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Der Kirmesmörder - Jürgen Bartsch Biografischer Kriminalroman von Schleheck, Regina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.08.2016
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
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Der Kirmesmörder - Jürgen Bartsch

Langenberg, 1966. Der Fall Bartsch erschütterte die Nachkriegs-BRD wie kein anderes Kapitalverbrechen. Jürgen Bartsch, der nach einer Kindheit voller Kälte und Missbrauch zu einem sadistischen Soziopathen wurde, lockt Kinder von Kirmesplätzen in Essen und Umgebung, um sie zu quälen, zu missbrauchen und zu ermorden. Bei der Jagd nach dem Kirmesmörder gerät eine ganze Region in Panik. Als Jürgen Bartsch schließlich gefasst wird, fordern die Menschen Vergeltung. Regina Schleheck hat sich im Krimi und in der Phantastik einen Namen gemacht. Ihr wurden mit dem Friedrich-Glauser-Preis der deutschsprachigen Krimiautoren und dem Deutschen Phantastikpreis die begehrtesten Auszeichnungen beider Genres zugesprochen - neben vielen anderen. Die 1959 in Köln geborene hauptberufliche Oberstudienrätin, fünffache Mutter sowie freiberufliche Autorin, Herausgeberin und Lektorin veröffentlicht seit 2002. Unter ihrem Namen sind Hunderte Kurzgeschichten erschienen, zudem Hörspiele, Lyrik, Theaterstücke und Drehbücher. Seit 1996 wohnt Regina Schleheck in Leverkusen. Sie gehört den "Mörderischen Schwestern" und dem "Syndikat" an. www.regina-schleheck.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 257
    Erscheinungsdatum: 03.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839251348
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 1995 kBytes
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Der Kirmesmörder - Jürgen Bartsch

Paul

Als er zu sich kam, war das Erste, was er wahrnahm, der eigene Herzschlag. Er durchpulste seinen Körper derart mächtig, als wäre da nichts außer diesem einen Organ, das ihn vollständig ausfüllte. Poch. Poch. Poch. Jedem Schlag folgte ein Rauschen, das sich in Wellen ausbreitete, die Ohren betäubte und einen Schleier über sein Bewusstsein zog. Die Erschöpfung machte ihn weich. Seine Wahrnehmung gab nach, wich wieder, wie das Meer sich schäumend über den glatt gespülten Sand zurückzog, zwischen Körnchen, Muscheln und Treibgut versickernd, winzige luftige Bläschen zurücklassend, die eine nach der anderen lautlos zerplatzten. Wie ein tiefes, ruhiges Atemholen vor den nächsten und übernächsten Wellen. Die dennoch unerbittlich und immer brutaler aufbrandeten und nach und nach, Brecher für Brecher, wieder an die Oberfläche spülten, was sich dort unten am Meeresgrund verborgen hatte. Der Schmerz. Er komprimierte das, was einst sein Kopf gewesen sein mochte, zu einer kleinen glühenden Kugel. Pochen, Rauschen, Schmerz. Pochen, Rauschen, Schmerz.

Er wurde gewahr, wie sein eigener Atem sich durch diese geballte Wucht einen Weg bahnte, spürte die Nase, den Mund, taub und trocken, weil da etwas war. Ein undefinierbarer Pfropfen von weicher Konsistenz und saurem Geschmack, der entfernt an einen Apfel erinnerte. Weiter oben mussten seine Augen sein, aber er konnte nichts sehen. War er erblindet? Die Pein, die das nächste Pochen aus allen Regionen des Körpers in sein Bewusstsein spülte, verdrängte den Gedanken. Drei weitere Schmerzzentren meldeten sich: Arme, Beine, Unterleib. Dann kam die Erkenntnis. Schlag auf Schlag. Es war stockdunkel. Er war splitternackt. Lag an Armen und Beinen fest verschnürt auf einem kalten steinigen Untergrund, spürte Geröll und Feuchtigkeit unter sich. Die Luft roch modrig und es stank. Der brennende Schmerz, der in seinem Unterleib tobte, ließ ihn an Durchfall denken. Ich muss mich vollgeschissen haben, dachte er, ohne sich zu erinnern. Es fühlte sich feucht an da unten, nackte Haut auf nacktem nassen Stein. Jemand hatte ihn ausgezogen. Jemand?

Der Jemand! Der ihn gefesselt und geknebelt hatte! Nichts anderes konnte das Ding in seinem Mund bedeuten. Er wusste jetzt auch, dass er nicht blind war, wusste, dass seine Augen verquollen, aber nicht verletzt sein mochten, die eigene Betäubung und die Dunkelheit hatten ihn in die Irre geführt. Er lag in der Höhle!

Der Gedanke, dass er vollkommen hilflos war, verletzt, halb tot vermutlich - der Kerl hatte ihn töten wollen! - ließ ihn krampfen und würgen. Der Knebel! Er ließ keine Luft rein, keine Galle raus. Da war sie wieder, die Anmutung von Apfel. Sie kam aus seinem Magen! Er hatte Apfelsaft getrunken, sie beide, im "Stadtkrug". Nein, der andere hatte ein Bier getrunken. Und ihn freigehalten.

Der andere! Das Ungeheuer!

Sie hatten sich unterhalten, einfach so. Nein, der Kerl war auf ihn zugegangen, er hatte ihn angesprochen. Ihn eingeladen auf ein Bier. Er musste von Anfang an etwas von ihm gewollt haben. Warum war ihm das nicht aufgefallen? Doch, natürlich hatte er sich gefragt, was der Typ von ihm wollte. Natürlich war er ihm ein bisschen merkwürdig vorgekommen. Aber vollkommen harmlos! Kaum älter als er selbst. Gut gekleidet, aber gar nicht hochnäsig. Umgänglich und unkompliziert.

Paul stöhnte. Erschrak von dem eigenen Geräusch. Lauschte mit angehaltenem Atem ins Dunkel. War er wirklich allein?

Nichts.

Er hatte davon gesprochen, hatte ihm gesagt, er werde wiederkommen. Um ihn fertigzumachen. Was hatte er, Paul, diesem Ungeheuer bloß getan? Ihm graute vor dessen Wiederkehr! Den winzigen erlösenden Moment lang, als der Stein mit voller Wucht auf seinen Kopf krachte, hatte er geglaubt, der andere hätte ihn bereits erschlagen. Die Ausholbewegung, dann der Aufprall. Genau! Daher der Kopfschmerz! Aber es hatte nicht gereicht. Sonst wäre er nicht wiede

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