen Gespritzten. Diesmal spürte er keine Skrupel bei der Respektlosigkeit gegenüber den Wächtern von Sicherheit und Ordnung. Das Sportgelände war exterritoriales Gebiet mit eigenen Gesetzen, höchstens dass mal der ABV hereinschaute, sei es, um mahnend auf eine ruhebedürftige Nachbarschaft hinzuweisen, eher jedoch, um zu sehen, wie die Blau-Weißen jeden Gegner zerpflückten und in den Staub rieben. Das Gelände entbehrte aller Vorzüge gepflegter Sportplätze. Vielmehr entsprach es den Merkmalen seines Sportkasinos; es war klein und eng, zusammengepfercht zwischen den Hinterfassaden vierstöckiger Mietskasernen. Statt eines grünen Rasens gab es schwarzen Sand, statt Ozon Staubwolken und statt ungestörten Spiels und Sports Klagen wegen Lärmbelästigung von den Anwohnern.

"Ick gloobe, man muss die Bullen da hintraren, wo se rinkieken soll'n. Anders kricht man se nich in Bewegung", setzte Reblaus den Punkt aufs i. Er betrachtete leicht versöhnt den Gespritzten, den Achim, der ehrenamtliche Wirt, vor ihm hingestellt hatte. Ein Gespritzter war eine vierstöckige Emulsion völlig unverträglicher geistiger Getränke: zwei Teile Wodka und je ein Teil Kirsch und Boonekamp.

Genießerisch nahm Reblaus den ersten Schluck, und seine Laune besserte sich etwas.

"Haben sie dir deine Frau geklaut?", fragteAchim mitfühlend.

"Nee, uff die Idee kommt keener. 'n Jauner hat nie wirklich jute Einfälle." Reblaus schaute durchs Fenster auf den Platz hinaus, wo sich zwei Rudel Freizeitkicker tummelten. Ein Bums mit der Pike und alle hinterher. Das hatte mit dem gepflegten Blau-Weiß-Stil in der zweiten Kreisklasse wenig zu tun.

"Ick suche Manne. Is weg. Einfach weg."

"Und du suchst 'n mit der Polizei. Du hast se nicht nur nicht alle im Schrank, sie sind auch samt und sonders zerbrochen."

Diese einwandfrei formulierte Rede und der Gespritzte bewirkten, dass Reblaus' Sorge sich in stille Wut gegen Manne wandelte. Ihm ging plötzlich auf, dass so einer eher bei einem Weibsstück ins Bett geriet als in irgendeine andere Klemme. Manfred Raddatz war ein wirklich Freier. Er wurde ob seines ungebundenen Lebens von den Ehekrüppeln mehr oder weniger beneidet. Seine Mark war nicht bloß einen Fünfziger wert oder gar nur dreißig Pfennige. Er brauchte nicht strammzustehen wegen eines ausgedehnten Kn

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