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Das verlorene Gedicht Die Kincaid-James-Romane 5 - Roman von Crombie, Deborah (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.01.2013
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Das verlorene Gedicht

Was steckt hinter dem Selbstmord der Lyrikerin Lydia Broke?

Fünf Jahre nach dem Tod der Autorin wird Inspektor Duncan Kincaid wider seinen Willen in neue Nachforschungen verwickelt. Denn seine Ex-Frau Vic, Englischdozentin in Cambridge, glaubt fest an Mord und bittet ihn um Beistand.

Als sie wenig später selbst umgebracht wird, verwandelt sich das ganze für Kincaid in einen Fall von höchst persönlichem Interesse...


Deborah Crombies höchst erfolgreiche Romane um Superintendent Duncan Kincaid und Inspector Gemma James von Scotland Yard wurden mit dem »Macavity Award« ausgezeichnet und für den »Agatha Award« und den »Edgar Award« nominiert. Die Autorin lebt mit ihrer Familie im Norden von Texas, verbringt aber viel Zeit in England, wo ihre Romane angesiedelt sind.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 31.01.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641105761
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Dreaming of the Bones
    Größe: 4142 kBytes
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Das verlorene Gedicht

1

Wo Schönheit zu Schönheit kommt, nackt und rein,

ist die Erde süß von Tränen, und flirrend klar die Luft,

die wirbelnd, schwindelnd dich erfaßt, mit leisem, trunkenem Lachen;

und alles verschleiert, das kommen mag, später ... später

 

RUPERT BROOKE
aus: 'Schönheit zu Schönheit'

Die Post glitt durch den Briefschlitz, ergoß sich auf den Fliesenboden des Flurs mit einem Rascheln wie Wind im Bambuswald. Lydia Brooke hörte das Geräusch im Frühstückszimmer. Sie hielt die Tasse mit beiden Händen. Der Tee war längst kalt geworden, doch sie blieb sitzen, unfähig, sich zwischen den nichtigen Tätigkeiten zu entscheiden, die ihren Tagesablauf bestimmen sollten.

Durch die gläserne Flügeltür am anderen Ende des Raumes konnte sie die Buchfinken beobachten, die unter den gelben Kaskaden der Forsythien auf der Erde pickten, und versuchte stumm, das Bild in Worte umzusetzen. Für sie eine Gewohnheit, fast so selbstverständlich wie das Atmen: die Suche nach Sprachbild, Metrum, Rhythmus. Aber an diesem Morgen wollte es nicht gelingen. Sie schloß die Augen und hob ihr Gesicht der schwachen Märzsonne entgegen, die schräg durch die hochliegenden Fenster des Zimmers mit der gewölbten Decke fiel.

Morgan und sie hatten sein kleines Erbe dazu benutzt, diesen Küchen- und Eßtrakt an das viktorianische Reihenhaus anzubauen. Er ragte in den rückwärtigen Garten hinein, bestand ganz aus Glas, klaren Linien und hellem Holz, ein Monument gescheiterter Hoffnungen. Ihre Pläne für die Modernisierung des restlichen Hauses waren irgendwie in der Realität untergegangen. Die Wasserleitungen leckten noch immer, die Tapete mit dem Rosenmuster löste sich von den Dielenwänden, die Risse im Verputz platzten auf wie brüchige Adern, die Heizung zischte und rumpelte wie ein unterirdisches Ungeheuer. Lydia hatte sich an die Mängel gewöhnt, hatte einen fast bizarren Trost darin gefunden. Das alles bedeutete, daß sie klarkam, daß sie sich arrangiert hatte, und das war es schließlich und endlich, was von einem erwartet wurde, auch wenn jeder bevorstehende Tag wie eine trostlose Wüste vor ihr lag.

Sie schob ihre Tasse mit dem kalten Tee von sich und stand auf, zog den Gürtel ihres Bademantels enger um ihre schmale Taille und lief barfuß zum vorderen Teil des Hauses. Die Fliesen unter ihren nackten Fußsohlen waren sandig, und sie zog die Zehen ein, als sie in die Hocke ging, um die Post aufzuheben. Ein Umschlag wog den gesamten Rest auf. Das förmliche braune Kuvert trug den Absender ihres Anwalts. Sie warf die übrigen Briefe in den Korb auf dem Dielentisch und fuhr mit dem Daumen unter die Lasche des Umschlags, um ihn zu öffnen.

Von der Hülle befreit, glitt die dicke Urkunde in ihre Hand, und ihr Blick fiel automatisch auf die Worte 'In der Scheidungssache Lydia Lovelace Brooke Ashby gegen Morgan Gabriel Ashby ...' Sie erreichte den unteren Treppenabsatz und hielt inne, während ihr Gehirn eine Formulierung aus dem juristischen Kauderwelsch herauspickte ... Scheidungsantrag am heutigen Tag stattgegeben ... Die Seiten entglitten ihren gefühllosen Fingern, und es schien ihr, als segelten sie zu Boden wie Federn im Wind.

Sie hatte gewußt, daß es kommen würde, hatte sich gewappnet geglaubt. Jetzt erkannte sie mit niederschmetternder Klarheit, wie hohl und heuchlerisch ihre Tapferkeit gewesen war - die Schale der Akzeptanz so dünn wie der Algenfilm auf einem Weiher.

Nach endlosen Augenblicken begann sie langsam, mühsam die Treppe hinaufzusteigen, und ihre Waden und Oberschenkel schmerzten unter der Last jedes Schritts. Im ersten Stock stützte sie sich wie betrunken an der Wand ab und ging ins Badezimmer.

Sie fröstelte und atmete flach. Sie machte die Tür hinter sich

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