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Der Keller Psychothriller von Walters, Minette (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.04.2016
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Der Keller

Munas Leben ist die Hölle. Und niemand kommt ihr zu Hilfe, denn keiner weiß, dass die Familie Songolis ihr Hausmädchen behandelt wie eine Sklavin. Dabei muss sie sich nicht nur Tag für Tag bis zur Erschöpfung um das Wohl der Songolis kümmern, sondern wird auch noch jede Nacht in einen dunklen, fensterlosen Keller gesperrt. Doch dann kehrt eines Tages der jüngste Sohn der Familie aus unerklärlichen Gründen nicht mehr nach Hause zurück. Damit die ermittelnden Polizeibeamten nichts von Munas Schicksal erfahren, darf sie ihren Keller verlassen. Und diese Chance nutzt sie auch. Denn Muna ist sehr viel klüger, als alle ahnen - und ihre Pläne sind sehr viel schockierender, als irgendjemand jemals vermuten würde ... Minette Walters arbeitete lange als Redakteurin in London, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit ihrem Debüt 'Im Eishaus', das 1994 auf Deutsch veröffentlicht wurde, zählt sie zu den Lieblingsautoren von Millionen Leserinnen und Lesern in aller Welt. Alle ihre bisher erschienenen Romane wurden mit wichtigen Preisen ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Minette Walters lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Dorset, England.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 18.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641186401
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: The Cellar
    Größe: 735 kBytes
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Der Keller

Eins

Munas Schicksal wendete sich an dem Tag zum Guten, als Mr. und Mrs. Songolis jüngerer Sohn nicht aus der Schule nach Hause kam. Wenn auch nicht sofort. Zuerst empfand sie nur große Angst, als Yetunde Songoli schrie und lamentierte und sie mit einem Stock schlug, weil der Zehnjährige nicht in seinem Zimmer war. Erst Mr. Songoli setzte der Bestrafungsaktion ein Ende. Sei vernünftig, befahl er seiner Frau. Die Polizei wird Fragen stellen, wenn sie blaue Flecken an den Armen hat.

Kurz darauf bugsierte Yetunde Muna in ein Zimmer mit einem Bett und einem Fenster. Sie zog ihr ein buntes Kleid über den Kopf und band ihr dazu passende Schleifen ins Haar, während sie zischelte, sie sei eine Hexe und eine Teufelin. Sie habe einen Fluch über die Familie gebracht. Warum sonst sei Abiola nicht nach Hause gekommen?

Als sie allein war, betrachtete Muna sich im Wandspiegel. War es das, was Mr. Songoli mit "vernünftig" gemeint hatte? Muna hübsch zu machen? Es war sehr verwirrend. Nach einer langen Weile hörte sie draußen Autos vorfahren, dann das Klingeln an der Tür und fremde Stimmen im Hausflur. Sie hätte sich in eine dunkle Ecke gekauert, hätte Yetunde ihr nicht befohlen, sich auf das Bett zu setzen. Es war unbequem - ihr Rücken schmerzte von der Anstrengung, sich aufrecht zu halten -, aber sie rührte sich nicht. Die Reglosigkeit war ihr über die Jahre zur Freundin geworden. Sie erlaubte es ihr, unbemerkt zu bleiben.

Sie begann schon zu hoffen, dass man sie vergessen hatte, als sie Geräusche auf der Treppe hörte. Sie erkannte Yetunde Songolis schweren Schritt, jedoch nicht den leichteren der Person, die ihr folgte. Muna schaute teilnahmslos zur Tür, sah, wie sie sich öffnete und Yetundes wuchtiger, aufgedunsener Körper erschien, hinter ihr eine schlanke Weiße in Bluse und Hose. Muna hätte sie für einen Mann gehalten, wenn ihre Stimme nicht so weich geklungen hätte.

Yetunde setzte sich aufs Bett und legte Muna fürsorglich einen Arm um die Taille. Die Matratze gab unter dem Gewicht der Frau nach, so dass Muna sich automatisch gegen sie lehnte. Sie war zu klein und dünn, um sich dem Griff der Frau zu widersetzen. Lass dir keine Angst anmerken, warnte Yetunde sie auf Haussa. Lächle, wenn die Polizistin dich anlächelt, und antworte auf meine Fragen. Es spielt keine Rolle, was du sagst. Sie ist eine weiße Engländerin und versteht kein Haussa.

Lächeln. Muna gab sich alle Mühe, die sanfte Lippenbiegung der Weißen nachzuahmen, aber es war so lange her, dass sie etwas so Unnatürliches getan hatte. Sprechen. Sie öffnete den Mund und bewegte die Zunge, doch nichts kam heraus. Sie hatte zu viel Angst, laut auszusprechen, was sie jede Nacht flüsternd übte. Wenn sie etwas auf Englisch sagte, wäre Yetunde vollends davon überzeugt, dass sie von Dämonen besessen war.

"Wie alt ist sie?", fragte die Weiße.

Yetunde streichelte Munas Hand. "Vierzehn. Sie ist meine Erstgeborene, aber ihr Gehirn hat bei der Geburt einen Schaden erlitten, und das Lernen fällt ihr schwer." Tränen liefen über die schwammigen Wangen. "Ist denn eine Tragödie nicht genug? Muss ich jetzt mit meinem heißgeliebten Abiola eine zweite erleben?"

"Es besteht noch kein Grund, das Schlimmste anzunehmen, Mrs. Songoli. Es ist nichts Ungewöhnliches, dass zehnjährige Jungs hin und wieder die Schule schwänzen. Ich nehme an, er ist mit einem Freund nach Hause gegangen."

"Er hat noch nie die Schule geschwänzt. Die Sekretärin hätte meinen Mann in der Arbeit anrufen sollen, als sie mich nicht erreicht hat. Wir zahlen immerhin genug Schulgeld. Es ist unverantwortlich, einfach eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter zu hinterlassen."

Die Weiße hockte sich vor Muna, um mit ihr auf Augenhöhe zu sein. "Sie sagen, Sie waren den ganzen Tag unterwegs, aber was ist mit Ihrer Tochter? Wo war sie?"

"Hier. Wir haben die Erlaubnis, sie zuhause zu unterrichten. Eine Frau, die

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