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Das Wirtshaus in der Davert Eine Geschichte in sieben Gängen. abgeschmeckt mit Rezepten von Björn Freitag von Maaser, Eva (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2014
  • Verlag: Waxmann Verlag GmbH
eBook (ePUB)
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Das Wirtshaus in der Davert

Der Koch liegt tot mitten auf dem Küchentisch. Die sieben Gäste regen sich nicht groß darüber auf, sondern eher darüber, dass es nichts zu essen gibt. Wieso sind diese Leute überhaupt wie aus dem Nichts aufgetaucht? Was hat sie an diesem windigen Novemberabend in das verlotterte Gasthaus 'Zum Spökenkieker' in der gottverlassensten, spukhaftesten Gegend von ganz Westfalen verschlagen? Sie bleiben einfach, trinken am Kamin literweise Rotwein und erzählen all die Geschichten, in denen es um verrückte Leidenschaften, Gier, Eifersucht, plötzliche Todesfälle und immer, immer wieder ums Essen geht. Die haben doch was vor? Und ob die was vorhaben! Die tun nur so harmlos ... Björn Freitag war Mitglied der 'Jungen Wilden' und kocht seit 1997 in seinem Restaurant 'Goldener Anker' in Dorsten, das 2001 unter seiner Leitung mit einem Stern im Guide Michelin ausgezeichnet wurde; 2008 erhielt er 14 Punkte im Gault-Millau. Seit vielen Jahren ist Björn Freitag auch durch seine TV-Projekte bekannt, aktuell zu sehen u.a. als 'Der Vorkoster' oder in 'Freitag tischt auf'. Eva Maaser hat bisher zahlreiche historische Romane (zuletzt 'Die Rückkehr des Moorkönigs') und Kriminalromane veröffentlicht, die in Westfalen spielen. Sie lebt und arbeitet als freie Schriftstellerin in Steinfurt und hat den 'Spökenkieker' auf einer Wanderung durch die Davert entdeckt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 01.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783830950707
    Verlag: Waxmann Verlag GmbH
    Größe: 943 kBytes
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Das Wirtshaus in der Davert

DAS WIRTSHAUS IN DER DAVERT

Eine wild wuchernde Eibenhecke bedrängte das alte Gasthaus von zwei Seiten, und auf der Schlaglochpiste, die hundert Meter weiter mitten im Wald endete, wuchs schütteres Gras, das an die nachwachsenden Haare von Toten gemahnte. Es hatte ganz den Anschein, als führe der Weg hierhin, aber keinesfalls wieder zurück. Hier und da ragten Steine mit saftigen Moospelzen aus dem Gras und das eine oder andere, von Liebhabern schwüler Träume geschätzte Hexenei, aus dem sich in wenigen Stunden ein Prachtexemplar von Stinkmorchel erheben würde.

Rechts und links am Wegesrand umarmten sich Erlen, Pfaffenhütchen und Tollkirschen, dahinter kündeten ein paar schief stehende Schwarzpappeln verhalten fröhlich von einer wasser- und sumpfreichen Gegend, die Fledermäusen und Eulen idealen Unterschlupf bot und zudem eine Heimstatt für Nachtschattengewächse und alle Wesen war, die es feucht, kalt und schleimig mochten.

Nahe beim Haus lag ein korrekt aufgeschichteter, aber vor Jahren schon vergessener Holzstapel aus kurzgesägten Stämmen und moderte vor sich hin. Aus seinem Innern brachen leuchtende Schwefelporlinge hervor, und im Fäulnisgeruch dieser einsamen Idylle schwangen Aromen mit, an denen jeder ökologisch orientierte Giftmischer seine Freude gehabt hätte.

Aus der Ferne klang das Hämmern eines Waldarbeiters herüber, der mit spitzem Schnabel entweder eine geräumige Spechtwohnung in einem halbwegs morschen Baum einrichtete oder ein paar Maden für sein Abendmahl herausklopfte. Zwei grämliche alte Eichen bewachten den Eingang des Wirtshauses und unternahmen mit ein paar letzten bunt verfärbten Blättern den rührenden Versuch, Herbstgoldstimmung zu verbreiten.

Das Haus war eines dieser kaninchenbauartigen Gemäuer, an die Generationen von Besitzern mit keineswegs übereinstimmendem Geschmack Türmchen, Seitenflügel, Erker und jede Menge rustikale Kamine angeflickt hatten, so dass sich die Front weder einheitlich noch geschlossen darbot. Immerhin hatte sich der Eingang über viele Jahrzehnte hinweg an der gleichen Stelle behaupten können.

Obwohl auf den Buchstaben über der breiten Eichentür eine schillernde, glitschige Schicht aus Moos und Flechten klebte, ließ sich mit genügend Ausdauer im tröpfelnden Nieselregen die ein wenig lückenhafte Inschrift "ZU... SPÖK...NKIE..." entziffern. Wer den Blick dann senkte, entdeckte in der Tür ein kleines ovales Fensterloch mit Butzenscheibchen, das im Dämmerlicht wie ein gefleckter Krötenbauch schimmerte, und noch weiter unten eine nicht sehr fachkundig angebrachte Katzenklappe.

Auf der modrigen Fußmatte lagen fünf angelaufene, verschnörkelte Messingbuchstaben: ein M, zwei Es, ein K und ein R.

Schon von draußen hörte man ein hohl klingendes Ticken, und war man eingetreten, fiel der Blick sofort auf die behäbige Standuhr, die sich mit breit auseinanderstehenden Klauenfüßen wie ein Betrunkener mühsam in der Senkrechten zu halten suchte. Zunächst einmal überraschte die Weitläufigkeit dieser Diele, in der es nach Staub und Mäusekötteln roch.

Schräg gegenüber dem unbesetzten Empfangstresen befand sich ein wackliger Garderobenständer aus ineinandergesteckten Hirschgeweihen, die aus einem bestimmten Blickwinkel wie ein menschliches Gerippe aussahen, das sich selbstherrlich in die Brust warf. Ansonsten war die Halle so gut wie unmöbliert, wirkte aber dadurch umso gediegener. Nur drei angestaubte Sessel mit stark verblichenem Bezug duckten sich in der Nähe der in den oberen Stock führenden Treppe um ein Tischchen mit gedrechselten Beinen. Und natürlich fiel jedem die schneewei&szli

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