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Das Vermächtnis von Silva, Daniel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.09.2020
  • Verlag: HarperCollins
eBook (ePUB)
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Das Vermächtnis

Ein zwölfjähriges Mädchen wird auf ihrem Schulweg brutal entführt. Gabriel Allon, legendärer Agent und mittlerweile Leiter des israelischen Geheimdienstes, wird um Hilfe gebeten. Und zwar von niemand Geringerem als Khalid bin Mohammed, dem saudischen Kronprinzen. Vom Westen ursprünglich als Hoffnungsträger gefeiert, betrachtet Gabriel ihn jedoch nicht erst seit dem Bekanntwerden seines skrupellosen Vorgehens gegen Kritiker mit Argwohn. Es gibt in seinem Land viele, die bin Mohammed die neue Macht neiden, und noch mehr, die an den alten fundamentalistischen Wegen festhalten wollen. Angesichts seines eigenen tragischen Verlustes entschließt Gabriel sich, zu helfen, aber nicht zu vertrauen. Und so beginnen die ungleichen Partner mit der Jagd auf die Entführer.


»Es war schwer vorstellbar, dass Silva sich nach Der russische Spion selbst übertreffen könnte doch ihm ist genau das gelungen.«
The Real Book Spy



Daniel Silva ist der preisgekrönte SPIEGEL-Bestsellerautor von 21 Romanen, darunter Die Attentäterin und Der Drahtzieher. Seine Bücher sind weltweit von Kritikern gelobte Bestseller und erscheinen in über 30 Sprachen. Er lebt mit seiner Frau, der TV-Journalistin Jamie Gangel, und ihren beiden Zwillingen Lily und Nicholas in Florida. www.danielsilvabooks.com

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 22.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959675802
    Verlag: HarperCollins
    Serie: Gabriel Allon 19
    Originaltitel: The New Girl
    Größe: 2799 kBytes
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Das Vermächtnis

1
GENF

Es war Beatrice Kenton, die die Identität der neuen Schülerin als Erste infrage stellte. Das tat sie im Lehrerzimmer, um Viertel nach drei an einem Freitag Ende November. Wie an den meisten Freitagnachmittagen war die Stimmung ausgelassen und leicht rebellisch. Es wird niemanden überraschen, dass keine Berufsgruppe das Ende der Arbeitswoche begeisterter begrüßt als Lehrer - selbst Lehrer an Eliteschulen wie der International School in Genf. Geschwatzt wurde über Pläne fürs Wochenende. Beatrice beteiligte sich nicht daran, denn sie hatte keine, was ihre Kollegen nicht zu wissen brauchten. Sie war zweiundfünfzig, unverheiratet und hatte praktisch keine Angehörigen außer einer reichen alten Tante, die ihr jeden Sommer auf ihrem Landsitz in Norfolk Zuflucht gewährte. Ihre Wochenendroutine bestand aus einem Großeinkauf im Migros und einem Spaziergang am See zugunsten ihrer Taille, die sich wie das Universum ständig ausdehnte. Die erste Stunde am Montagmorgen war eine Oase in ihrem Leeren Viertel der Einsamkeit.

Die von einer längst eingegangenen Organisation zur Förderung von Multilateralismus gegründete Geneva International unterrichtete die Kinder des hiesigen Diplomatenkorps. Die Mittelschule, an der Beatrice Literatur und Aufsatz unterrichtete, besuchten Schüler aus über hundert Nationen. Die Lehrerschaft war ähnlich vielfältig zusammengesetzt. Der Personalchef gab sich große Mühe, um den Zusammenhalt des Lehrkörpers zu fördern - Cocktailpartys, Abendessen, zu denen jeder Gast eine Speise mitbrachte, Exkursionen -, aber im Lehrerzimmer setzte sich der alte Tribalismus immer wieder durch. Die Deutschen hockten mit Deutschen zusammen, die Franzosen mit Franzosen, die Spanier mit Spaniern. An diesem Freitagnachmittag war Miss Kenton außer der Geschichtslehrerin Cecilia Halifax die einzige anwesende britische Untertanin. Cecilia hatte eine wilde schwarze Mähne und vorhersehbare politische Überzeugungen, mit denen sie Miss Kenton bei jeder sich bietenden Gelegenheit beglückte. Cecilia vertraute Miss Kenton auch Einzelheiten der heißen Affäre an, die sie mit Kurt Schröder hatte, dem Birkenstock tragenden Mathegenie aus Hamburg, das eine gut bezahlte Position in der Industrie aufgegeben hatte, um Elfjährige in Mathematik zu unterrichten.

Das Lehrerzimmer lag im Erdgeschoss des Châteaus aus dem 18. Jahrhundert, das als Verwaltungsgebäude der Schule diente. Seine Bleiglasfenster führten auf den Innenhof hinaus, auf dem jetzt die privilegierten Schüler der Geneva International in deutsche Luxuslimousinen mit Diplomatenkennzeichen stiegen. Die redselige Cecilia Halifax hatte sich neben Beatrice gesetzt. Sie schwatzte irgendetwas von einem Skandal in London, in den der MI6 und eine russische Spionin verwickelt sein sollten. Beatrice hörte kaum zu. Sie beobachtete die neue Schülerin.

Wie gewöhnlich war sie bei diesem täglichen Exodus die Letzte: eine elfenhafte Zwölfjährige, bereits eine Schönheit, mit ausdrucksvollen braunen Augen und rabenschwarzem Haar. Zu Beatrices großem Bedauern gab es an der Geneva International keine Schuluniform, nur einen Dresscode, den einige Freigeister unter den Schülern ignorierten, ohne dass das offizielle Sanktionen nach sich gezogen hätte. Nicht jedoch die Neue. Sie war von Kopf bis Fuß in teure Wolle und Plaids gekleidet, wie man sie in der Burberry Boutique bei Harrods sah. Statt eines Nylonrucksacks trug sie eine Schultasche aus Leder. Ihre Ballerinas aus Lackleder glänzten makellos. Sie war proper, die Neue, und bescheiden. Aber sie hatte noch etwas anderes an sich, fand Beatrice. Sie war aus einem anderen Holz geschnitzt. Sie wirkte königlich. Ja, das war das richtige Wort. Königlich ...

Sie war einige Wochen nach Beginn des Schuljahrs im Herbst hergewechselt - nicht ganz ideal, aber an dieser Schule, deren Elternschaft wie die Wasser der Rhône fluktuierte, die natürlich

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