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Der Chinese Roman von Mankell, Henning (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.05.2009
  • Verlag: Paul Zsolnay Verlag
eBook (ePUB)
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Der Chinese

An einem frostigen Januartag 2006 macht die Polizei von Hudiksvall eine grausige Entdeckung. In einem kleinen Dorf ist ein Massaker begangen worden, achtzehn Menschen wurden auf bestialische Weise getötet. Die Polizei vermutet die Tat eines Wahnsinnigen. Als Richterin Birgitta Roslin von der Tat liest, wird ihr sofort klar, dass die Pflegeeltern ihrer Mutter, August und Britta Andrén, unter den Mordopfern sind. Und mehr noch: So gut wie alle Ermordeten haben etwas mit ihr zu tun. Sie erkennt, dass die Polizei eine falsche Spur verfolgt, und beginnt zu recherchieren. Ihre Suche führt sie nach China, wo sie auf die grausamen Machenschaften der politischen Führungselite stößt. 'Der Chinese' ist ein Thriller auf höchstem Niveau. Er hat nicht nur eine atemberaubende Handlung, sondern erzählt auch davon, was passiert, wenn ein Land zur wirtschaftlichen Supermacht wird, während im Inneren ein System politischer Unterdrückung herrscht. Henning Mankell, geboren 1948 in Stockholm und aufgewachsen in Härjedalen, lebte als Theaterregisseur und Autor in Schweden und Maputo (Mosambik). Seine Romane um Kommissar Wallander sind internationale Bestseller. Zuletzt erschienen bei Zsolnay 'Treibsand. Was es heißt, ein Mensch zu sein' (2015), die Neuausgabe von 'Die italienischen Schuhe' (Roman, 2016), 'Die schwedischen Gummistiefel' (Roman, 2016) und der frühe Afrika-Roman 'Der Sandmaler' (2017). Im Herbst 2018 erscheint sein allererster Roman, 'Der Sprengmeister'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 608
    Erscheinungsdatum: 06.05.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783552054684
    Verlag: Paul Zsolnay Verlag
    Originaltitel: Kinesen
    Größe: 611 kBytes
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Der Chinese

Die Richterin

5

Ein Nachtfalter löste sich aus dem Dunkel und flatterte unruhig um die Arbeitslampe. Birgitta Roslin legte den Stift zur Seite und lehnte sich auf dem Stuhl zurück, während sie die vergeblichen Versuche des Falters beobachtete, durch die Porzellanglocke einzudringen. Das Flattergeräusch der Flügel erinnerte sie an ein Geräusch aus der Kindheit, ohne dass sie genau sagen konnte, an welches.

Wenn sie müde war, wurde ihr Erinnerungsvermögen immer besonders scharf, so auch jetzt. Wie im Schlaf konnten aus dem Nichts unerreichbare Erinnerungen aus ferner Vergangenheit aufsteigen.

Wie der Nachtfalter.

Sie schloss die Augen und massierte mit den Fingerspitzen ihre Schläfen. Es war ein paar Minuten nach Mitternacht. Zweimal hatte sie die Nachtwachen gehört, die auf dem Gerichtsgelände ihre Kontrollgänge machten. Sie liebte es, abends zu arbeiten, wenn das Haus leer war. Vor vielen Jahren, damals war sie noch Referendarin in Värnamo, war sie oft am Abend in den leeren Gerichtssaal gegangen, hatte ein paar Lampen angemacht, sich gesetzt und dem Schweigen gelauscht. Sie hatte sich den Gerichtssaal als eine Theaterbühne vorgestellt. Es gab Spuren in den Wänden, flüsternde Stimmen, die übrig geblieben waren von den Dramen, die sich bei vergangenen Prozessen abgespielt hatten. Hier waren Mörder, Gewalttäter, Diebe verurteilt worden. Und Männer in einer endlosen Reihe von trostlosen Prozessen hatten ihre Vaterschaft angefochten. Andere hatten ihre in Frage gestellte Ehre zurückgewonnen.

Als Birgitta Roslin ihre Zulassung bei Gericht beantragt und ein Angebot bekommen hatte, in Värnamo Referendarin zu werden, hatte sie noch die Absicht gehabt, Staatsanwältin zu werden. Aber in ihrer Zeit als Referendarin war sie auf das Gebiet gewechselt, das ihr am meisten lag. Zum großen Teil beruhte dieser Wandel auf dem unauslöschlichen Eindruck, den der alte Amtsrichter Anker auf sie gemacht hatte. Er hatte jungen Männern, die mit durchsichtigen Lügen versuchten, eine Vaterschaft anzufechten, mit der gleichen Geduld zugehört wie hartgesottenen Gewalttätern, die keine ihrer brutalen Taten bereuten. Es war, als hätte der alte Richter ihr erst gezeigt, was das Rechtswesen ausmachte. Bei ihm hatte sie es erlebt, nicht nur in Worten, sondern auch in Taten. Gerechtigkeit bedeutete Handlung. Als sie Värnamo verließ, hatte sie beschlossen, die Richterlaufbahn einzuschlagen.

Sie stand auf und trat ans Fenster. Auf der Straße pinkelte ein Mann an eine Hauswand. Es hatte am Tag in Helsingborg geschneit, eine dünne Schicht Puderschnee wirbelte jetzt die Straße entlang. Während sie den Mann geistesabwesend betrachtete, arbeitete ihr Gehirn weiter an dem Urteil, das sie gerade abfasste. Sie hatte sich eine Frist bis zum folgenden Tag gesetzt. Dann musste es fertig sein.

Der Mann auf der Straße unter ihr verschwand. Birgitta Roslin kehrte zum Schreibtisch zurück und griff nach ihrem Stift. Sie hatte mehrfach versucht, ihre Urteile am Computer zu formulieren, doch es gelang ihr nie. Es war, als liefen die Tasten ihren Gedanken davon. Sie kehrte stets zu ihrem Bleistift zurück. Erst wenn das Urteil fertig war und alle Korrekturen ausgeführt waren, schrieb sie es auf dem summenden Schirm, auf dem Fische umherschwammen, während die Tasten warteten.

Sie beugte sich über die Blätter mit den hingeworfenen Formulierungen und Hinzufügungen. Es war ein einfaches Urteil mit überzeugender Beweisführung, und dennoch ein Urteil, das ihr große Probleme bereitete.

Sie wollte auf eine Strafe erkennen, konnte es aber nicht.

Ein Mann und eine Frau hatten sich in einem Tanzlokal in Helsingborg getroffen. Die Frau war jung, kaum mehr als zwanzig Jahre alt, und hatte zu viel getrunken. Der Mann, an die vierzig Jahre alt, hatte versprochen, sie nach Hause zu begleiten, und durfte auf ein Glas Wasser mit in ihre Wohnung kommen. Die Frau war auf dem Sofa eingeschlafen. Dort h

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