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Denn du gehörst mir Roman von Lythell, Jane (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.12.2014
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Denn du gehörst mir

Kathy hat gerade einen gesunden Jungen bekommen und lebt glücklich verheiratet in London. Ihr Job als Redaktionsleiterin ist anstrengend, aber erfüllend. Ein Leben wie im Bilderbuch. Wenn da nicht ihre Kollegin Heja wäre, die mehr über Kathy weiß, als es zunächst den Anschein hat. Schritt für Schritt, und von Kathy völlig unbemerkt, beginnt sie, sich in deren Leben zu schleichen. Und je tiefer sich Heja in Kathys intimste Ängste gräbt, desto klarer wird, worauf sie es eigentlich abgesehen hat ... Jane Lythell arbeitete als TV-Produzentin und Chefredakteurin, bevor sie die stellvertretende Leitung des British Film Institute (BFI) übernahm und Geschäftsführerin der British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) wurde. Heute widmet sie sich ganz dem Schreiben. "Denn du gehörst mir" ist ihr erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 08.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492967365
    Verlag: Piper
    Größe: 1221 kBytes
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Denn du gehörst mir

Ich fahre ein dunkelgrünes Cabrio mit hellgrauen Ledersitzen - mein ganzer Stolz. Es zählt zu dem Luxus, den ich mir gönne. Sie hat die Redaktion vor mir verlassen. Auf dem Weg zum Auto habe ich ihr Verhalten beim Mittagessen Revue passieren lassen. Wie sie die Nudeln in sich hineinschaufelte, hatte etwas Gewöhnliches an sich. Sie isst zu gern. Wenn sie nicht aufpasst, wird sie in einigen Jahren zu einem Dickerchen. Außerdem lässt ihre Konzentration zu wünschen übrig. Früher war sie aufmerksamer.

Die Autotür ist zwar schwer, aber ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, weshalb sie aufgleitet, damit ich elegant auf meinen Sitz rutschen kann. Ich verriegle die Türen und schalte den CD-Spieler ein. Zurzeit höre ich mich durch sämtliche Aufnahmen der vier Klavierkonzerte von Rachmaninov, weil ich noch immer die perfekte Interpretation suche. Beim dritten ist es Martha Argerichs fulminantes Konzert 1982 in Berlin. Sie hat das Dunkle und die wilde Ekstase von Rachmaninov treffend herausgearbeitet.

Ich fahre über die Waterloo Bridge nach Hause. Ich mag es, wenn sich nachts die Lichter der Gebäude im Wasser spiegeln. Ich bewundere den einschüchternden Klotz von Lasduns National Theatre. Die Briten haben in Sachen Architektur einfach zu wenig Mut und deshalb an seiner großartigen Leistung herumkritisiert. Sie irren sich. Sein Gebäude wird die Nörgler überleben. Architektur ist das Wichtigste auf der Welt. Wir verbringen unser ganzes Leben in Gebäuden. Wir werden darin geboren. Wir wachsen in ihnen auf. Wir lieben uns darin. Wir arbeiten und denken in ihnen. Und in den meisten Fällen sterben wir dort. Gebäude bleiben auch nach unserem Tod bestehen. Sie können zwar krank werden, genau wie wir, allerdings nur wenn der Architekt unfähig, faul oder geldgierig war. Großartigen Gebäuden ist ein langes und würdevolles Leben bestimmt.

Heute Abend kommt Robert, mein Lover. Der Sex mit ihm ist toll und hilft mir beim Einschlafen. Ich lasse ihn nie bei mir übernachten. Inzwischen hat er sich mit meiner Marotte abgefunden und tut mir den Gefallen. Robert steht total auf Sex. Ich glaube, es macht ihn sogar an, dass er zu mir kommt, Sex hat und dann gehen muss. Er duscht danach nie, sondern zieht sich einfach an und verschwindet. Er sagt, er mag es, meinen Geruch an sich zu haben, wenn er wieder zu Hause ist.

Er ist Amerikaner und hat gerade seine Ausbildung zum Psychoanalytiker abgeschlossen. Allerdings kann ich mir eine Behandlung bei ihm nicht vorstellen. Dazu ist er viel zu aufrichtig. Für ihn ist es wichtig, gemocht zu werden. Ich glaube nicht, dass er den Grad von Distanz erreichen kann, der einen guten Psychoanalytiker auszeichnet. Er ist erst spät auf die Psychoanalyse gestoßen. Seiner Ansicht nach ist das in diesem Beruf jedoch von Vorteil. Man werde mit zunehmendem Alter immer besser und könne auch noch mit achtzig praktizieren. Er hat ja keine Ahnung, wie er mir mit dieser Bemerkung wehgetan hat. Er hat Aknenarben im Gesicht und wulstige Lippen. Wenn ich ihn ansehe, bin ich von seinen großen dunkelbraunen Augen fasziniert. Sie sind ernst und haben dichte Wimpern wie die eines Kindes. Ständig versucht er, mich auszuhorchen. Allerdings so, dass ich es nicht merken soll. Er stellt mir nur selten eine direkte Frage.

Stattdessen sagt er: "Als ich gerade den Tod meines Vaters erwähnte, hast du so ein trauriges Gesicht gemacht." Dann erwartet er, dass ich das Schweigen fülle, das zwischen uns in der Luft liegt. Er möchte, dass ich ihm etwas offenbare, doch ich schweige. Am Anfang unserer Beziehung hat meine Zurückhaltung an seinen Nerven gezerrt, und er erkundigte sich, ob ich je eine Analyse gemacht hätte.

"Nein. Wie kommst du denn darauf?"

"Weil du auf eine bestimmte Art zuhörst und weil ich immer den Eindruck habe, dass du das Gesagte interpretierst."

"Das tun wir doch alle. Wir filtern das Gehörte, richtig?"

"Menschen, die alles interpretieren, als se

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