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Das Rosenholzzimmer Roman von Romer, Anna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.08.2014
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Das Rosenholzzimmer

Als die Fotografin Audrey Kepler das verlassene Thornwood House im ländlichen Queensland erbt, ergreift sie sofort die Chance, ihrem hektischen Leben in Melbourne zu entkommen und einen Neustart zu wagen. In einem entlegenen Zimmer des alten, aber noch immer prächtigen Hauses entdeckt sie die verblasste Fotografie eines gutaussehenden Mannes. Wie sie bald herausfindet, handelt es sich um Samuel Riordan, den vormaligen Besitzer von Thornwood House, und Audreys Interesse ist geweckt. Schließlich erfährt sie, dass Samuel beschuldigt wurde, kurz nach dem Krieg eine junge Frau ermordet zu haben, was Audrey nicht glauben will. Doch als sie immer tiefer in Samuels Geschichte eintaucht, hat Audrey die böse Ahnung, dass der Mörder von damals noch lebt. Und dann droht sich ihr Verdacht auf gefährliche Weise zu bestätigen ... Anna Romer wuchs in New South Wales in einer Familie von Büchernarren und Geschichtenerzählern auf, weshalb sie sich schon früh für Literatur zu interessieren begann. Sie arbeitet als Grafikerin und hat lange Reisen ins australische Outback, nach Asien, Neuseeland, Europa und Amerika unternommen, wo sie viel Stoff sammelte, den sie in ihren Bildern und Texten verarbeitet. Bereits ihr erster Roman "Das Rosenholzzimmer" lebte von ihrer Faszination für vergessene Tagebücher und Briefe, dunkle Familiengeheimnisse und alte Häuser und ihrer Liebe zur einzigartig schönen australischen Landschaft. Die Autorin lebt in einem abgelegenen Landsitz im nördlichen New South Wales, wo sie an ihrem nächsten Roman schreibt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 576
    Erscheinungsdatum: 25.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641142735
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Thornwood House
    Größe: 3055 kBytes
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Das Rosenholzzimmer

1

Audrey, September 2005

D er Himmel über dem Friedhof hing voller Gewitterwolken. Es war erst Nachmittag, doch es wurde bereits dunkel. Eine große Schar von Trauergästen stand im Schutz einer alten Ulme auf dem grasbewachsenen Abhang. In den oberen Ästen wuselte ein unruhiger Schwarm schwarzer Vögel, deren Schreie die Stille durchbrachen.

Krähen. Dunkelheit. Tod.

Das hätte Tony gefallen.

Ich schluckte und wünschte, ich wäre woanders, nur nicht hier, im Regen, in einem geliehenen schwarzen Kleid, und nähme schweigend Abschied von dem Mann, den ich einmal zu lieben glaubte.

Bronwyn stand neben mir. Vor dem dunkelblauen Kleid hoben sich ihr blondes Haar und die helle Gesichtshaut umso stärker ab. Sie war elf, groß für ihr Alter, und auffallend hübsch. Sie hielt einen Regenschirm über unsere Köpfe, mit schmalen blassen Fingern umklammerte sie den Griff.

Trotz des Regens, der Blicke und der gedämpften Stimmen hinter uns war ich froh, dass wir gekommen waren. Egal, was sie sagten, Tony hätte es gewollt.

Der Sarg schwebte an unsichtbaren Drahtseilen über dem Grab. Seitlich davon lag ein Teppich aus Kunstrasen über einem Haufen Erde, mit der man anschließend das Loch wieder zuschütten würde. Riesige Kränze aus weißen Lilien und scharlachroten Flamingoblumen bedeckten den Boden. Sie sahen teuer aus; daneben wirkten meine selbst gepflückten Rosen irgendwie unpassend.

Alles glänzte im Regen: die Messinggriffe des Sargs, die Lilienkränze, die zusammengedrängten Schirme, ja sogar die Glatze des Priesters, der jetzt die Bibel zitierte: "Tief drunten vom Boden her sollst du reden und gebeugt aus dem Staub hervor sprechen, deine Stimme soll der eines Gespenstes aus der Erde gleichen und deine Rede aus dem Staub hervorflüstern."

Diese uralten Worte wurden durch den Regen gedämpft und mit einer derartigen Feierlichkeit ausgesprochen, dass sie aus einer anderen Zeit zu kommen schienen. Wäre es doch nur wahr! Könnte Tony jetzt zu mir sprechen und erzählen, was ihn in diesen letzten verzweifelten Tagen gequält hatte.

Ein Blitz zuckte quer über den Himmel, dann folgte ein grollender Donner. Die Krähen flogen von den Zweigen auf und flatterten davon.

Bronwyn drückte sich an mich. "Mum?" In ihrer Stimme erkannte ich Panik.

Der Flaschenzug, der den Sarg hielt, setzte sich in Bewegung. Die lange schwarze Kiste senkte sich. Ich ergriff Bronwyns Hand, und wir rückten enger zusammen.

"Alles wird wieder gut, Bron", versuchte ich, sie zu beruhigen, doch meine Worte klangen schrill und falsch. Wie sollte je wieder alles gut werden?

Ich brauchte etwas, woran ich mich klammern konnte. Tonys Gesicht, wie ich es am liebsten in Erinnerung behalten würde – seine erhitzten Wangen, sein dunkles Haar, das nach allen Seiten abstand, seine leuchtenden saphirblauen Augen, als er das winzige Bündel seiner neugeborenen Tochter auf dem Arm anstarrte.

"Sie ist so schön", hatte er gemurmelt. "So schön, dass ich mich nicht traue, den Blick von ihr abzuwenden."

Bronwyn zog mich näher an den Rand des Grabes, und zusammen sahen wir auf den Sarg herab. Es war unfassbar, dass ein Mann, der das Leben so sehr liebte, nun im Regen auf dem morastigen Grund lag. Undenkbar, dass ausgerechnet er so leicht aufgegeben hatte.

Bronwyn küsste das Päckchen, das sie für ihren Vater gemacht hatte, und ließ es auf den Sargdeckel fallen. Darin befanden sich ein Brief an ihn, eine Schachtel mit seinen Lieblingslakritzen und der Schal, den sie ihm zum Geburtstag gestrickt hatte. Ich hörte, wie sie etwas f

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