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Der Engel der anderen Geschichte Kriminalroman von Erbes, Volker (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.10.2015
  • Verlag: mainbook Verlag
eBook (ePUB)
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Der Engel der anderen Geschichte

Hinter einem Urlaubs-Foto entdeckt der Journalist Sergius Tauer ein Bild von Paul Klee. Eine Fälschung? Warum sind dann alle hinter ihm her, die Polizei, ein undurchsichtiger Typ mit einem schwarzen Schäferhund, zwei schöne Frauen, ein gegensätzliches Schwesternpaar? Die Spuren führen ins Spanien der dreißiger Jahre, wo die 'Legion Condor' mörderische Einsätze im Bürgerkrieg flog. Doch welche Rolle spielt der Philosoph Walter Benjamin, der ebenfalls ein Bild von Klee besaß, den Angelus Novus? Und was hat die Wasserkuppe in der Rhön damit zu tun, wohin ihn der Koch und Hobby-Flieger Ferdinand auf einen Trip zwischen Himmel und Erde mitnimmt? Die Saga einer Frankfurter Bürgersfamilie, das Tagebuch eines verschollenen Jagdfliegers, die Legende um ein Schlüsselbild moderner Malerei und die schwarze Aktentasche Walter Benjamins - ein Kriminalroman, der einen großen Bogen spannt und diese Spannung bis zum Schluss nuancenweise entlädt. Und ganz nebenbei wird auch noch das Rätsel um einen kryptischen Text Walter Benjamins gelöst, das die Fan-Gemeinde des Philosophen bis heute beschäftigt.

Volker veröffentlichte Hörspiele und Romane, neben der Erzählung 'Die Blauen Hunde' (Suhrkamp) die Romane 'Die Spur des Schwimmers' (Andere Bibliothek, Eichborn) und 'Pumaschuh' (Haffmans). 1994 zog er sich aus der literarischen Szene zurück, um sich intensiv mit östlichen Weisheitslehren, Malerei und Musik zu beschäftigen. Mit 'Ein Blues für die Lady' meldete er sich 2014 als Romancier zurück. 'Der Engel der anderen Geschichte' ist Erbes' erster Kriminalroman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 305
    Erscheinungsdatum: 12.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944124926
    Verlag: mainbook Verlag
    Größe: 1225 kBytes
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Der Engel der anderen Geschichte

ERSTES BILD

1

Der Mann, der auf mein Klopfen hin die Tür öffnete, begrüßte mich mit einem gewinnenden Lächeln. "Schön, daß Sie hierhergefunden haben!", rief er und streckte mir beide Hände entgegen. Er war von eher kleinem Wuchs, aber der sorgfältig geschnittene Schnurrbart und die dunklen Augen gaben ihm etwas Direktes, das in einem seltsamen Kontrast stand zu dieser leisen, etwas hohen Stimme, die mir am Tag zuvor den Weg hierher beschrieben hatte.

Er bat mich herein. Was hatte ich erwartet? Bestimmt nicht solch eine Sammlung in der Halle eines derart abgelegenen Hauses. Ich blieb vor einem dieser Bilder stehn.

"Ein Kirchner", meinte Herr Neugebuhr. "Aus der Sammlung Mackenrodt. Das Bild war nie im Handel. Und es erschien auch nie in einem Katalog."

Ich sah das helle Waldstück an.

"Seltsam, wie? Daß bei diesen Braun- und Rot-Flecken trotzdem der Eindruck eines sommerlichen Waldes entsteht." Hector Neugebuhr lachte leise. "Das ist eben die Kunst. Oder vielmehr - es ist keine Kunst. Es ist die Komplementärfarbe. Rot, richtig gesetzt, hebt Grün."

"Also doch wieder Kunst."

"Es ist der Expressionismus. Kirchner eben. Sie haben ein gutes Auge."

Ich sah auf die große gebundene Fliege, die Neugebuhr trug. Sie war grün, mit roten Punkten. Und erst jetzt erkannte ich die feinen Streifen im Tuch seines grauen Anzugs. Oder war er grün?

"Übrigens gilt das für eine Reihe von Werken dieser Jahre, nicht nur der Expressionisten. Sie blieben im Krieg. Viele ihrer Werke sind über Sammlungen in der ganzen Welt verstreut. Keiner weiß von ihnen."

"Und Sie - "

Neugebuhr sah mich an mit seinem forschenden Auge. "Das gilt nicht nur für die Expressionisten. Es gilt, zum Beispiel, auch für Klee. Wenn auch aus dem gegenteiligen Grund. Während diese Maler im Krieg blieben und ihre Werke zerstreut wurden, war Klee gerade in jenen Jahren schon sehr erfolgreich." Hector Neugebuhr fuhr mit den dunklen Augen über die Wände seiner Halle, die mit Schätzen und Raritäten übersät war. "Und er hat viel gemalt - " Er riß sich los von seiner Betrachtung. "Kommen Sie!"

Mit einem sicheren Griff nahm er die Brille, die neben einem Telefon auf einem kleinen Tisch lag und zeigte auf die offene Tür zum Salon. Auch hier gab es Bilder, Skulpturen. Schweres Mobiliar. Tiefe Lederfauteuilles. Ein wuchtiger Kamin. Neugebuhr trat an den Tisch am Fenster, auf dem nichts lag als ein kleines Bild ohne Rahmen. "Was nun Ihren Klee betrifft - ", er setzte seine Brille auf, "so ist er leider eine Fälschung."

Ich sah auf das kaum handgroße Blatt mit diesen dropsfarbenen Streifen und der zerbrechlich wirkenden Figur. Es war eine Fälschung.

Als ich nur wenig später, auf dem Rücksitz die kleinen Box mit einem falschen Klee, in der Clementistraße vorfuhr, war die Polizei schon da.

Der Mann, der am Tor unten stand, gehörte zum Team des 12. Kommissariats.

"Was ist passiert?"

Der Beamte zeigte mit dem Kinn zu dem kleinen Reihenhaus, aus dessen Tür eben, begleitet von seinem Arzt und einer Assistentin, Tromsdorf trat.

"Was wollen Sie denn hier?", rief er, indem er die roten Stufen herab schritt, die durch den liebevoll gepflegten Steingarten zur Straße führten.

"Meinen Freund besuchen."

"Ihren Freund?" Tromsdorf sah mich an. "Zu spät."

Das Gefühl plötzlicher Bodenlosigkeit. "Kann ich ihn sehen?"

"Können Sie nicht." Ohne den Blick von mir zu nehmen, machte er mit seiner Rechten ein Zeichen über seinem Kopf und zeigte auf den freien Platz vor seinem grün-silbernen Opel. Der Leichenwagen glitt wie ein Schatten her. Zwei Männer hoben den Zinksarg heraus und eilten an uns vorbei die Stufen empor. Die junge Beamtin, die noch rasch etwas in ihr Funkgerät sprach, rief: "Im Erdgeschoß, links - ", und sprang ihnen, als handle es sich um zwei Burschen aus dem Einrichtungshaus, nach.

"Was führte Sie denn - zu Ihrem Freun

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