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Der Feind in deiner Nähe von French, Nicci (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2019
  • Verlag: C. Bertelsmann
eBook (ePUB)
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Der Feind in deiner Nähe

Ein packender Psychothriller: himmlisch, höllisch, mörderisch ... Holly Kraus ist eine erfolgreiche Frau. Und in ihrer überschäumenden Art schlägt sie gerne über die Stränge. Doch damit macht sie sich nicht überall beliebt. Übertreibt sie es nicht etwas? Kann es sein, dass sie damit sogar Mordgelüste weckt? Denn plötzlich findet sie sich in einem tödlichen Albtraum wieder ... Der Roman von Nicci French ist nicht nur ein "außergewöhnlich überzeugender Thriller", wie der Independent schrieb, sondern auch eine anrührende Geschichte einer Frauenfreundschaft. Nicci French - hinter diesem Namen verbirgt sich das Ehepaar Nicci Gerrard und Sean French. Seit über 20 Jahren sorgen sie mit ihren außergewöhnlichen Psychothrillern international für Furore und verkauften weltweit über 8 Mio. Exemplare. Besonders beliebt sind die Bände der Frieda-Klein-Serie. Die beiden leben in Südengland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 01.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641246037
    Verlag: C. Bertelsmann
    Größe: 3059 kBytes
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Der Feind in deiner Nähe

27

Ihre Augen waren geschlossen, und ihre Haut hatte einen hellen Grauton, der rund um ihre geschwollenen Lippen in Blau überging. Sie war dünner, als ich sie in Erinnerung gehabt hatte, ihr Körper schien sich unter der weißen Bettdecke kaum abzuzeichnen. Ich starrte sie an, bis meine Augen brannten, und bemerkte dabei Dinge, die mir vorher nie aufgefallen waren: die gespaltenen Spitzen ihrer Haare, der feine Flaum über ihrer Oberlippe, das kleine Muttermal knapp unterhalb ihres linken Ohrs, die Abschürfungen, die sich in parallelen Linien an den zarten Innenseiten ihrer Arme entlangzogen. Sie sah aus wie ein Wachsmodell, das dem Original zwar auf unheimliche Weise ähnelte, dem aber die Seele fehlte. Ich hatte Holly in all den Jahren, die ich sie nun schon kannte, noch nie schlafen oder sich einfach ausruhen sehen. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich wie eine im Wind flackernde Flamme, und wenn sie sprach, gestikulierte sie theatralisch mit den Händen, warf ungeduldig das Haar zurück, beugte sich vor, lehnte sich wieder zurück, schlug nervös mit einem Bleistift gegen den Tisch, biss auf der Spitze ihres Daumens herum. Ständig sprang sie auf, tigerte im Raum auf und ab oder wechselte auf irgendeine andere Weise die Position, als könnte sie einfach keinen Ort finden, an dem sie sich wohl fühlte.

Jetzt aber lag sie ganz friedlich da. Völlig still und ohne jemandem Probleme zu machen: Charlie nicht, mir nicht und auch nicht den Krankenschwestern im Empfangsbereich, von denen mich eine zu diesem Bett geführt und leise die Vorhänge zugezogen hatte, damit ich ungestört war. Hinter den Vorhängen lauerten all die Gerüche und Geräusche einer Krankenhausstation, aber hier neben ihrem Bett herrschte Ruhe. Ich war direkt aus dem Büro hergefahren, gleich nachdem der Anruf kam, und hatte alles in dem Chaos zurückgelassen, das Holly während der letzten Wochen angerichtet hatte. Mit vereinten Kräften hatten wir versucht, einen Teil ihrer Aktionen wieder rückgängig zu machen. Manchmal bereitete es uns sogar Schwierigkeiten nachzuvollziehen, was sie im Einzelnen getan hatte, ganz zu schweigen davon, warum. Aber kaum hatten wir einen verärgerten Kunden besänftigt, war eine Sendung irrsinnig teurer Seidenstrümpfe aus Italien eingetroffen, und am nächsten Tag wurden zehn neue Bürostühle geliefert, die Rückenschmerzen vorbeugen sollten und dementsprechend teuer waren. Ich ging sämtliche Ausgaben der letzten Zeit durch und beglich die meisten der noch offenen Rechnungen. Ich führte ein nicht ganz einfaches Gespräch mit dem Leiter unserer Bank, und dann musste ich mich auch noch um den Architekten kümmern, der eines Morgens mit seinen zwei Assistentinnen auftauchte und uns hübsche Pläne vorlegte, wie wir unseren Arbeitsraum umgestalten könnten, indem wir Glasbalken einziehen und einen Schacht in das Stockwerk über uns durchbrechen ließen. Anscheinend hatte Holly behauptet, dass die Firma, die dort ihre Büros hatte, damit einverstanden sei.

Ich begriff nicht, wie sie die Zeit gefunden hatte, während ihrer ohnehin schon ausgefüllten Arbeitstage ein solches Chaos anzurichten. Und nun lag sie so still vor mir. Ich beugte mich über sie und nahm ihre Hand, die blau geädert und kalt auf der Bettdecke lag. Wenn sie jetzt sterben, aus diesem todesähnlichen Schlaf hinübergleiten würde, dann würde mit ihr auch das Chaos sterben. All die Rastlosigkeit, die Wut und Qual, die sinnlose Erschöpfung, in die sie sich selbst und andere manövrierte, würde verschwinden. In meinem Hinterkopf spukte ein Gedanke herum, und ich zwang mich, ihn genau zu betrachten. Ein Teil von mir wollte, dass sie starb. Dass sie dem Ganzen ein Ende setzte und uns endlich in Ruhe ließ. Das musste Holly auch gedacht haben, als sie diese ganzen Pillen in sich hineinstopfte: dass wir uns alle ihren Tod wünschten und erleichtert sein würden.

Ich strich mit dem Daumen über die hervorstehenden blauen Adern an ihrem Handrücken

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