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Der Junge Psychothriller von Dahl, Alex (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.01.2019
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Der Junge

Cecilia Wilborg führt ein Leben, von dem die meisten Menschen nur träumen können. Sie wohnt mit ihrem erfolgreichen Mann und den gemeinsamen Töchtern in einer friedlichen und wohlhabenden Kleinstadt in Norwegen. Doch eines Tages wird sie gebeten, sich um einen kleinen Jungen zu kümmern, der plötzlich in der örtlichen Schwimmhalle aufgetaucht ist. Keiner weiß, wo Tobias herkommt oder wer er ist. Dann wird eine tote Frau gefunden, die man für seine Mutter hält. Aber Tobias kommt auch Cecilia merkwürdig vertraut vor. Hat sie ein Geheimnis, von dem niemand etwas ahnt? Und wie weit ist sie bereit zu gehen, um es zu schützen? Alex Dahl ist halb Norwegerin, halb Amerikanerin und lebt in Norwegen und London. Sie ist eine entfernte Verwandte von Roald Dahl, spricht fließend Deutsch und Französisch und hat einen Master in Kreativem Schreiben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 21.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641228200
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: The Boy at the Door
    Größe: 4431 kBytes
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Der Junge

Kapitel eins

Am Dienstag wache ich wütend auf. Ehrlich gesagt passiert mir das oft, aber heute ist es schlimmer als sonst. Erstens, weil ich allein aufwache - Johan ist zum dritten Mal in diesem Monat nach London gefahren -, und zweitens, weil wir Oktober haben und es bis kurz vor neun stockdunkel bleibt. Widerwillig kämpfe ich mich aus dem Bett, stelle mich eine Zeit lang ans Fenster und sehe zum Hafen hinunter. Es ist noch keine sieben Uhr, und trotzdem schiebt sich auf der anderen Seite der Bucht eine Schlange von Autos langsam Richtung Schnellstraße. In der dünnen, unheimlichen Eisschicht über dem Hafenwasser spiegelt sich das Mondlicht. Unten im Haus streiten sich meine Töchter. Ein Blick auf mein Handy zeigt mir zahlreiche Nachrichten und verpasste Anrufe, aber dafür fehlt mir jetzt einfach die Kraft. Zurzeit passiert so viel, dass ich letzte Woche kaum im Büro war. Heute jedoch werde ich hingehen.

Ich mache ein paar übermäßig tiefe Atemzüge und starre den Mond an, der noch hoch am Himmel steht; Achtsamkeit soll ja helfen, sich weiterzuentwickeln. Ich versuche, Sandefjord zu sehen, wie es im Sommer ist, wenn es wirklich Freude macht, im hellen Licht des späten Abends an diesem Fenster zu stehen und auf den friedvollen, ruhigen Innenhafen voller Freizeitboote zu schauen. Wir bekommen mehr Sonne ab als die meisten anderen Gegenden Norwegens, nur sind dafür die Winter in Sandefjord auch besonders nass und trüb. Dem Wetterbericht zufolge können wir heute Nachmittag wieder mit sintflutartigen Regenfällen rechnen, doch im Moment ist es kühl und klar. Ich atme noch ein paarmal tief durch und wappne mich innerlich für den Tag, der vor mir liegt. Wahrscheinlich hat jeder ab und zu das Gefühl, die Welt wäre ein finsterer Ort.

Der Dienstag ist in meiner Welt ein scheußlicher Tag. Vor allem, nachdem Marialuz beschlossen hat, uns nach der Hälfte ihrer Vertragslaufzeit zu verlassen. Jetzt stehe ich ohne Au-pair da. Mit diesen Leuten hat man einfach kein Glück. Es gefällt mir nicht besonders, eine Fremde im Haus zu haben. Aber erst recht gefällt es mir nicht, die ganze Arbeit allein erledigen zu müssen. Es ist schlicht nicht machbar. Vor allem dienstags nicht, wenn beide Mädchen nach der Schule an entgegengesetzten Enden der Stadt Termine haben. Nicoline hat um fünf Ballett und Hermine um sechs Schwimmen. Weil Nicoline um halb sieben fertig ist, muss ich sie dann aus der Stadt abholen und mit ihr zum Schwimmbad fahren, wo wir auf hässlichen Plastikstühlen hocken und bis Viertel nach sieben kleine Kinder beim Planschen beobachten. Nicoline quengelt während dieser halben Stunde durchgehend, es sei denn, ich lasse sie mit meinem Handy Schminkvideos auf Youtube anschauen und kaufe ihr Süßigkeiten. Was ich auch tue. Natürlich.

Heute bin ich besonders genervt und reizbar. Bei der Arbeit läuft es nicht gerade nach Plan. Ich mache mich für meine Kundinnen krumm, manchmal buchstäblich, und sie beschweren sich immer noch. Angela Salomonsen hatte die Stirn, mir heute zu mailen, die violetten Kissen aus Rohseide, die ich in Lyon in Handarbeit habe anfertigen lassen, würden bei den Lichtverhältnissen in ihrem Wintergarten taubengrau wirken. Ob ich sie sofort anrufen könne, um das Problem zu besprechen? Mit solchen Dingen muss ich mich als Innenausstatterin in einer wohlhabenden Stadt voller verwöhnter, gelangweilter Ehefrauen herumschlagen. Manchmal erscheint es mir fast wie ein Wunder, dass ich überhaupt arbeite. Schließlich habe ich zwei kleine Kinder, einen Mann, der ständig auf Reisen ist, und kein Au-pair. Ich müsste eigentlich keinen Beruf ausüben, aber ich mag meine Arbeit, und es ist sehr teuer, ich zu sein. Außerdem gilt es in meinen Kreisen eindeutig als etwas faul, zu Hause zu bleiben. Es sei denn, man betreibt in der eigenen Küche einen Cupcakeverkauf und bloggt darüber. Aber das tue ich nicht. Ich hasse sowohl Cupcakes als auch Blogs.

Es schüttet wie aus Eimern. Beim A

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