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Das verborgene Zimmer Roman von Riordan, Kate (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2020
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)

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Das verborgene Zimmer

Als Sylvie Durand einen Brief erhält, der sie auf das verlassene Anwesen ihrer Familie in der Provence zurückruft, weiß sie, dass sie gehen muss. Mitten in einem schwülen Sommer voller Hitzewellen und verheerender Brände auf dem Land reist die alleinerziehende Mutter mit ihrer jüngsten Tochter Emma im Schlepptau nach »La Rêverie«. Dabei wollte sie Emma doch unter allen Umständen von diesem Ort fernhalten ... Zurück im alten Zuhause kommen Erinnerungen hoch: Über dem Haus schwebt bedrohlich der Geist von Élodie, Sylvies erstem Kind. Élodie mit dem goldenen Haar. Élodie, die genau wusste, wie sie bekam, was sie wollte. Élodie, über die im Dorf immer noch getuschelt wird. Während Sylvie sich in den Gedanken an das, was mit Élodie im Sommer vor zehn Jahren passierte, zu verlieren droht, gerät die Situation in »La Rêverie« mehr und mehr außer Kontrolle ... Kate Riordan erzählt von einer Mutter, die gegen die Schatten ihrer Vergangenheit kämpft - um zu retten, was sie liebt. >Das verborgene Zimmer< ist ein hochspannender Roman, der niemanden kalt lassen wird.

Kate Riordan ist freie Journalistin und schreibt u. a. für den Guardian und Time Out. Auf Deutsch erschienen bisher die Romane >Im Spiegel ferner Tage< (2015) und >Die Sanduhr unserer Liebe< (2017).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 01.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832170554
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: 'The Heatwave'
    Größe: 1582 kBytes
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Das verborgene Zimmer

1993

Als du ins Arbeitszimmer kommst, sortiere ich gerade alte Bücher aus - größtenteils vergilbte Taschenbücher, die ich bestimmt nie wieder lesen werde. Staubpartikel schweben und wirbeln in unsichtbaren Strömen durch die Luft. Ich bin schon den ganzen Nachmittag hier drin; es hat allein schon Stunden gedauert, die alten Briefe meines Vaters durchzugehen und in Mülltüten zu stecken.

»Mum?«

Ich greife mir an die Brust. »Meine Güte, hast du mich erschreckt. Ich war gerade ganz woanders.«

Du kratzt an einem Mückenstich, wirkst irgendwie abwesend. »Können wir spazieren gehen oder so?«

Ich werfe einen Blick zum Fenster und sehe, dass es schon Abend ist. Da fällt mir auf, dass ich bereits eine ganze Weile die Augen zusammenkneifen muss, um die Titel auf den Buchrücken lesen zu können.

»Alles in Ordnung? War bestimmt langweilig heute, so ganz alleine.« Ich folge dir in die Küche, wo der uralte Kühlschrank laut vor sich hin brummt. »Em?«

»Nein, ich wollte nur ...« Du unterbrichst dich, und deine Nägel drücken sich fest in den Stich. Ich ziehe deine Hand sanft weg und widerstehe dem Drang, nach deinem Kinn zu greifen, dein Gesicht nach oben zur Lampe zu drehen und dich noch einmal zu fragen, ob mit dir alles in Ordnung ist, ob du dich an irgendwas erinnert hast.

Die Atmosphäre zwischen uns oder um uns herum, da bin ich mir nicht ganz sicher, wird leichter, als wir den Garten hinter uns lassen. Die Felder rings um das Haus gehörten früher einmal zu La Rêverie, aber mein Vater hat das letzte Stück Land noch kurz vor seinem Tod verkauft. Es gehört inzwischen seit über zwanzig Jahren Laurent, und die Carignan-Trauben, die er Ende der Siebziger gepflanzt hat, sehen prall und gesund aus. Genau wie in meiner Erinnerung liegen die Reben unter der tief stehenden Sonne wie breite, gewundene Bänder in Braun und Grün.

»Du hast doch dein Skizzenbuch dabei, oder?«

»Ja, warum?«

»Ich meine nur, du könntest hier draußen ja ein bisschen zeichnen, oder im Garten. Von da drüben hat man einen guten Blick aufs Haus.« Ich deute in die Richtung und schäme mich für meinen eifrigen Ton. Du schaust nicht einmal hoch. Seit ein paar Jahren weiß ich nie, welche Seite von dir im nächsten Moment zum Vorschein kommt, ob ich dich gleich einfach nur überreden oder richtig anbetteln muss.

»Vielleicht«, sagst du.

»Wenn du Lust hast, könnten wir ja auch nach einem richtigen Kunstkurs für dich suchen, wenn wir wieder zu Hause sind.«

Du überlegst kurz, dann strahlst du mich an; die Sonne kommt wieder zum Vorschein. »Echt? Das wäre cool. Laura geht dienstagabends immer zu einem Kurs. Kann ich da auch hin?«

»Wenn es nicht zu teuer ist.«

»Kann ich sie nachher anrufen? Dann kann ich fragen, was es kostet.«

Ich nicke, und du hakst dich bei mir unter.

»Also, warum wolltest du rausgehen, chérie?«, frage ich nach einer Weile vorsichtig. »Ich kann mich nicht erinnern, dass du jemals freiwillig spazieren gehen wolltest. Was hast du mit meiner Tochter gemacht?«

Der Scherz verunglückt irgendwie, und du ignorierst ihn, löst dich von mir und bist wieder ganz verschlossen.

»Emma?«

»Weiß nicht. Hab mich heute Nachmittag irgendwie komisch gefühlt. Als ich mit Kopfhörern am Pool gelegen hab, dachte ich immer mal wieder, dass jemand mit mir redet, aber wenn ich die Musik dann ausgemacht hab ...« Du trittst mit der Fußspitze in die Erde, und ich biege auf den Weg, der um das Feld herum führt.

Ich berühre dich leicht am Arm. »Wahrscheinlich weil wir gestern über Geister gesprochen haben. Ich war als Kind genauso. Ich hatte auch ständig ein komisches Gefühl wegen solcher Sachen. Camille hat immer die Augen verdreht und gesagt, ich sei total dramatisch.«

Am anderen Ende des Feldes verwandelt sich eine verschwommene Gestalt beim Näherkommen in Laurent. Sein Bart ist grau melie

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