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Das süße Lied des Todes Clara Annerson ermittelt. Kriminalroman von Wagner, Alex (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.09.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Das süße Lied des Todes

Eigentlich wollte Clara Annerson in Kitzbühel nur ein paar erholsame Tage verbringen. Doch selbst im noblen Grandhotel ist ihre Schnüfflernase gefragt: Ein angeblicher Berggeist stiftet Unruhe unter den Gästen. Bloß ein harmloser Scherz? Clara ahnt sofort, dass mehr dahinterstecken muss. Tatsächlich stößt sie bei ihren Ermittlungen auf einen überaus verdächtigen Todesfall. Und schon bald muss sie der Wahrheit ins Gesicht schauen: Der Mörder hat es ganz persönlich auf sie abgesehen ... Alex Wagner, geb. 1972, lebt in Wien. Ursprünglich Betriebswirtin, experimentierte sie sich durch die Jobwelt - von Private Banking und Versicherungsvertrieb über Coaching und Hypnose bis zum Weltretten bei Greenpeace. Das süße Lied des Todes ist ihr zweiter Kriminalroman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 285
    Erscheinungsdatum: 30.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732572373
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 3993 kBytes
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Das süße Lied des Todes

Das Schiller Grand Hotel war vor über hundert Jahren von Marions Vorfahren erbaut worden, die zuvor ein Vermögen im Silberbergbau gemacht hatten. Das jedenfalls erzählte sie mir auf der Rückbank ihres Mercedes Jeeps. Gelenkt wurde der Wagen von Marions persönlichem Assistenten, einem gewissen Daniel Crane. Der gute Mann schien den Jeep mit einem Ferrari zu verwechseln und 190 km/h auf der Autobahn als entspannte Reisegeschwindigkeit zu empfinden. Ich klammerte mich an den Türgriff und vermied es, auf die Straße zu sehen, während Daniel Crane lässig mit einem Arm am Fenster lümmelte und mit lediglich drei Fingern der anderen Hand den Wagen steuerte.

Außerdem erfuhr ich, dass Marion auch privat im Hotel wohnte und zahlreiche weitere Hotels besaß. Die Schiller-Grand-Hotel-Kette zählte mittlerweile dreiundvierzig Niederlassungen, die über den gesamten Erdball verstreut waren, von Oslo bis Muskat, von Peking bis Rio de Janeiro.

"Ich fahre übermorgen nach Kitzbühel zurück. Da kann ich Sie doch gleich mitnehmen", hatte Marion mir in Wien erklärt, nachdem ich ihre Einladung angenommen hatte. "Das ist bequemer als mit dem Zug."

Während der Fahrt bestätigte sie den ersten Eindruck, den ich von ihr gewonnen hatte: Sie war eine erstaunlich geduldige Zuhörerin. Teilweise fühlte ich mich wie auf der Couch einer Psychiaterin, nur dass die Couch im Höllentempo zwischen LKW s und Touristenbussen über die Autobahn jagte. Marion ließ sich von mir geduldig alles über meine Beziehung zu Raffael erzählen, solange bis ich es selbst nicht mehr hören konnte. Ich an ihrer Stelle hätte mich weinerliches, in Selbstmitleid zerfließendes armes Opfer schon zwanzig Kilometer nach Wien auf dem Pannenstreifen ausgesetzt.

Kurz vor Salzburg gelang es mir endlich, mich zusammenzureißen und das Thema zu wechseln. Ab da sprachen wir über aktuelle Thriller und persönliche Lieblingsautoren - worüber ich zum Glück in jeder Gemütslage plaudern konnte.

Marion Schiller war eine belesene und sehr kluge Frau, das wurde mir rasch klar. Ich mochte sie. Vielleicht hatte mir der Verlust meines Geliebten zumindest eine neue Freundin eingebracht. Kein Tausch, den ich freiwillig gemacht hätte. Aber auf lange Sicht war eine gute Freundin wertvoller als jeder Mann - das behaupten zumindest die Frauenzeitschriften.

Das Schiller Grand Hotel lag südlich von Kitzbühel. Es thronte hoch oben auf einem bewaldeten Hang und bot einen spektakulären Blick über die Stadt tief unten im Tal und die schneebedeckten Berggipfel in der Ferne.

Ich hatte einen pompösen Kasten im Alpenschick erwartet, aber das Haus entpuppte sich als architektonische Kühnheit allererster Güte: ein gut hundertfünfzig Meter langes, dreistöckiges Ensemble mit viel dunklem Holz und tiefhängenden Dächern, wie sie bei Tiroler Bauernhäusern üblich waren - aber das war es dann auch schon mit den traditionellen Anklängen. Zwischen den Holzelementen funkelten Stahl und Glas, die wie aus einem Science-Fiction-Film anmuteten, und über Teile des Erdgeschosses rankte sich Efeu. Eine postmoderne Zurück-zur-Natur-Idylle. Vor dem Hotel erstreckte sich eine Panoramaterrasse mit Lounge-Möbeln und weißen Sonnensegeln, die Rückseite des Hauses bildete die Felswand, in die es hineingebaut war.

"Ich kümmere mich um Ihre Suite und lasse Ihren Koffer auspacken", sagte Daniel Crane im vollendeten Kammerdiener-Tonfall und griff nach meinem Gepäckstück, einem gut fünfzehn Jahre alten Lederkoffer, der mir mit seinen abgewetzten Ecken und Kanten auf einmal sehr schäbig vorkam. Ich hatte nicht damit gerechnet, hier wie ein Staatsgast empfangen zu werden. In meinem ganzen Leben hatte noch niemand zu mir gesagt, er lasse meinen Koffer auspacken .

Für einen Sekretär besaß Daniel Crane bemerkenswert muskulöse Arme, aber sein gut sitzender Anzug und der perfekte Scheitel verliehen ihm eine gewisse Eleganz. "Sie möchten bestimmt erst einmal

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