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Der fremde Gast Kriminalroman von Link, Charlotte (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.01.2014
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Der fremde Gast

Rebecca Brandt hat beschlossen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Doch ein unerwarteter Besucher hält sie von ihrem Vorhaben ab. Ein alter Freund besucht sie in ihrem Haus in Südfrankreich - im Gepäck die beiden gestrandeten Studenten Inga und Marius, die ans Meer trampen wollten. Rebecca mag die beiden und überlässt ihnen ihr Boot. Aber während des Segeltörns kommt es zu einem schrecklichen Streit. Marius fällt über Bord und ist verschwunden. Wochen später erscheint sein Bild in der Zeitung. Im Zusammenhang mit einem furchtbaren Verbrechen in Deutschland wird nach ihm gesucht.

Charlotte Link, geboren in Frankfurt/Main, ist die erfolgreichste deutsche Autorin der Gegenwart. Ihre Kriminalromane sind internationale Bestseller, auch "Die Betrogene" und zuletzt "Die Entscheidung" eroberten wieder auf Anhieb die SPIEGEL-Bestsellerliste. Allein in Deutschland wurden bislang 28,5 Millionen Bücher von Charlotte Link verkauft; ihre Romane sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Charlotte Link lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt/Main.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 27.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641138097
    Verlag: Blanvalet
    Größe: 2250 kBytes
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Der fremde Gast

Sonntag, 18. Juli

Sie träumte, ein kleiner Junge habe an ihrer Haustür geklingelt. Sie wimmelte ihn ab, so wie sie jeden abwimmelte, der ungebeten vor ihr stand und irgendetwas von ihr haben wollte. Dieses überfallartige Betteln war ihr schon immer ein Dorn im Auge gewesen, sie fühlte sich bedrängt und genötigt, wenn plötzlich jemand auf ihrem Grundstück aufkreuzte und die Hand aufhielt. Meist ging es um einen guten Zweck, natürlich, aber wer wusste schon, ob diese Leute immer ehrlich waren? Und auch wenn sie mit irgendwelchen Ausweisen herumfuchtelten, die sie als sammelberechtigt für karitative Vereinigungen auswiesen, so war es doch einfach unmöglich, so schnell zu erkennen, ob es sich nicht um eine mehr oder weniger gut gemachte Fälschung handelte. Vor allem, wenn man siebenundsechzig Jahre alt war und zunehmend Probleme mit den Augen hatte.

Kaum dass sie die Tür geschlossen hatte, klingelte es erneut.

Sie setzte sich ruckartig im Bett auf, verwirrt, weil das Klingeln aus dem Traum sie diesmal tatsächlich aus dem Schlaf gerissen hatte. Das Bild des Jungen hatte sie noch immer vor Augen: ein spitzes, blasses, fast durchsichtiges Gesicht mit riesigen Augen. Er bat nicht um Geld, er bat um Essen.

"Ich habe solchen Hunger", hatte er gesagt, leise und doch fast anklagend. Sie hatte die Tür zugeworfen, entsetzt, erschrocken, konfrontiert mit einem Aspekt der Welt, den sie nicht sehen wollte. Hatte sich umgedreht und versucht, das Bild loszuwerden, und in dem Moment hatte es geklingelt, und sie dachte: Nun ist er das schon wieder!

Warum war sie jetzt aufgewacht? Hatte es tatsächlich geklingelt? Man baute solche Geräusche gern in seine Träume ein. Aber es hätte dann ja nur ein Wecker sein können, und sie hatten gar keinen. Schließlich arbeiteten sie nicht mehr, und morgens wurden sie beide ohnehin ganz von selbst ziemlich früh wach.

Es war sehr dunkel, aber durch die Ritzen des Rolladens drang ein wenig Licht von den Straßenlaternen herein. Sie konnte ihren schlafenden Mann neben sich sehen. Wie immer lag er völlig bewegungslos, und sein Atem ging so flach und leise, dass man sehr genau hinhören musste, um zu wissen, ob da überhaupt noch Atem war. Sie hatte schon gelesen, dass ältere Paare abends gemeinsam einschliefen, und dann wachte morgens einer von ihnen auf und der andere war tot. Dann hatte sie gedacht, wenn Fred auf diese Art sterben würde, würde es ganz schön lange dauern, bis ihr das auffiel.

Ihr Herz klopfte hart und schnell. Ein Blick zur elektronischen Uhr, deren Zahlen hellgrün leuchteten, sagte ihr, dass es fast zwei Uhr in der Nacht war. Keine gute Zeit, um aufzuwachen. Man war so schutzlos. Sie jedenfalls. Sie hatte schon oft das Gefühl gehabt, sollte ihr jemals etwas Schlimmes zustoßen – sollte sie sterben zum Beispiel –, dann würde das nachts zwischen ein und vier Uhr passieren.

Ein bedrückender Traum, sagte sie sich, nichts weiter. Du kannst ruhig wieder einschlafen.

Sie legte sich in ihr Kissen zurück, und in diesem Moment klingelte es erneut, und sie begriff, dass es kein Traum gewesen war.

Jemand klingelte um zwei Uhr nachts an ihrer Haustür.

Sie setzte sich erneut auf und hörte ihren eigenen hektischen Atem in der beklemmenden Stille, die auf das schrille Klingeln folgte.

Das ist ganz ungefährlich, dachte sie, ich muss ja nicht aufmachen.

Es konnte nichts Gutes bedeuten. Nicht einmal Hausierer klingelten um diese Zeit. Wer um diese Zeit Menschen aus dem Schlaf schreckte, der führte entweder Böses im Schilde oder war in eine Notlage geraten. Und war Letzteres nicht viel wahrscheinlicher? Ein Einbrecher oder Raubmörder

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