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Der Außenseiter Roman von Walters, Minette (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.04.2016
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Der Außenseiter

Wegen des brutalen Mordes an seiner Großmutter wird der Außenseiter Howard Stamp zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Bald darauf begeht der geistig zurückgebliebene junge Mann im Gefängnis Selbstmord. Dreißig Jahre später rollt der Anthropologe Jonathan Hughes den Fall erneut auf, da er von Stamps Unschuld überzeugt ist. Bald schon stößt er auf die wahren Hintergründe des furchtbaren Verbrechens. Doch der wahre Mörder läuft noch frei herum ...

Minette Walters arbeitete lange als Redakteurin in London, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit ihrem Debüt 'Im Eishaus', das 1994 auf Deutsch veröffentlicht wurde, zählt sie zu den Lieblingsautoren von Millionen Leserinnen und Lesern in aller Welt. Alle ihre bisher erschienenen Romane wurden mit wichtigen Preisen ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Minette Walters lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Dorset, England.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 05.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641186074
    Verlag: Goldmann
    Größe: 2802 kBytes
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Der Außenseiter

1

Colliton Park, Highdown, Bournemouth
Montag, 4. Mai 1970, 13 Uhr 30

Ein toller Park war es nicht, ein Stück verdorrtes Gras am Colliton Way, knapp einen Morgen groß, auf dem die Leute aus der Gegend morgens und abends ihre Hunde ausführten. Tagsüber war kaum einer hier, von den paar Schulschwänzern abgesehen, die hinten bei den Bäumen herumlungerten. Die Polizei schaute selten vorbei, was damit zu tun hatte, dass zwischen den jungen Leuten und dem einzigen Eingang eine freie Strecke von etwa hundert Metern lag. Bis zwei übergewichtige Polizisten es schafften, dorthin zu kommen, waren die Jugendlichen längst fort. Sie sprangen einfach über die niedrige Umzäunung in die dahinter liegenden Gärten. Da es daraufhin von den Anliegern jedes Mal Beschwerden hagelte, zog die Polizei, die ein ruhiges Leben schätzte, es vor, die Schüler in Ruhe zu lassen.

Solange sie im Park waren, so die Überlegung, klauten sie wenigstens nicht, da war es gescheiter, ein Auge zuzudrücken und anderswo für Recht und Ordnung zu sorgen. Schuleschwänzen stand bei den eher zynisch denkenden Ordnungshütern weit unten auf der Skala der Vergehen.

Über den Colliton Way, im ärmeren Teil Highdowns gelegen, gab es wenig Gutes zu sagen. Die Arbeitslosigkeit war hoch, der Bildungshunger gering, und das Neubauprojekt auf dem riesigen ungenutzten Gelände dahinter, das Arbeitsplätze und Wohnungen in Aussicht gestellt hatte, war zunächst ins Stocken geraten und dann ganz zum Stillstand gekommen. Derzeit wurde einzig noch am Fabrikgebäude der Firma Brackham & Wright gebaut. Es sollte die gegenwärtig noch genutzte veraltete Fabrik in der Glazeborough Road ersetzen. Für die dort beschäftigten Arbeiter, von denen viele am Colliton Way wohnten, war das kein Trost. Neue Technologien und fortschreitende Automatisierung brachten doch immer Entlassungen mit sich.

Die hartnäckigsten Schulschwänzer waren drei Jungen. Sie konnten sehr gewinnend und großzügig sein, solange niemand ihren Führungsanspruch in Frage stellte, kam jedoch jemand ihnen in die Quere, waren sie äußerst gewalttätig. Das verlieh ihnen eine starke Anziehungskraft für unzufriedene Kinder, die Großzügigkeit mit Zuneigung verwechselten und Grausamkeit mit Aufmerksamkeit und von denen keines begriff, wie krank diese Jungen waren. Wie sollten sie auch, wenn noch nicht einmal die Jungen selbst es wussten, die, kaum des Lesens und Schreibens mächtig, ihr Leben im Griff zu haben glaubten.

Dieser Montag im Mai verlief nicht anders als unzählige Tage davor. Das Schuleschwänzen war für die Jungen längst zur Selbstverständlichkeit geworden, und ihre Mütter versuchten gar nicht mehr, sie morgens aus dem Bett zu zerren. Es war besser, sie zu lassen, sagten sie sich, als sich Schläge dafür einzuhandeln, dass man die Herren Söhne in ihrer Ruhe störte. Die Jungen waren gar nicht in der Lage aufzustehen. Keiner von ihnen kam in der Regel - wenn überhaupt - vor den frühen Morgenstunden nach Hause, und dann im Allgemeinen so sturzbetrunken, dass ihr Schlaf einer völligen körperlichen und geistigen Erstarrung glich. Die Mütter dieser drei waren irgendwann einmal zu dem Schluss gekommen, dass ihre Söhne in einem Heim besser aufgehoben wären, aber die Einsicht hatte nie lange vorgehalten. Angst vor Rache und falsche Liebe zu ihren Erstgeborenen hatten stets einen Sinneswandel herbeigeführt. Mit einem Mann im Haus hätte sich vielleicht manches anders entwickelt, aber den gab es in keiner der Familien, also taten die Frauen das, was ihre Söhne wünschten.

Die Jungen hatten im Ortszentrum zwei dreizehnjährige Mädchen aufgelesen und in den Park mitgenommen. Die kleine dünne mit dem zehnjährigen Bruder im Schlepptau interessierte sie nicht. Die andere, ein gut entwickeltes hübsches Ding, dafür umso mehr. Die beiden Mädchen saßen sich mit hochgezogenen Knien auf einer Bank gegenüber, so dicht, dass ihre Zehen sich ber

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