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Der Fluch der Kartenlegerin Ein historischer Weimar-Krimi von Dieckmann, Guido (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2017
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Der Fluch der Kartenlegerin

Ein mörderisches Komplott... Weimar im Winter 1798. Christian Vulpius hat es geschafft: Sein Räuberroman Rinaldo Rinaldini wird endlich gedruckt. Da wird er in einen neuen mysteriösen Fall verwickelt. In den Räumen der altehrwürdigen Bibliothek findet die Hebamme Josefina Bleichwein den Tod - erschlagen von einem Bücherregal. Bevor die Frau ihren Verletzungen erliegt, vertraut sie Vulpius jedoch an, dass sie sich von der französischen Wahrsagerin Madame Europe, die momentan Weimar besucht, die Karten habe legen lassen. Dabei habe sie von einem langsam aufziehenden Sturm erfahren, der die Stadt mitsamt ihrem Herrscherhaus bedrohe. Ist der Herzog von Weimar in Gefahr? Das klassische Weimar als Kulisse für einen spannenden Mordfall vom Autor des Bestsellers 'Die sieben Templer'. Guido Dieckmann, geboren 1969 in Heidelberg, arbeitete nach dem Studium der Geschichte und Anglistik als Übersetzer und Wirtschaftshistoriker. Heute ist er als freier Schriftsteller erfolgreich und zählt mit seinen historischen Romanen, u.a. dem Bestseller "Luther" (2003), zu den bekanntesten Autoren dieses Genres in Deutschland. Guido Dieckmann lebt mit seiner Frau an der Deutschen Weinstraße. Als Aufbau Taschenbuch sind von ihm lieferbar: "Die sieben Templer", "Der Pakt der sieben Templer", "Luther" sowie die historischen Weimar-Krimis "Das Geheimnis des Poeten" und "Der Fluch der Kartenlegerin". Mehr Informationen zum Autor unter www.guido-dieckmann.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 15.09.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841214058
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Größe: 2407 kBytes
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Der Fluch der Kartenlegerin

Prolog

Eine Tagesreise weit hinter Warschau,
im Winter 1789

Kein Reisender mag es, wenn ein Schneesturm ihn zwingt, für eine unbestimmte Zeit Zuflucht in einer einsamen Herberge mitten im Wald zu suchen. Er kann nichts weiter tun als warten, bis das Wetter sich gebessert hat und die Kutsche weiterfahren kann. Aber wenigstens befindet er sich in Sicherheit. Auf mich trifft dies nicht zu, denn ich bin eine zum Tode Verurteilte auf der Flucht. Jede Minute, die ich damit vergeude, hier die Wände anzustarren, spielt denen in die Hände, die hinter mir her sind. Mein Kutscher hat keine Ahnung, warum ich so verzweifelt bin. Er sitzt unten im Gastraum, trinkt Bier und ist froh, nicht in die Kälte hinauszumüssen. Er behauptet, dass wir unsere Reise bald fortsetzen können, aber überzeugt hat er mich damit nicht. Stattdessen hat er mir geraten, mich auszuruhen. Ich müsse doch völlig erschöpft sein. Ja, erschöpft bin ich in der Tat. Aber es ist die Angst, die mir den Appetit raubt und mich nicht schlafen lässt.

Ich habe mein Aussehen verändert und meinen Namen vergessen. Aber ob ich damit meine Verfolger täuschen kann?

Ich setze mich mit einem Buch ans Fenster. Es sind Gedichte von Goethe, den ich schon lange bewundere, doch heute fällt es mir schwer, mich auf die Verse zu konzentrieren. Immer wieder wandert mein Blick durch das Fenster in den Hof. Auf der dünnen Glasscheibe vor mir haben sich zarte Eisblumen gebildet, von außen schlägt ein stürmischer Wind wässrige Flocken gegen das Fenster. Er rüttelt grob an den Läden. Einen Augenblick lang lausche ich dem Gesang des Sturms. Einen bangen Moment lang glaube ich, durch das Knarren der Holzdielen und das Ächzen im Gebälk die Stimme des Mannes zu hören, dem ich davongelaufen bin und der mich in seinem Keller zu Tode foltern wird, falls er mich aufspürt. Meine Hände zittern, als ich mir sein Gesicht unter der tadellos sitzenden gepuderten Perücke vorstelle: die eiskalten Augen, die mich, sooft er seinen Blick auf mich richtete, dermaßen aus der Fassung brachten, dass ich kein Wort mehr über die Lippen bekam. Inzwischen muss er herausgefunden haben, dass ich keineswegs eine Cousine besuche, sondern meine Heimat Frankreich für immer verlassen habe. Mein Ziel heißt nun Russland, weil ich hoffe, am Hof der Zarin Katharina eine Bleibe zu finden. Die Zarin ist eine starke Frau, die sich vor keinem Mann in ganz Europa fürchtet. Ich vertraue darauf, dass sie mich nicht zurückschicken wird. Ich fange an, in dem Buch zu blättern, und lese ein Gedicht, das auf meine angegriffenen Nerven nicht gerade beruhigend wirkt. Ein Kind wird von einer üblen Erscheinung gequält, doch sein Vater nimmt davon nichts wahr. Immer wieder versucht er, den Jungen zu beruhigen. Nun, darin erinnert er mich an meinem eigenen Vater. Der hat nicht glauben wollen, was für einem Teufel er mich zur Frau gegeben hat. Der Vater in Goethes Gedicht reitet einfach weiter, obwohl ihm doch langsam einmal auffallen müsste, dass mit dem Knaben in seinem Arm etwas nicht stimmt. Und dann ...

Dann springt die Tür zu meiner Kammer mit einem hässlichen Knarren auf, und mir bleibt vor Schreck fast das Herz stehen.

"Musst du dich so anschleichen?", zische ich die Kinderfrau an, ein unscheinbares Wesen, das ich in Dresden eingestellt habe. Sie zuckt nur mit den Schultern und meldet, dass sie Maria gefüttert habe und gleich zu Bett bringen werde. Maria? Wer zum Teufel ist Maria? Ach so. An den deutschen Namen, den sie meinem Kind gegeben hat, muss ich mich erst noch gewöhnen. Auch in St. Petersburg werden wir uns unter einem falschen Namen niederlassen müssen.

"Madame machen sich zu viele Sorgen", sagt die Kammerfrau und klingt plötzlich fast wie der Kutscher. "Sie haben so lange durchgehalten, da werden Sie auch den Rest des Weges schaffen." Sie schenkt mir ein aufmunterndes Lächeln, das mir guttut. Ich bin froh, dass sie bei mir

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