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Der Doppelgänger von Wallace, Edgar (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.01.2016
  • Verlag: Nexx
eBook (ePUB)
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Der Doppelgänger

Ein berüchtigter Verbrecher nimmt das Aussehen seiner Opfer an, um so ihre Bankkonten zu plündern. Bald nennt die Presse ihn den 'Doppelgänger'. Dann bekommt der Geschäftsmann Gordon Selsbury unerwünschten Besuch von seiner Cousine Diana aus Australien. Als er einen heimlichen Wochenendausflug mit seiner Heloise plant, bittet er Diana, während seiner Abwesenheit ein Auge auf seinen gut gefüllten Tresor zu haben. Aber dann kommt Alles ganz anders ...

Richard Horatio Edgar Wallace (1875-1932) war ein englischer Schriftsteller, Drehbuchautor, Regisseur, Journalist und Dramatiker. Er gehört heute noch zu den erfolgreichsten englischsprachigen Kriminalschriftstellern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 11.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958704381
    Verlag: Nexx
    Größe: 350kBytes
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Der Doppelgänger

1

"Sie ist eine Waise", sagte Mr. Collings gerührt. Für Waisen hatte er eine besondere Vorliebe. Sonst war er als Rechtsanwalt im Verkehr mit seinen Klienten ein strenger, etwas zurückhaltender Mann, der gern zum Abschluss von Vergleichen riet. Es kamen Klienten in sein Büro, die ganz sicher waren, dass ihre Feinde sich selbst in ihre Hände gegeben hatten. Sie sprachen von Schadenersatzforderungen, die sich auf fünfstellige Zahlen beliefen und den vollkommenen Ruin von Leuten oder Firmen bedeuteten, die sie beleidigt hatten. Aber als sie wieder fortgingen, waren alle ihre Berechnungen über den Haufen geworfen und ihre Zukunftspläne vernichtet. Mr. Collings glaubte nun einmal nicht, dass Prozesse vorteilhaft seien. Seiner Meinung nach war es viel besser, alle Streitfragen gütlich beizulegen.

Wenn ein Ermordeter aus seinem Grab auferstehen, in Mr. Collings Büro kommen und sagen könnte: "Ich habe eine ganz einwandfreie Klage gegen Binks. Er hat mich erschossen. Sie sind doch davon überzeugt, dass ich einen Schadenersatzanspruch an ihn stellen kann?", dann würde Mr. Collings geantwortet haben; "Das ist noch gar nicht sicher. Ich zweifle daran. Man könnte auch sehr viel zugunsten von Mr. Binks anführen. Haben Sie sich nicht auf seine Kosten bereichert? Sind Sie nicht selbst in einer unangenehmen Lage? Sie tragen doch zunächst einmal ein Geschoß im Leibe herum, das zweifellos das Eigentum von Mr. Binks ist. Man kann nie genau wissen, welchen Standpunkt das Gericht einnimmt. Ich gebe Ihnen den guten Rat, mich zu Vergleichsverhandlungen zu ermächtigen."

Aber wenn es sich um Waisen handelte, war Mr. Collings weich wie Butter. Seine Eltern hatten ihn einfach und streng erzogen, und er hatte sonntags fromme Bücher lesen müssen, in denen von Waisen, von gutherzigen Drehorgelspielern und von kleinen Mädchen erzählt wurde, die viel aus guten Büchern lernten, später als Missionsfrauen nach Afrika gingen und dort starben, tief betrauert und beweint von den bekehrten Eingeborenen. Die schlechten Menschen in diesen Geschichten waren meistens junge Burschen, die heimlich die Rosinen aus dem Kuchen nahmen, nur weißes Brot aßen und die Krusten wegwarfen. Sie misshandelten die Hunde und traten sie mit Füßen, fingen die Fliegen, warfen sie in die Netze der Spinnen und beobachteten mit grausamer Freude und Mordlust, wie diese über ihre armen Opfer herfielen und ihnen das Blut aussaugten.

"Sie ist eine Waise", sagte Mr. Collings noch einmal und seufzte vernehmlich.

"Sie ist schon seit zehn Jahren eine Waise", entgegnete Mr. William Cathcart zynisch.

Mr. Collings war untersetzt, hatte einen kahlen Kopf und hielt gern nachmittags ein kleines Schläfchen. Mr. Cathcart war im Gegensatz zu ihm mager, hatte ein schmales Gesicht und volles Haar. Auch schlief er niemals tagsüber, wie man wusste. Er hasste Waisenkinder. Stets gab es ihretwegen unangenehme Auseinandersetzungen über die Elternschaft, über testamentarische Bestimmungen, und immer hatte man Schreibereien mit dem Vormundschaftsgericht. Am liebsten hätte er sich hinter Stacheldraht gegen Waisen verschanzt.

"Sie ist die sonderbarste Waise, die mir jemals begegnet ist", fuhr Mr. William Cathcart erbarmungslos fort. "Dem Gesetz nach ist sie noch ein Kind, aber sie hat ein Bankguthaben von hunderttausend Pfund. Ich vergieße ihretwegen keine Träne - das dürfen Sie mir glauben!"

Mr. Collings wischte sich die Augen.

"Aber sie ist doch eine Waise!" Er versuchte vergeblich, das steinharte Herz von Mr. Cathcart zu erweichen.

"Mrs. Tetherby hat ihr das Geld geschenkt, während sie noch lebte - daran ist doch nichts Besonderes. Wenn ich einem Waisenkind" - er schluckte und wollte seine Rührung verbergen - "einen Schilling, ein Pfund, ja selbst tausend Pfund schenkte, so wäre das doch kein Bru

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