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Der Gang unter der Erde von Hyan, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.07.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Der Gang unter der Erde

'Raffinierter Einbruch! Durch unterirdischen Stollen in den Tresor einer Großbank', titelten die Zeitungen. Marion, die Tochter des Bankdirektors Lindström steht kurz vor ihrer Verlobung mit dem Komponisten Stefan von Wieland. In der Nacht vor der Feier wird die Bank ausgeraubt, ein Stollen ist in den Tresorraum gegraben worden. Als die Polizei die Panzertür öffnet, macht sie eine schockierende Entdeckung: Einer der Bankräuber liegt tot, vergiftet, vor dem Tresor. Wenig später ist Marion verschwunden, vermutlich gewaltsam entführt. Detektiv Splittericht versucht das Rätsel zu lösen und den Schuldigen zu finden. Steckt hinter den Einbrechern ein Insider des Bankhauses? Der Sohn des Hauptkassierers oder einer der jungen Banker? Der Detektiv macht sich auf die Jagd, die bis nach Nizza führt ... Ein sensationeller Fall aus der Berliner Kriminalgeschichte, der seinerzeit wochenlang die Spezialisten vom Alexanderplatz in Aufregung versetzte, ist hier zum atemberaubend spannenden Roman gestaltet. Zum Autor: Hans Hyan (1868-1944) war ein deutscher Kabarettist, Gerichtsreporter und Schriftsteller. Er verfasste vor allem Kriminalromane, aber auch Drehbücher. Hyan besuchte das Gymnasium in Prenzlau, Brandenburg. 1901 hob er in Berlin das Kabarett 'Zur Silbernen Punschterrine' aus der Taufe, das bis 1904 bestand. Hyan war liberal und sozialkritisch eingestellt. Diese Haltung schlug sich auch in seinen zahlreichen Kriminalromanen nieder.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 17.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711445914
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1264 kBytes
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Der Gang unter der Erde

III

Wenn man in den Schalterraum der Bank eintrat, so lagen rechts die sich weit hinziehenden Einzelschalter, vor denen sich das Publikum aufhielt. Es standen da Tische zum Schreiben, Sessel und Stühle und an der linken Wand mehrere große Lederbänke. Links vom Eingang führte eine Holztreppe mit geschnitztem Eichenholzgeländer in den Tresor hinab. Der Treppeneingang war offen. Unten kam man in einen kleinen Vorraum und dann an die Tresortür selbst, die, gleich einer mächtigen Stahlwand, den Zugang zu diesem Mammut-Kassenschrank versperrte. Das Buchstaben-Stellschloß war nach besonderer Konstruktion gearbeitet. Niemand außer dem Konsul Hermann und dem Hauptkassierer Reese kannte die Zahlenfolge des Stellschlosses, die obendrein alle Woche einmal geändert wurde.

"Es ist also ganz unmöglich", meinte Herr Henderson, "in diesen Tresor einzudringen. Denn selbst wenn man die Schlüssel hat, so muß man doch immer noch die Stellziffern wissen."

Doktor Splittericht nickte, und wieder irrte jenes seltsame Lächeln um seine Lippen.

"Man hätte nur an den Luftschacht denken müssen, der doch eigentlich, wenn man so will, recht überflüssig ist."

In diesem Augenblick trat der Generaldirektor der "Allgemeinen Handelsbank", Konsul Hermann, in den Vorraum des Tresors und begrüßte, mit besorgtem Blick die Tresortür musternd, die Herren von der Behörde. Mit Herrn Henderson war er seit langem befreundet. Er schüttelte den Kopf:

"Ich kann es mir doch gar nicht denken, lieber Herr Oberregierungsrat ... unter der Straße lang und durch die Hausmauer ...? Ist denn so etwas möglich?"

"Ja ..." Der Oberregierungsrat strich den kurzen grauen Schnurrbart. "Es muß wohl so sein, Herr Konsul. Eben sagte Doktor Splittericht noch ... übrigens, darf ich vorstellen: Herr Doktor Splittericht - Herr Konsul Hermann ... ach, die Herren kennen sich?"

Der Bankier reichte dem Detektiv die Hand:

"Ich habe viel von Ihnen gehört, Herr Doktor! Und gerade in diesen Tagen hatte ich vor, Sie in einer ... Sie in einer Sache um Ihren Rat zu bitten ..."

Der Detektiv verbeugte sich:

"Ich stehe immer zu Diensten, Herr Konsul!"

Der Oberregierungsrat lächelte verbindlich:

"Ja, aber der Doktor hat recht: an den Luftschacht im Tresor hätte man denken sollen ... der ist ja übrigens total überflüssig ... Wenn einer, der hier was zu suchen hat, hineingeht, so bleibt die Tresortür offen und er kriegt Luft von außen. Und wenn einer eindringt, der nichts darin zu suchen hat, dann hat man eigentlich nicht notwendig, für Luftzuführung zu sorgen ..."

Konsul Hermann stellte jetzt die Scheiben-Kombination des Stellschlosses an der Tresortür auf die nur ihm und dem Hauptkassierer bekannte Stellziffer ein und drehte das Handrad einmal. Es wurde dadurch eine kleine schmale Nische in der Außenpanzerung frei, und der Bankier erklärte dem Leiter der Kriminalpolizei: das sei die sogenannte Lafette. Dahinein täte man diesen Schlüssel - er holte aus einem kleinen Lederetui ein unwahrscheinlich kleines, flach-sichelartiges Instrument hervor, das er nun in die Vertiefung einpaßte.

"Sie sehen, lieber Herr Oberregierungsrat, ein Schloß gibt es hier eigentlich überhaupt nicht, wenigstens nicht an der Oberfläche der Tür. Das Schloß ist eingelagert in die hintere Panzerung. Erst die zweite Umdrehung des Handrades", er legte seine Hand auf das Rad, "führt den Schlüssel mit der Lafette in das versteckte und so doppelt geschützte Patentschloß ... wenn ich jetzt das Rad noch eine halbe Drehung machen lasse, dann ist das Schloß offen, und gleichzeitig schiebt sich die hundert Zentner schwere Doppeltür selbsttätig auseinander."

Er ließ seinen Worten die Tat folgen und trat dann mit dem Kassenboten Matschunke, der neben ihm stand, in den Tresor. Aber die beiden Männer prallten zurück, der Kassenbote schrie laut und Konsul Hermann griff nach dem blanken Stahl der Gittertür. Hinter den beiden reckten d

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