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Der Ein-Euro-Schnüffler Ein Berlin Krimi von Spielberg, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.10.2014
  • Verlag: be.bra verlag
eBook (ePUB)
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Der Ein-Euro-Schnüffler

Oskar Buscher, der arbeitslose Ingenieur und Hartz-IV-Empfänger, fahndet im Auftrag des Bezirks nach Leuten, die ihren Abfall illegal entsorgen. Eines Nachts stößt er in einem Müllcontainer auf Hundeleichen, sein kriminalistischer Spürsinn wird geweckt. Die Ermittlungen bringen nicht nur sein Leben gehörig durcheinander, sondern führen ihn auch auf die Spur eines brisanten Verbrechens ... Berlin und seine Kieze - ob Neukölln, Friedrichshain oder Prenzlauer Berg - Sie alle bieten in unserer Reihe 'Kiezkrimis' eine spannende Kulisse, vor welcher die zum Teil kauzig-symphatischen Kommissare ermitteln. Lesen Sie doch mal rein: Thomas Knauf 'Prenzlauer Berg Krimis', Krause und Winckelkopf 'Friedrichshain Krimis' oder Christoph Spielbergs 'Neuköllnkrimi' Christoph Spielberg ist Facharzt für Innere Medizin und Herzspezialist. Er war viele Jahre Oberarzt an einem Berliner Universitätsklinikum, seitdem niedergelassener Kardiologe. Als Autor wurde er durch die in mehrere Sprachen übersetzten Kriminalromane um den Klinikarzt Felix Hoffmann bekannt (alle im Piper Verlag). Sein Buch 'Die russische Spende' wurde mit dem Friedrich Glauser Preis ausgezeichnet. Daneben erhielt er auch den Agatha-Christie-Preis. Christoph Spielberg lebt in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 22.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839361405
    Verlag: be.bra verlag
    Größe: 1854 kBytes
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Der Ein-Euro-Schnüffler

1

Es war Mittwoch. Der falsche Tag. Mittwoch ist immer falsch für Observationen. Besonders bei Nacht. Oder bei Regen. Erst recht bei Nacht und Regen. Alte Schnüfflerweisheit, an die ich mich erst erinnerte, als der kalte Nieselregen die schmale Lücke zwischen Jackenkragen und Hals gefunden hatte. Irgendwann hat sich das Verbrechen den Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst angepasst. Oder denen der Ärzte. Geh mal an einem Mittwoch zur Arbeitsagentur oder zum Hausarzt. Geschlossen. Mittwochs darfst du ohne Krankenschein sterben. Mittwoch ist auch ein schlechter Tag, um Verbrechern aufzulauern. Insbesondere, wenn man die Jacke ohne Kapuze übergezogen hat.

Und trotzdem kniete ich hier hinter einem kahlen Brombeerbusch und ließ mir den Novemberregen den Rücken hinunterlaufen. Noch bildete der Elastikbund meiner Boxershorts eine natürliche Sperre, lange aber sicher nicht mehr. Warum also verstieß ich gegen die Mittwochs-nie-Weisheit? Einfach weil ihr in diesem Fall eine andere Weisheit entgegenstand: Nicht nur, wie allgemein bekannt, dass der Verbrecher irgendwann an den Tatort zurückkehrt. Sondern weil auch der Verbrecher ein Gewohnheitstier ist. Und meine Verbrecher hatten bisher, entgegen der Regel, immer in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zugeschlagen. Nicht jede Mittwochnacht, aber wenn, dann immer exakt in der Wochenmitte. Zuletzt Donnerstag vor drei Wochen hatten mein Partner Herbert und ich auf diesem Gelände am Morgen nach Hinweisen auf den oder wahrscheinlich eher die Täter gesucht, den Tatort aus jeder Richtung und aus allen Winkeln fotografiert, aber wieder keine brauchbaren Spuren gefunden.

Längst hatten sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt, vorsichtig schaute ich mich um. Nicht bewegen, den Kopf nur ganz vorsichtig drehen: keine wahrnehmbare Veränderung in der letzten Stunde. In der Regel lässt Regen die Gebäude gerade in einer Großstadt trauriger, hässlicher erscheinen. Hier jedoch deckten Nacht und Regen die Tristesse und Hoffnungslosigkeit der Industriebrache eher zu, verschleierten das ganze Ausmaß des unwiderruflichen Verfalls, ließen nur die einst stolzen Konturen der ehemaligen Fabrik ahnen. Man erkannte nicht die herausgebrochenen Fenster, die herabhängenden Regenrinnen, die angekohlten Balken. Irgendjemand hatte hier erst vor kurzem ein Feuerchen gemacht. Um sich zu wärmen? Aus purer Lust an der Zerstörung? Um Beweismittel zu vernichten?

Vorsichtig verlagerte ich mein Gewicht auf das andere Knie und wartete weiter, dass sich die Regel vom Verbrecher, den es über kurz oder lang an den Tatort zurück zieht, erfüllte. Dabei hoffend, dass sich eine ebenso wichtige Regel nicht bestätigte: Nie ohne deinen Partner! Dazu braucht es keine Polizeiausbildung, das lernt man in jedem Fernsehkrimi. Immer mit Partner, schlimmstenfalls wenigstens mit einem entsprechend trainierten Hund.

Und wenn du doch einmal alleine am Tatort eintriffst, forderst du sofort Verstärkung an. Gehst du alleine in das dunkle Haus oder stellst alleine die Täter auf einer verlassenen Industriebrache, bekommst du mit Sicherheit eins auf die Mütze. Oder mehr als eins. Mein Partner Herbert aber lag im Moment friedlich in seinem Bett, hatte es warm und träumte etwas Nettes, während der Regen endlich auch den Bund meiner Boxershorts überwunden hatte.

"Nee, schönen Dank. Es reicht mir schon, am Tage mit dir durch den Modder zu kriechen. Aber bitte nicht auch noch bei Nacht. Und es nicht mal unser Gebiet", hatte Herbert mir gestern beschieden. Und er hatte recht: Streng genommen lag die Industriebrache außerhalb unseres Verantwortungsbereichs, gehörte diese Seite der Straße bereits zum Bezirk Treptow.

Heute kaum vorstellbar, aber vor gut zwei Jahrzehnten hätte man den Versuch, hier die Straße zu überqueren, ziemlich sicher mit dem Leben bezahlt!

Plötzlich hin

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