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Das Wasser so kalt von Jonuleit, Anja (eBook)

  • Erschienen: 21.04.2016
  • Verlag: Emons
eBook (ePUB)
9,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Online verfügbar

Das Wasser so kalt

Nomen ist nicht immer Omen. Das zumindest weiß Marie Glücklich sicher. Frisch verlassen, stellen- und mittellos, kehrt sie in ihre schwäbische Heimat zurück. Als eine alte Schulfreundin ihr einen Job vermittelt, lässt sie sich, wenn auch widerwillig, auf die Sache ein: Das Institut für Demoskopie in Allensbach sucht für eine Studie über den 'Einfluss des Internet auf die Partnersuche' allein stehende Männer und Frauen, die in einer Online-Kontaktbörse ein Inserat aufgeben. AAls Marie wenig später anonyme Anrufer erhält und in der Nähe ihres Hauses am Seeufer die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, ist sie allerdings nicht mehr sicher, ob es die richtige Entscheidung war.

Anja Jonuleit, 1965 in Bonn geboren, ist Übersetzerin und Dolmetscherin. Sie lebte und arbeitete in New York, Bonn, Rom, Damaskus und München. 1994 kehrte sie mit ihrer Familie an den Bodensee zurück. Sie ist Mutter von vier Kindern.

Produktinformationen

    Größe: 3591kBytes
    Reihe (Teil): Bodensee Krimi Bd.1
    Herausgeber: Emons
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 368
    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
    ISBN: 9783863586584
    Erschienen: 21.04.2016
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Das Wasser so kalt

Bleiweiß

Samstag, 21. Oktober

Wie lange war es her? Fünfzehn, siebzehn, achtzehn Jahre? Marie Glücklich blickte hinaus auf den See, der irgendwo in der Ferne mit einem bleiernen Himmel verschmolz. Dicke, schwere Tropfen fielen auf die Wasseroberfläche und sahen dabei aus wie Tausende und Abertausende winziger Zirkuszelte. Die Äste der alten Weide wurden von einer Bö erfasst, einzelne Blätter wirbelten in einem wilden Tanz durch die Luft. In Maries Kopf dröhnten dumpfe Stimmen, die ihr zuraunten: Du hast Schiffbruch erlitten und kommst zurückgekrochen, eine Verliererin.

Sie wandte sich ab, und ihr Blick fiel auf die Kartons, die überall im Zimmer herumstanden. Das also war ihr nach all den Jahren geblieben. Ein Dutzend Kisten und Kartons, ihre Bilder. Ein paar Möbel und ein altes Klavier. Sie bückte sich und öffnete einen der Kartons. Farben und Pinsel. Rasch schloss sie ihn wieder. Wie lange würde diese Blockade anhalten? Seit vier Wochen hatte sie keinen Pinsel mehr angerührt. War herumgetappt wie in einem dunklen Tunnel ohne Ausgang. Müde schlug sie die nächste Kartonklappe auf. Geschirr. Die blaue Tasse mit dem geflügelten Herz. Gestern, das war wie aus einem anderen Leben.

Spät in jener Nacht, nachdem Lorenz ein paar Sachen in einen Koffer gepackt und das Haus verlassen hatte, hatte Marie die Szene immer und immer wieder durchgespielt. So, wie sie im Nachhinein gerne reagiert hätte. Wie ein distanzierter Beobachter sieht sie sich selbst auf dem schwarzen Sofa, das rote Haar umrahmt in wilden Locken ihr Gesicht; entspannt zurückgelehnt sitzt sie da, die Beine untergeschlagen, ein Glas Rotwein in der Hand.

Da ist Lorenz, abwechselnd stehend und gehend, der nervös nach den richtigen Worten sucht, sich verhaspelt, wieder von vorne beginnt.

"Was ist los?", fragt Marie die Souveräne. Lässig, in sich ruhend.

"Ich ... ich muss mit dir sprechen. Es geht um uns." Lorenz, unsicher und stotternd. Schließlich bricht es aus ihm heraus: "Ich glaube, wir sollten uns eine Weile trennen."

"Wie bitte?" In Maries Stimme schwingt ein belustigter Unterton mit. Als könne sie das Gesagte auf keinen Fall ernst nehmen. Lorenz, der am Fenster steht, dreht sich um und wiederholt noch einmal denselben Satz, sicherer diesmal. Bestimmter. "Ich möchte mich von dir trennen. Eine Weile allein leben."

Marie die Souveräne blickt Lorenz direkt in die Augen und sagt ohne mit der Wimper zu zucken: "Keine schlechte Idee. Den Gedanken hatte ich auch schon."

Lorenz, wie vom Donner gerührt, fassungslos. Wird wieder unsicher.

"Wie? Diesen Gedanken hattest du auch schon ..."

Marie die Kalte geht nicht auf das Gestotter ein, stellt eine Gegenfrage. Denn wer fragt, führt.

"Hast du 'ne andere?" Nicht eine andere, nein, ' ne andere. Das ist cooler.

Lorenz der Verdatterte weiß nicht so recht, wie er reagieren soll.

"Ja ... ich meine, nein ..."

"Was denn nun? Beides geht ja wohl schlecht."

"Ich habe eine Frau kennengelernt, an der Akademie. Ich brauche ein wenig Abstand, um mir über meine Gefühle klar zu werden."

"Nun, den Abstand kannst du gerne bekommen. Wenn du wiederkommst, glaube nicht, mich noch hier vorzufinden." Ein eisiger Blick aus grünen Augen von Marie der Coolen.

Aber so war es nicht gewesen. Und wenn sie daran zurückdachte, wie es gewesen war, fühlte sie immer noch das Elend, diese klumpige Übelkeit in sich aufsteigen, die einen dazu treibt, sich zu erbrechen. Alles aus sich herauszukotzen. Ich möchte, dass wir uns eine Weile trennen. Eine Weile trennen. Trennen. Die Worte hallten, wi

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