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Das Tizian Komitee Kriminalroman von Pears, Iain (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.11.2017
  • Verlag: Fahrenheit
eBook (ePUB)
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Das Tizian Komitee

Ein neuer Fall für das erfolgreiche Team des römischen Kunstraubdezernats Der schlaue Taddeo Bottando, seine schöne Assistentin Flavia di Stefano und der verklemmte britische Kunsthistoriker Jonathan Argyll. Geld spielt keine Rolle bei der Tagung des Tizian-Komitees in Venedig. Die Kunstexperten beschäftigen sich mit Tizian Gemälden und solchen, die dafür gehalten werden. Und sie beschäftigen sich mit Neid und Eifersuchteleien untereinander. Als ein Gärtner eine der Professorinnen ermordet in einem Blumenbeet auffindet, greift das erfolgreiche Team des römischen Kunstraubdezernats ein: Taddeo Bottando, Flavia di Stefano und der britische Kunstistoriker Jonathan Argyll. Schließlich gilt es, die Ehre Tizians zu retten! Iain Pears, geboren 1955 in Coventry ist ein englischer Kunsthistoriker und Schriftsteller. Neben seinen journalistischen Arbeiten entstand mit der Zeit ein literarisches ?uvre, das vom Publikum wie auch von der offiziellen Literaturkritik immer wieder gelobt wurde. Er lebt mit seiner Familie in Oxford.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 213
    Erscheinungsdatum: 02.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492983259
    Verlag: Fahrenheit
    Größe: 1358 kBytes
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Das Tizian Komitee

1

Es war der Gärtner der Giardinetti Reali, der die Entdeckung machte, ein alter, gebeugter Mann, dessen Arbeit kaum Beachtung findet, nicht einmal bei den Horden von Touristen, die jahraus, jahrein inmitten seiner Kreationen ihre Sandwiches essen und sich dabei vom Übermaß architektonischer Großartigkeit erholen.

Trotz der mangelnden Wertschätzung war der alte Mann besessen von seiner Arbeit, und das machte ihn zur Ausnahmeerscheinung. Venedig ist nicht gerade für seine Naturbegeisterung bekannt, im Gegenteil: Die Geschichte der Stadt ist bestimmt vom Zwang zum Kampf gegen die Elemente. Ein Blumentopf am Fenster ist für den Durchschnittsvenezianer das Äußerste an Naturgenuß. Die meisten können kein Stückchen freies Feld sehen, ohne sich vorzustellen, wie hübsch es sich unter einem Steinpflaster machen würde. Wer etwas anbauen will, muß aufs Festland gehen, echte Venezianer graben keine Löcher.

Der Gärtner zählte sich deshalb zu einer kleinen und in gewisser Weise sogar verfolgten Minderheit. In seiner Obhut lagen einige Hektar Garten zwischen der Piazza San Marco und dem Canal Grande. Er mußte Blumenbeete umgraben, den Rasen mähen, Bäume pflegen und zuschneiden und das Meerwasser in Schach halten - das alles mit wenig Hilfe und noch weniger Geld. Aber der Samstag sollte sein großer Tag werden. Die Stadt hatte ihm persönlich aufgetragen, Blumen für ein großes Bankett zu liefern, das an diesem Abend auf der Isola San Giorgio stattfinden sollte. Er würde ihnen seine schönsten geben, drei Dutzend Lilien, die er seit Monaten in einem seiner kleinen Gewächshäuser heranzog. Sie würden Bewunderung ernten und er Lob. Ein großer Tag.

Es war viel zu tun: die Blumen abschneiden, sie zurechtstutzen und sorgfältig jede einzeln einwickeln, und sie dann abschicken, damit sie ein Teil jenes wundervollen Arrangements werden konnten, das - da war er sich ganz sicher - an diesem Abend alle bestaunen würden. Also stand er früh auf, kurz nach sechs, stürzte einen Kaffee und ein Glas Acqua Vite hinunter, um den Kreislauf in Schwung zu bringen, und machte sich dann im feuchtkalten Spätherbstwetter an die Arbeit. Obwohl er fror und auch noch nicht ganz wach war, spürte er doch eine gewisse Vorfreude, als er sich dem Gewächshaus näherte, das sich aus dem zu dieser Tages- und Jahreszeit vom Meer hereinziehenden Nebel erhob.

Allerdings nur, bis er die Tür öffnete und die zerdrückten und zertretenen Überreste der Blumen sah, die er so sorgfältig gepflegt hatte. Die erlesenen Kreationen, die er am Vorabend zurückgelassen hatte, existierten nicht mehr. Er traute seinen Augen nicht. Und dann entdeckte er mitten unter den Blumen die zusammengerollte Gestalt eines betrunkenen Nachtschwärmers, der offensichtlich für die Zerstörung verantwortlich war.

Er versuchte, sich zu beherrschen, doch er konnte es nicht und machte seinem Ärger Luft, indem er dem Schuft einen wohlplazierten Tritt versetzte. Eine Frau. In meiner Jugend haben die Frauen wenigstens noch gewußt, was schicklich ist, dachte er verbittert. Aber heutzutage... "Raus da, verdammt noch mal! Wachen Sie auf! Schauen Sie, was Sie angerichtet haben!" rief er wütend.

Keine Reaktion. Er schob die Spitze seines Fußes unter die bewußtlose Gestalt und drehte sie um, damit er diese gemeine, zerstörerische Person wirkungsvoller beschimpfen konnte. "Madonna", entfuhr es ihm statt dessen, und er lief davon, um Hilfe zu holen.

"Mord", sagte Generale Taddeo Bottando mit einem dämonischen Grinsen auf dem Gesicht. "Mord", wiederholte er und hatte offensichtlich Vergnügen an dem Wort und an der Reaktion seiner Assistentin, die ihm in seinem sonnendurchfluteten Büro im Zentrum Roms gegenübersaß. "Blutig und grausam", fügte er hinzu, um jedes Mißverständnis auszuschließen, und faltete die Hände vor seinem vorstehenden Bauch.

Es war Sonntag, der Tag, nachdem der venezianische Gärtner die Verwüstung seiner Blumen entdeckt hatte. N

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