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Der irische Inspektor von O'Connor, Gemma (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2016
  • Verlag: Fahrenheit
eBook (ePUB)
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Der irische Inspektor

Der Mord an einer Amerikanerin in einem idyllischen Dorf an der irischen Küste wurde nie aufgeklärt. Der als Täter überführte V.J. Sweeney kam unter mysteriösen Umständen zu Tode und der ermittelnde Beamte floh, als sein Verhältnis zu Sweeneys Frau publik wurde. Zehn Jahre später hält die Reporterin einer Boulevardzeitung den längst vergessenen Fall für den gelungenen Auftakt zu einer reißerischen Serie. Doch dabei kommen Dinge ans Licht, die besser verborgen geblieben wären ... Gemma O'Connor, geboren in Dublin, wuchs in Irland und Frankreich auf. Mit ihren psychologisch dichten Kriminalromanen avancierte sie in England schnell zur Erfolgsautorin. Zusammen mit ihrem Mann lebt die ehemalige Buchrestauratorin heute in einem Cottage bei Oxford. Zuletzt erschien auf deutsch ihr sechster Roman: "Der irische Inspektor".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 01.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492982467
    Verlag: Fahrenheit
    Größe: 712 kBytes
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Der irische Inspektor

Gil

Duncreagh Listening Post

jahresregatta in passage south:

Sieger des Baltiboys-Rennens war der englische Geschäftsmann vj Sweeney aus Coribeen auf seiner Ketsch Azurra . Mr. Sweeney ist vor kurzem in die Geschäftsleitung des Atlantis Hotel in Passage South eingetreten. Den zweiten Platz belegte Mrs. Evangeline Walter aus Trianach auf Cynara . Die Zahl der Teilnehmer konnte es durchaus mit der vergangener Jahre aufnehmen.

(Zwölf Jahre alter Zeitungsbericht, den Gil Recaldo im Zeitungsarchiv gefunden hatte)

Das Wasser des Glár ist schwarz und moorig. Undurchsichtig. Doch wo es über die rund geschliffenen Kiesel der Mündung fließt, erscheint es klarer. Wenn ich meine Hand eintauchte, konnte ich winzige, im hellen Wasser schwebende Teilchen erkennen, aber sobald ich die Füße in den glitschigen braunen Schlick einsinken ließ, wirbelte die dunkle Farbe heraus und verbarg sie vor meinem Blick. Der Fluß war meine Zuflucht. Einmal bin ich bei Flut zwischen dem Boot meines Vaters und der Anlegestelle hineingefallen. Als ich tiefer sank, immer tiefer, dachte ich, wie ruhig es ist, wie kühl, wie geheimnisvoll und still. Ich erreichte den Grund, ehe ich versuchte, wieder an die Oberfläche zu kommen. Ich hatte es nicht eilig. Das Wasser umhüllte mich, umschloß mich sicher, und ich wußte, wann immer es zu schlimm kommen würde, konnte ich mich zum Fluß davonstehlen. Ich glaube, es ist nie vorgekommen, daß mein Vater mich aus dem Wasser geholt hat, weil es gefährlich wurde. Er hätte es nicht einmal bemerkt, wenn ich ertrunken wäre. Ich muß sogar gedacht haben, er wäre froh, wenn er mich mit dem Gesicht nach unten sähe.

Im Gegensatz dazu ließ meine Mutter mich nicht aus den Augen. Es ist ihre tröstende Anwesenheit, an die ich mich erinnere. Sie fürchtete meinen Vater so sehr wie ich, doch wenn sie bei mir war, hatte ich weniger Angst. Von den schlimmsten Dingen schirmte sie mich ab. Meistens. Papa war ständig wütend - auf sie, auf mich, auf die ganze gottverdammte Welt. Er hatte die häßliche Angewohnheit, mit den Zähnen zu knirschen, ehe er explodierte. Sein Naturell war bösartig, und es schien ihm egal zu sein, auf wen von uns er losging. Für ihn machte es keinen Unterschied. Ich glaube, sie hatte keine Ahnung, wieviel ich mitbekam, wie sehr ich sie durch die Kraft meiner Gedanken dazu bringen wollte, ihm eine zu verpassen, ihn verschwinden zu lassen. Oft stampfte ich mit den Füßen auf den Boden und wünschte, es wäre er, auf dem ich herumtrampelte. Jetzt, wo ich erwachsen bin, denken alle, ich sei einer, mit dem man alles machen kann, doch ich glaube, ich habe seine üblen Stimmungen geerbt, und das macht mir angst. Manchmal muß ich mich auf meine Hände setzen, damit ich nicht anfange, um mich zu schlagen. Ich bin mir nicht sicher, ob das jemand bemerkt. Meine Mutter bestimmt nicht; sie kriegt selten etwas mit, weil sie häufig ein wenig abwesend ist. Doch das könnte Absicht sein. Vielleicht hat sie ja, genau wie ich, einiges zu verbergen.

Cressie sorgte sich immer um mich. So nenne ich sie jetzt, doch als ich klein war, nannte ich sie "Mama". Es war das erste Wort, das sie mir beibrachte, und für lange Zeit das einzige, das ich aussprechen konnte. In meiner frühesten Erinnerung sitzen wir beide auf dem Fußboden eines leeren Raums, sie umklammert mich und hält einen warmen, feuchten Waschlappen an eine Seite meines Gesichts. Es ist Blut, das langsam herabtropft und zwischen alten, grob behauenen Bruchsteinfliesen versickert. Mama weint. Die Tränen rollen ihr langsam über das Gesicht. Stumm wünsche ich, sie würde aufhören. Ich kann unseren Hund Finnegan sehen, der an der Tür Wache hält. Sein Schwanz hängt herunter, doch sein Maul klappt auf und zu. Kein Geräusch.

Ich trottete neben meiner Mutter her, wo immer sie hinging. Die Leute lächelten, wenn sie mit ihr sprachen; sie tätschelten meinen Kopf un

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