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Der kalte Traum Roman von Bottini, Oliver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.02.2012
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Der kalte Traum

Hochspannend, dramatisch, brisant Rottweil, eine idyllische Stadt in Schwaben: Sasa Jordan steht vor dem Hof der Familie Bachmeier und wartet. Sie sehen ihn von drinnen. Aber er wartet ab. Er hat Zeit. Zeit ist alles, was er braucht, bis sie zermürbt sind - bis sie ihm freiwillig geben, was er will. Thomas Cavar war Deutscher. Gerade hatte er sein Abitur bestanden, die Zukunft wirkte vielversprechend. Doch dann kam der Krieg, der alles änderte. War nicht Kroatien seine richtige Heimat? Musste er nicht kämpfen für die Unabhängigkeit? Thomas Cavar kämpfte - und fiel. Jetzt, fünfzehn Jahre später, tauchen plötzlich Fragen zu seinem Tod auf: Yvonne Ahrens, Journalistin in Zagreb, stößt auf Hinweise zu kroatischen Kriegsverbrechen und auf einen Soldaten, der daran beteiligt gewesen sein soll. Richard Ehringer, Ex-Politiker, bittet seinen Neffen bei der Polizei in Berlin, mehr über Cavars Kriegseinsatz herauszufinden. Und Sasa Jordan, kroatischer Geheimdienstler, forscht in Rottweil nach. Dort, wo alles begann. Irgendjemand muss etwas über Cavar wissen - zum Beispiel, ob er noch lebt. Eine kaltblütige Hetzjagd beginnt ... Oliver Bottini wurde 1965 geboren. Für seine Romane erhielt er zahlreiche Preise, unter anderem viermal den Deutschen Krimi Preis, den Krimipreis von Radio Bremen, den Berliner Krimifuchs Ein paar Tage Licht Der kalte Traum

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 16.02.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832186197
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Größe: 1786 kBytes
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Der kalte Traum

1

SAMSTAG, 9. OKTOBER 2010

NAHE ROTTWEIL/BADEN-WÜRTTEMBERG

So stellte Saša Jordan sich das Leben vor, irgendwann einmal, wenn alles vorbei war: ein sanftmütiges Tal wie dieses, umgeben von rotgoldenen Wäldern, unter einem stillen Himmel, den weder die Lebenden noch die Toten zu fürchten brauchten. In all den Jahren hatte er die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es eines Tages auch in der Heimat solche Orte geben würde.

Orte, die vergessen hatten.

Aber noch war es nicht so weit.

Fast lautlos trat er aus dem Wald und stieg die Böschung zur Schotterstraße hinunter. Der Bauernhof lag jetzt in Sichtweite, Scheune und Stall, dazwischen das Wohnhaus mit rotem Schindeldach, das in der Vormittagssonne zu glühen schien. Über den Vorplatz wirbelte ein grasgrüner Punkt, das kleine Mädchen, flog hin und her wie ein Schmetterling. Ein dunklerer Punkt folgte träge, der alte Hund, trottete nach rechts, nach links, sank aufs Hinterteil.

Ein fernes Kläffen, ein Mädchenlachen, dann war es wieder still.

Jordan hatte den Namen des Mädchens vergessen, an den des Hundes erinnerte er sich, er hatte ihn in den letzten Tagen oft genug gehört – Methusalem. Als hätte Markus Bachmeier vor zwanzig Jahren geahnt, dass der Welpe in seinen Händen ein biblisches Alter erreichen würde.

1990, dachte er, ein Hund wird geboren, ein Staat entsteht. Zwanzig Jahre später kreuzten sich beider Schicksale.

Auf dem Hügelkamm jenseits des Hofes fuhr ein glitzerndes Auto, über das abgeerntete Feld neben der Schotterstraße flogen Raben. Eine Hand in der Hosentasche, das Sakko über der Schulter, folgte Jordan der Straße in Richtung Bauernhof, und der Frieden des Tales erfüllte ihn mit Ruhe.

Im Schatten eines Baumes blieb er stehen, etwa fünfzig Meter von dem Hof entfernt. Der kräftige Duft der trockenen Rinde, der Duft von Harz, ein leises Rascheln über ihm, Blätter zitterten im Wind. Er ließ das Sakko fallen, lehnte sich an den Stamm. Wartete.

Eine Stunde verging.

Das Mädchen und der Hund waren im Haus verschwunden, eine Frau im blauen Kittel hatte den Vorplatz überquert und den Stall betreten. Bachmeiers Frau oder die Angestellte, auch deren Namen hatte er vergessen.

Auf dem Rückweg zum Haus warf die Frau einen Blick in seine Richtung, kurz darauf glitt hinter einem Fenster ein Vorhang zur Seite.

Sie hatten ihn bemerkt.

Um zwölf erklang in der Ferne Glockenläuten. Minutenlang schwebten die dunklen Töne über dem Tal, zärtlicher und melodischer als das aufgeregte Gebimmel der Kirche von Briševo, das ihn und seinen Bruder viele Jahre lang zum Mittagessen nach Hause gerufen hatte. Spätestens beim letzten Schlag hatten sie am Tisch gesessen. Wer nicht da ist, wenn die Glocke schweigt, kriegt nichts, hatte der Vater oft gedroht, und die Mutter hatte gelacht und erwidert: Gib Gott, dass du nicht eines Tages taub wirst.

Als Briševo brannte, war der Hund Methusalem zwei Jahre alt gewesen.

Eine weitere Stunde verging.

Ein rundlicher Mann erschien in der Haustür, auch er sah herüber. Dann wandte er sich in Richtung Stall, das rechte Bein beim Gehen nachziehend.

Markus Bachmeier.

Vielleicht beim Mägges drüben, hatte ein Bauer aus der Nachbarschaft ein paar Tage zuvor gesagt, der hat ein kaputtes Bein und kann Hilfe gebrauchen, wenn die Hilfe billig ist.

Jordan zündete sich eine Zigarette an. Der Rauch vertrieb den Duft der Rinde und des Harzes.

Bachmeier trat aus dem Dunkel des Stalles und kehrte zum Haus zurück.

Das gedämpfte Schnattern von Gänsen, aus dem Haus ein Klirren, als

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