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Der Großaktionär Ein Fall für Kostas Charitos von Markaris, Petros (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Der Großaktionär

Der Traum von einer gerechteren Welt - in seinem Namen wird Gutes getan, aber auch getötet und Gewalt ausgeübt. Dies bekommt Katerina zu spüren, als sie in die Hände von Terroristen fällt. Ihr Vater Kostas Charitos dreht fast durch. Er, der Kommissar, muss jetzt stillhalten, Geduld haben, Nerven beweisen.

Petros Markaris, geboren 1937 in Istanbul, ist Verfasser von Theaterstücken und Schöpfer einer Fernsehserie, er war Co-Autor von Theo Angelopoulos und hat deutsche Dramatiker wie Brecht und Goethe ins Griechische übertragen. Mit dem Schreiben von Kriminalromanen begann er erst Mitte der neunziger Jahre und wurde damit international erfolgreich. Er hat zahlreiche europäische Preise gewonnen, darunter den Pepe-Carvalho-Preis Goethe-Medaille

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257606348
    Verlag: Diogenes
    Serie: Kostas Charitos Bd.4
    Originaltitel: Vasikos metochos
    Größe: 1537 kBytes
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Der Großaktionär

[13] 2

Wir kehren in Fanis' Fiat Brava nach Athen zurück. Katerina hat mich an Fanis' Seite genötigt, damit ich bequemer sitze, und mit Adriani auf dem Rücksitz Platz genommen. Ihre Mutter ist nach der feuchtfröhlichen Feier von Katerinas Doktortitel mit Tsipouro und Fischhäppchen in einer Taverne in Kalamaria noch etwas wackelig auf den Beinen. Nun ist es zehn Uhr vormittags, und wir haben Platamonas bereits hinter uns gelassen, da uns Fanis' Eltern in Volos zum Mittagessen erwarten. Wir haben uns seit ihrem ersten Höflichkeitsbesuch bei uns zu Hause nicht mehr gesehen.

Adriani öffnet hin und wieder halb die Augen und sagt besorgt: "Fahr nicht so schnell, Fanis. Wir wollen am Eßtisch und nicht im Krankenhaus landen."

Bevor sie Fanis' Antwort hören kann, ist ihr Kopf schon wieder vornübergesunken und wippt auf und nieder. Nach kurzer Zeit wacht sie wieder auf und sagt denselben Satz noch mal. Das zerrt an meinen und Katerinas Nerven, doch Fanis findet einen Weg, sie zu beruhigen, vielleicht weil er sie nie ernst nimmt.

"Nur keine Angst, Adriani", meint er. "Ich fahre nur hundert, aber du bist an den Mirafiori deines Mannes gewöhnt, der über dreißig nicht hinauskommt, deshalb meinst du, wir rasen."

"Ich steige niemals in das Auto meines Mannes, Fanis", [14] fährt ihm Adriani über den Mund. "Denn ich habe keinerlei Lust, zu schieben und in meinem Alter mitten auf der Straße ein Schauspiel zu bieten."

Ich fühle Fanis' Blick auf mir ruhen, doch ich betrachte durch die Windschutzscheibe lieber wortlos den vor uns fahrenden Mercedes 280 Kompressor, um nicht an einem so hochoffiziellen Tag die aktuellen und künftigen Familienmitglieder offen zu beleidigen.

Seit Jahren habe ich die Nationalstraße Athen-Lamia nicht mehr benützt. Genauer gesagt habe ich seit Jahren keine einzige Nationalstraße über die Grenzen von Elefsina oder Malakassa hinaus benützt. Die einzige darüber hinausgehende Fahrtroute der letzten Jahre ging übers Meer zur Insel, wo meine Schwägerin Eleni wohnt. Mein Heimatdorf in Epirus habe ich seit dem Tod meiner Mutter aus meinen Fahrplänen gestrichen. Nach Thessaloniki, wo Katerina studierte, bin ich bis auf gestern kein einziges Mal hochgefahren. Vielmehr geduldete ich mich, bis sie in den Weihnachts- und Osterferien zu uns nach Athen kam.

Wir biegen in die Straße nach Velestino ein, um nach Volos zu gelangen. Fanis' Eltern wohnen ein wenig außerhalb, an der Straße zum Ostpilion, in einer Maisonette griechischen Zuschnitts: unten der Laden und oben die Wohnung. Und auch der Laden ist eine Gemischtwarenhandlung griechischen Zuschnitts, die von Kurzwaren wie Näh- und Futterseide bis zu Makkaroni und Tomatensoße alles im Sortiment hat. Zunächst führen sie uns den Laden vor, und mit einemmal überkommt mich Heimweh nach der Zeit, als mein Vater, Unteroffizier bei der Gendarmerie, Ziegendieben und ich Taschendieben hinterherjagten. Und wenn ich [15] damals einen Ehrenmord aufzuklären hatte, ging ich zum Haus des Mörders, der auf einem Stuhl sitzend mit hängendem Kopf darauf wartete, daß ich ihm Handschellen anlegte. Nun haben Supermärkte die Krämerläden griechischen Zuschnitts verdrängt, und ich jage Mafiosi hinterher, die gewissermaßen das Personal in den Supermärkten des Verbrechens sind, wo alles im Angebot ist: von Ukrainerinnen und Rauschgift bis zu Nachtlokalen und großen Bürokomplexen.

"Den meisten Umsatz machen wir sonntags, wenn die anderen Geschäfte zu sind", erläutert Sevasti. "Wie gut, daß den Griechen viele Dinge immer erst in letzter Minute einfallen."

"Seitdem ich die Feldarbeit aufgegeben habe und mich nur mehr auf den Laden beschränke, habe ich das Sortiment erheblich aufgestockt", ergänzt Prodromos, ihr Mann.

"Pflanzt du keinen Tabak mehr an?" frage ich. Als sie uns besuchten, hatte er von seinem Taba

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