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Der gestreifte Affe von Brack, Robert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.02.2015
  • Verlag: Midnight
eBook (ePUB)
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Der gestreifte Affe

St. Pauli 1922. Das Viertel gleicht einem Hexenkessel. Illegales Glücksspiel, Prostitution, Rauschgifthandel und organisiertes Verbrechen greifen um sich. Zudem erschüttert ein grauenvoller Mord die Bevölkerung. Als ein völlig verwahrloster und verstörter Junge auf die Davidwache gebracht wird, übernimmt Heinrich Hansen den schwierigsten Fall seines Lebens, in den alte Freunde und neue Widersacher verwickelt sind – und seine Jugendliebe Lilo Koester, die 'Königin der Reeperbahn'. Nach "Die rote Katze" der zweite Teil der St.-Pauli-Trilogie mit Heinrich Hansen. Von Robert Brack sind bei Midnight in der 'Heinrich-Hansen-Krimi'-Reihe erschienen: Die rote Katze Der gestreifte Affe Die schwarze Schlange Robert Brack, geboren 1959, lebt seit 1981 in Hamburg. Er arbeitet als Übersetzer und freier Schriftsteller. Für seine historischen und politischen Kriminalromane wurde er mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 06.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958190245
    Verlag: Midnight
    Größe: 3099 kBytes
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Der gestreifte Affe

"Haltet die Zeit an! Schießt auf die Uhr! Na, los doch!", hörte Hansen eine Stimme aus der Masse.

So ein Unsinn, dachte der Kriminal-Oberwachtmeister, was kann denn die arme Uhr dafür? Seit fünf Jahren macht sie brav ihre Arbeit, nie geht sie falsch.

Erst an diesem Morgen war er ins Dachgeschoss der neuen St.-Pauli-Polizeiwache gestiegen, um den gut geölten Mechanismus aufzuziehen. Er vergaß nie, wenn es Zeit dafür war. Und nun hatte sich da unten auf dem Spielbudenplatz der Mob versammelt und wollte die Zeit anhalten.

Ein Schuss ertönte. Ein Fenster im Erdgeschoss ging splitternd zu Bruch.

Um Gottes willen, die wollen uns wirklich an den Kragen! Hansen schaute sich um. Knapp zwanzig Männer, teils uniformiert, teils in Zivil, hatten sich im ersten Stock der Davidwache versammelt, weitere zehn harrten im Erdgeschoss aus. Manche hielten Karabiner in den Händen, andere hatten ihre Pistolen gezogen. Mitten unter ihnen stand der neue Revierleiter Kommissar Ramming, die Mauser in der Hand. Kaum hatte er den Schuss und das Zerbersten des Fensters vernommen, stieg ihm die Zornesröte ins Gesicht. "Dieses Pack!", rief Ramming, während er seine Pistole durchlud. "Verdammtes Gesindel! Ungeziefer! Ausmerzen sollte man die ganze Bagage!"

Die haben doch nur Hunger, dachte Hansen.

Ramming setzte sich ans Telefon und gab eine Meldung an die Polizeizentrale im Stadthaus durch, forderte Panzerwagen an. Die Verbindung brach ab. Leise vor sich hin schimpfend hängte er ein.

Hansen warf einen Blick durch das geöffnete Fenster. Die Menge wuchs stetig an. Es hatte eine Versammlung gegeben, drüben auf dem Heiligengeistfeld. Das hatten die Informanten der Polizeibehörde frühzeitig mitgeteilt. Auch dass die Spartakisten ihre Agitatoren dort hinschicken würden. Natürlich hatten sich die Beamten auf der Wache darauf eingestellt, ebenso wie ihre Kollegen von der Bezirkswache an der Eimsbütteler Straße. Nach solchen Versammlungen ging es immer hoch her auf der Reeperbahn, dem Spielbudenplatz und den Seitenstraßen von St. Pauli. Das kannte man schon. Seit einem halben Jahr war Revolution, da gewöhnte man sich an Menschenaufläufe. Aber an diesem Tag schien die Sache aus dem Ruder zu laufen.

"Was wollen die denn von uns?", rief ein junger Schutzmann aus. "Wieso schießen sie auf die Uhr?"

Hansen schaute wieder durch das Fenster: Ob sie das selbst so genau wissen, die da draußen?, fragte er sich. Vielleicht denken die in ihrer Wut ja, eine Uhr an der Fassade einer Polizeiwache sei ein Symbol der Unterdrückung.

Ein Wachtmeister mit einem Notizzettel in der Hand kam ins Zimmer gestürmt. "Tumulte auf dem Rathausmarkt, Zusammenrottung vor dem Stadthaus, Übergriffe im Hafen, Aufruhr vor dem Untersuchungsgefängnis!", las er hastig vor. "Mehrere Polizeiwachen in Eimsbüttel, St. Georg und in der Altstadt vom Mob belagert. Wache 17 in der Karolinenstraße gestürmt."

Kommissar Ramming riss dem Beamten den Zettel aus der Hand und zerknüllte ihn. "Das haben sie ja fein eingefädelt", sagte er grimmig. "Aber nicht mit uns, Männer! Wir verbarrikadieren uns!"

Das große Möbelrücken begann. Schränke wurden vor die Fenster geschoben, Tische und Schreibpulte hochkant gestellt, Matratzen aus den Unterkunftsräumen geholt, bis die meisten Fenster verstellt waren und nur noch spaltbreite Schießscharten übrig blieben.

Der Spielbudenplatz war nun voller Menschen, auch die Davidstraße füllte sich. Noch immer kamen Leute von rechts und links die Reeperbahn entlanggelaufen oder strömten aus den Seitenstraßen herbei. Wütendes Gebrüll aus Männer- und Frauenkehlen schallte zu ihnen herauf, sogar Kindergeschrei war zu hören. Schritt für Schritt schob sich die wogende Menschenmasse näher an die Wache heran.

Hansen schaute immer wieder hinaus. Drei Polizisten mit Karabinern vor der Brust standen unten vor dem Tor. Aber was vermochten die schon gegen diesen Auflauf auszurichten?

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